Dr. Karg Gedichte / Teil 2
Moderator: Phönix
Sonnentriebhaftes
Sonnentriebhaftes
Wenn im Frühling
Baumknospen aufbrechen,
ist es wohl an der Zeit,
sich wieder an
Sonne zu erinnern,
denn was Pflanzen und Tieren
zum Labsal wird,
ist auch dem Menschsein Freude.
Aber: Übertreibe nicht!
Was jederzeit möglich wäre,
sich den Strahlen auszusetzen,
sind ja nur Möglichkeiten
in frühen Zeitläuften.
Man sollte sich jederzeit auch
an die Bedingungen
des Gesundseins
erinnern.
©Hans Hartmut Karg
2023
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Heimat finden
Heimat finden
Zu häufiger Wechsel der Lebensorte
gefährdet das Heimischwerden.
Das treibt Erinnerung und Sehnsucht,
die in den Zeitenwechseln bleiben.
Natürlich sucht der Wechsel
oft auch das gemachte Nest.
Manchmal will Wegfliehen
nur Alimentationen ergattern.
Überlegen Heimatverlassende
überhaupt ihren Seelenzustand noch,
der vor ihrem Weggang bestand,
wenn nur Versorgungsjagen bleibt?
©Hans Hartmut Karg
2023
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Süßwasserrettung
Süßwasserrettung
Überleben geht nur mit Süßwasser,
Wenn wir lernen, es intelligent zu nutzen,
Indem wir kontrolliert das wertvolle Trinkwasser
Bewahren, schützen – nicht unnötig verschmutzen.
Einfach nur Brunnen bohren rettet kein Nass,
Entsalzungsanlagen kosten, belasten das Klima:
Der Mangel an notwendigem Nasswasser
Zerstört Bleibewünsche und viel Sozialklima.
Mit Freiwilligkeit lässt sich nicht durchhalten,
Was dem Leben notwendiger Süßwasserbedarf.
Diese Ressource muss man viel strenger verwalten,
Das Recht durchsetzen mit Gesetzen, die scharf.
Dazu gibt es in den vielen Oasen uralte Konzepte,
Mit denen kostbares Nass vor Verschwendung bewahrt.
Lasst uns dort forschen und sehen, welche Rezepte
Kluge Wasserwärter das Nass einhegen, wie man es spart.
Dauerhaft müssten auf der Erde Menschen nicht dürsten,
Könnten sich an frischem Trinkwasser erquicken,
Wenn wir uns nicht täglich in der Dusche die Haare bürsten,
Weniger Wasser verschwenden, keine Pools beschicken.
©Hans Hartmut Karg
2023
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Sintemal
Sintemal
Weil, da, zumal hieß das,
Was heute veraltet sei.
So schiebt man ohne jedes Maß
Worte in Orkus' Vergessensspreu.
Doch welch einen feinsinnigen Klang
Dieses Wort einst verbreitet hat,
Als unsere Sprache noch ellenlang,
Fabulieren Anspruch, Würde und Tat...!
©Hans Hartmut Karg
2023
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Was gibt es nicht alles
Was gibt es nicht alles
Man sieht im Programm die Serien wummern,
Denn nie wieder werden die Medien schlummern,
Werden immerzu neue Geschichten aufspüren
Und so die Höhe der Einschaltquoten generieren.
Die Suche geht ständig nach neuen Formaten,
Bei denen möglichst viele Zuschauer mitraten:
Bis heute laufen die vielen Millionenshows,
Denn es geht dabei um sehr viel Moos.
So greift man halt die Werbemittel ab,
Moderatoren bringen sich reich ins Grab,
Denn man sucht nach Steigerungen im Tollen,
Schließlich muss überall der Rubel rollen.
Was gibt es nicht alles im Fernsehen zu sehen,
Bei dem Millionen Menschen mitgehen?
Gar manches kommt auch aus Versehen ins Bild,
Das macht dann auch manchen Seher wild.
Man glaubt gar nicht, wer da alles zum Erfolge sich führt
Und für kein Foto, für keine Aussage sich geniert!
So erleben wir häufig auch den jungen Ganter,
Der vorgibt, er sei weltläufig, gar ein Verwandter...
Das Ganze läuft alles unter Augengewöhnung,
Es geht dabei ja nicht um wahre Versöhnung
Mit Wahrheit, die man in Programmen präsentiert,
Weil man Menschen über Werbung zum Konsumieren verführt...
©Hans Hartmut Karg
2023
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Farbenirrsinn
Farbenirrsinn
In vielen Medien fressen grelle Farben
Tatsächlich unseren Augensinn auf.
Zurück bleiben Blitze und innere Narben
Und beeinflussen unseren Gemütslauf.
Viele Monitore werden immer heller,
Man glaubt, die Zwiebel wär' in Dauerhäutung,
Dabei wird alles nur immerzu greller,
Nichts ist dabei mehr von wahrer Bedeutung.
Farbpaletten sind gegen Graumeliertes,
Wollen Gemütskräfte zum Glücksfühlen führen.
Doch Übertriebenes ist eben auch Verführtes
Und bringt nicht unbedingt dem Leben mehr Licht.
©Hans Hartmut Karg
2023
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Wenn Du Seelen retten willst
Wenn Du Seelen retten willst
Wenn Du Seelen retten willst,
Erwarte ja dann nicht von ihnen,
Dass sie Dir auch dankbar sind.
Dankbarkeit ist eine Tugend –
Ohne Bildung kaum zu leisten.
Wenn Du Seelen retten willst,
Frage erst: „Wem kann ich dienen?“
Nicht alle, die sehr weise sind,
Vermögen von sich abzusehen,
Oft fehlt dazu die Bemühung.
Wenn Du Seelen retten willst,
Kannst Du Einzelne bedienen,
Lass' Dich aber nicht einspannen!
Niemals in fremde Suppen spucken,
Das ist unsere Sittentradition.
Wenn Du Seelen retten willst,
Musst Du bei Dir selbst anfangen,
Indem Du Gutwillen ausfüllst,
Bei anderen stets ehrlich fühlst,
Wie ihr Sinn und ihr Verlangen.
©Hans Hartmut Karg
2023
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Feste Zeiten
Feste Zeiten
Fest eingebunden in Abläufe am Tage
Sind manche nicht mehr bei Sinnen?
Sie stellen sich selbst dauernd in Frage,
Als hörten sie nur noch die innere Stimme.
Man lebt in der Seniorenresidenz,
Sag' dazu ja nicht: „Altersheim!“
Alles ist getaktet, es geht um Effizienz –
Auch das fördert Harmonie und Daheim.
Ans Leben ist man noch sehr gewöhