Kinderwunsch oder einfach Hormondurcheinander

Schwanger oder noch nicht?

Moderator: Züri Mami

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Mama21
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Kinderwunsch oder einfach Hormondurcheinander

Beitrag von Mama21 »

Hallo zusammen

vor ab: es könnte vielleicht etwas länger werden. teils auch um Gedanken einfach "los zu lassen" und zur verarbeitung von (negativen) Gefühlen.

"was bisher geschah"...
1. Kind: Mai 21, Spontangeburt bei 40+2 nach Einleiten am ET wegen SSD. Gesundes Mädchen. Geburt an sich fand ich, mit Ausnahme des anfänglichem Wehensturm, sehr schön. Knapp 12 h vom Beginn wehensturm bis zur Geburt.

2. + 3. Kinder (Zwillinge), Juli 23, Kaiserschnitt bei 35+4 aufgrund Verdacht Plazentainsuffizienz. Z1 nach der Geburt direkt auf Intensiv-Neo, Z2 bei mir mit Wärmebett am anfang. KS an sich fand ich als so das härteste was ich bisher durchstehen musste. (Kann mir beim besten willen nicht vorstellen, warum man einen KS wünscht - aber jedem das seine).

Die ersten Wochen nach der Geburt der Zwillinge waren relativ entspannt, obwohl die Grosse eher bisschen eine rebellische Phase hatte 😅 Autonomiephase halt.. Für mich war die Neo zeit heftig. aber als wir ihn dann nach hause holen durfte (konnte mit Z2 schon paar tage eher nach hause), legten sich die anspannungen.
aber mit jeder woche fang ich an mich unvollständig zu fühlen. Der KS kam sehr spontan.
Ich lag bereits bei 34+6 eine Nacht mit regelmässigen Wehen im spital zur überwachung, und hatte mein insulin nicht dabei (ssd levemir für vor dem schlafen). trotzdem war der nürchternwert am morgen bei 4,5 mmol/l. auch nach rücksprache mit der diabetologin solle ich das insulin reduzieren.
Bei 35+3 war ich zur kontrolle im spital. Habe geschildert, dass ich die kindsbewegungen nicht mehr so oft / stark spüre, insulin stark reduziert werden musste, etc.
sie besprach es mit der chefärztin. so, und dann die hiobsbotschaft. "Deadline-KS" wäre ursprünglich für 37+2 geplant gewesen. Nun musste dieser Vorgezogen werden. Entweder Tags darauf oder Monag nach dem Wochenende. Ich entschied mich wegen der Kinderbetreuung der Grossen für den Tag darauf.

Was ich erst später realisiert habe: ich hatte nicht einmal 24 stunden zeit mich auf die Geburt vorzubereiten. Musste bereits um 06:15 im spital einchecken. Um 10:10 kamen beide dann zur Welt.
Aber genau weil es so abruppt endete, fühlte ich mich unvollendet. Ständig wenn jemand in der Monatsgruppe geschrieben hatte, dass nun ET erreicht wurde, plagte und triggerte es mich. Immer wenn mir Videos auf FB gezeigt wurden von positiven ss-tests, plagte es mich ebenso. Selber keinen eigenen positiven test mehr zu sehen.. keinen ET mehr zu erreichen... keine Geburt selber durchstehen zu "dürfen".
Es ging so weit, dass ich anfing über ein 4. Kind nach zu denken. Was aber ein totaler irrsinn ist, da es nur schon finanziell nicht machbar wäre. Habe aber auch mit meinem freund darüber gespochen und erläutert wie ich mich fühle. und er reagierte ganz gut und verstand mich. es war so ein cut. so "morgen kommen die babys zur welt", man kann sich nicht auf das bevorstehende vorbereiten. aber für ihn käme ein 4. kind auch nicht in frage.

ich konnte dies dann aber relativ gut verarbeiten. die Gedanken verschwanden allmählich.

bis gestern.
Die Kleinen spielten am Boden, mit der Grossen schwester, alle 3 richtig schön anzusehen wie sie es genossen.
Was mir durch die zwillingen fehlte, ist die bindung. es bleibt keine zeit fürs einfach zu sich nehmen. ich kann an einer hand abzählen, wie oft die zwei bei mir auf dem bauch eingeschlafen sind. unsere Grosse schlief praktisch nur auf meinem bauch ein.
ich fühle mich "nicht gemacht" fürs zwillingmutter sein. so doof es auch klingt. auch der alltag an sich. ich vermisse die baby-mama zeit... 😐

ich liebe alle 3. meine zwei mädels und unser sohnemann. aber irgendwie kommt wieder das gefühl zurück, unvollständig zu sein. versagt zu haben. irgendwie alles miteinander.
05/21 (40+2) 🩷 L
07/23 (35+4) 🩵🩷 E + T

Leela
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Re: Kinderwunsch oder einfach Hormondurcheinander

Beitrag von Leela »

Ich verstehe dich sehr.
Ich hatte beim ersten Kind einen „Not KS“.
Mitten während der Wehen, kam aus dem Nichts nach einen Schichtwechsel die Ärztin mit mehreren Assistenzärzten (?) und meinte, das mache keinen Sinn, das CTG sei nicht gut und es gehe zu wenig schnell voran. Minuten später lag ich schon auf dem OP Tisch.
Tochter hatte übrigens top Apgarwerte, es war also kein wirklicher Notfall…
Ich fühlte mich extrem unvollständig. Die Option KS hatte Ich vorgängig gar nicht auf dem Radar und niemand warnte mich vor, dass es nicht optimal lief.
Ich hab mich schon kurz nach der Geburt in einem Hausgeburtsforum angemeldet, gelesen, recherchiert, den Geburtsbericht angefordert usw.
Die Geburt war die nächsten Jahre jeden Tag präsent, rückblickend hätte ich wohl Unterstützung in der Aufarbeiten gebraucht.
Ich dachte auch sehr schnell an eine weitere ss, wollte es unbewusst wohl nochmals probieren.
Die beiden nachfolgenden Spontangeburten waren schöne Erfahrungen.
Aber ich musste auch erkennen, dass diese eine Geburt nie mehr zurück kommt.
Es tritt mit der Zeit in den Hintergrund aber jetzt beim Schreiben kommen mir auch die Tränen und es ist jetzt über 13 Jahre her..!
2010, 2013, 2015

swam
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Re: Kinderwunsch oder einfach Hormondurcheinander

Beitrag von swam »

Ich hatte eine schlimme erste Geburt, war kein KS.
Schliesse mich Leela an, es ist enorm wichtig, dass Du die Geburt aufarbeitest und Frieden damit schliessen kannst. Du hast ja eh keine Garantie, dass eine allfällige nächste Geburt dann ein schönes Erlebnis wird.
Meine 2. Geburt war ein Wunschkaiserschnitt aufgrund der 1. traumatischen Geburt. Es war die absolut richtige Entscheidung und ein schönes Erlebnis. Dies machte die 1. Geburt aber nicht weniger schlimm.

@Leela: Mir kamen auch während ein mehreren Jahr die Tränen, wenn ich an die Geburt zurück dachte. Seit ich sie aber (mit Hilfe) verarbeitet habe, passiert das nicht mehr. Es ist nie zu spät dafür 🙂

sonrie
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Re: Kinderwunsch oder einfach Hormondurcheinander

Beitrag von sonrie »

Mein erstes Kind kam auch spontan zur Welt, es war zwar schmerzhaft, aber es dauerte nur ein paar Stunden und war für mich ein wahnsinnig beeindruckendes Erlebnis und ich fand es auch "schön" (schmerzhaft schön) und ich war stolz auf mich/uns.

Ich war dann mit Zwillingen schwanger, welche auch per KS geholt werden mussten - nicht gewünscht von mir, aber auch aus gesundheitlichen Gründen (K1 in BEL und K2 in Querlage). Ich wollte spontan entbinden, hab alles mögliche versucht, hab mich dann aber auch mit einem KS bereit erklärt, sofern dieser erst beim Einsatz der Wehen stattfindet. In der 38. SSW wurde dann eine beginnende Praeklampsie festgestellt und der Wehenschreiber zeigte Wehen an, die Jungs wurden noch am gleichen Tag geholt - es war aber nicht so plötzlich wie bei dir, ich habe schon lange gehofft dass es bald losgeht, ich wollte wirklich nicht mehr schwanger sein.
Ich fand die Geburt auch überhaupt nicht toll, war aber am Ende einfach froh 2 gesunde Jungs bei mir zu haben. Was mir aber fehlte, war das Gefühl, dass ICH die Jungs geboren hatte, ich fühlte mich einfach sehr passiv (ich wurde "entbunden").
Ich habs dann über meinen Verstand gelöst, es war die beste Variante für uns und mit dem hohen Blutdruck wäre es gefährlich gewesen spontan zu entbinden, soweit war alles gut und die Sache vermeintlich gegessen.

Bis zum ersten geburi der Jungs. Da wanderten meine Gedanken zurück zu dem Tag ihrer Geburt, mein Herz wurde schwer und ich konnte nicht mehr aufhören zu weinen. Es nutzt nix, wenn dein Verstand etwas zwar annimmt, aber deine Gefühlswelt da nicht mitmacht.

Ich war zu der Zeit in Behandlung wegen einer Rektusdiastase, die Dame war zufällig auch Geburtsbegleiterin und ich konnte mit ihr dann den Kaiserschnitt aufarbeiten. Es war absolut befreiend zu erkennen, dass meine Wahrnehmung als richtig galt, einfach weil ich es so gefühlt habe und es hat mir wirklich sehr geholfen, das alles anzunehmen.

Dank diesen Sitzungen (es waren nur 2 oder so) habe ich erkannt, dass mein Hirn mir einen Streich spielte (ich hatte das Gefühl, dass ich die Kinder lange nicht bei mir hatte, was wir aber mit meinem Mann gemeinsam und der Fotos mit Uhrzeit dann rekonstruieren konnten, es waren nur 15 minuten oder so und mein mann war immer bei ihnen)- - und ich durfte lernen, dass die wahrheit nicht der Realität entsprechen muss, sondern dass meine Wahrheit das ist, was ich wahrnehme und fühle und dass das OK ist.

Ich bin heute noch kein Fan von KS und ich fühle mich nach wie vor "um eine Geburt gebracht", aber diese Aufarbeitung hat mir geholfen, es so anzunehmen wie es ist und nach vorne zu blicken. Ich kann dir das wirklich nur ans Herz legen.

Was das Handling von Zwillingen angeht: klar ist es anders, wenn da auf einmal 2 Babies sind und zudem noch ein Kleinkind, es bleibt logischerweise weniger Zeit (ist vielleicht generell beim zweiten Kind anders als beim ersten), aber wenn du merkst was dir fehlt, dann nimm dir das. Ich bin mir sicher ihr könnt euch irgendwie arrangieren sodass du das was die fehlt mehr haben kannst. Die Zeit zu kuscheln und gemeinsam einzuschlafen zum beispiel. Ich hatte nie das gefühl, dass ich da weniger Zeit mit den Babys hatte (sie haben bei uns im Bett im Beistellbett geschlafen und wir haben sie nächtelang herumgetragen )- es war mehr die Herausforderung, wie es zu schaffen ist, dass die Grosse (2jährig) auch ihre Streicheleinheiten abbekommt ;-)

Ich wünsche dir alles Gute!
"Wenn Aufregung helfen würde, Probleme zu lösen, würde ich mich aufregen." (Angela Merkel in "Die Getriebenen")

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Moreen
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Re: Kinderwunsch oder einfach Hormondurcheinander

Beitrag von Moreen »

Mein erstes Kind durfte ich bei 40+5 spontan gebären. Knapp 3 Jahre später wurde ich mit Zwillingen schwanger; mir war von Anfang an klar, dass ich die Beiden mittels KS entbinden wollte. Ich spürte, dass mein Körper dies nicht schaffen würde. Mein Instinkt gab mir Recht: Zwilling 2 hätte so oder so mittels KS geholt werden müssen; er war lag völlig verkeilt irgendwo in der hintersten Ecke meiner Gebärmutter :|

Den KS habe ich sowohl psychisch als auch physisch sehr gut weggesteckt (habe mir im Vorfeld homöopathische Mittel verschreiben lassen). Allerdings fehlte mir - genau wie bei dir, liebe Mama21 - das Kuschlen mit den Beiden :? . Mein erstes Kind war absolut kein Kuschelbaby; er mochte am liebsten alleine in seinem Stubenwagen oder auf der Krabbeldecke liegen und seine Welt von dort aus betrachten und erforschen. Wie sehr habe ich mir gewünscht, mein 2. Kind würde ein Kuschelbaby sein - tja, dann die Überraschung: Ich erwartete Twins.

Die Beiden waren von Anfang an ein „Dream-Team“; sie lagen immer zusammen in ihrem Bettchen oder auf der Krabbeldecke - sie genügten sich und brauchten mein Kuscheln nur selten, was mich sehr traurig machte. Und: Wenn ich mal eines auf den Arm nahm um zu kuscheln, hatte ich ein schlechtes Gewissen dem andern gegenüber :oops: . Lange hatte ich auch das Gefühl, es fehle noch ein Kind in unserer Familie. Heute, 18 Jahre später, weiss ich, dass es eher mein (egoistischer) Wunsch nach einem Kuschelbaby war; drei Kinder sind für mich absolut stimmig 💖

Ich hoffe, dass du dich über kurz oder lang mit der Situation versöhnen kannst 🌺
In Ruhe gelassen werden ist gut.
Durch Ruhe «gelassen werden» ist besser.

nala11
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Re: Kinderwunsch oder einfach Hormondurcheinander

Beitrag von nala11 »

Ich hatte auch ein KS und Zwillinge, erlebte dies aber als schön, auch wenn es sehr unerwartet war -ich glaube das haben Geburten halt immer an sich, dass am Ende vieles anders läuft als erwartet oder erhofft.
Eigentlich wäre der Termin erst 2 Wochen später gewesen, dann hatte ich einen Blasenspung - 5 Stunden später war der KS.

Ich hatte auch manchmal Phasen, wo ich traurig war, dass ich meine Kindern nicht einzeln mehr halten und geniessen konnte, weil es von Anfang an ein Doppelpack und schon recht stressig war. Gleichzeitig gab es so viele andere schönen Aspekte und besondere Momente mit und zwischen den Beiden, die mich dafür entschädigt haben. Als sie etwas älter waren, habe ich auch bewusst Stunden oder Tage geplant, wo ich dann mit nur einem Kind was unternommen habe, das war dann immer sehr intensiv und wertvoll.

Vielleicht fragst du dich, was genau hinter deinem Wunsch nach einem 4.Kind steckt?

Die Sehnsucht, schwanger zu sein?
Der Wunsch, nochmals eine natürlich Geburt zu erleben?
Der Wunsch, nochmals nur ein Baby zu haben und für ein Baby viel Zeit zu haben?
Die Erwartung, dass dich eines davon aussöhnt, mit dem womit du gerade haderst?

Was (statt einem neuen Baby/einer Schwangerschaft) könnte dir den helfen, dich mit der Geburt auszusöhnen?

Und was brauchst du denn, damit du dich in einer neuen Rolle als Dreifach-Mami wohler fühlst?

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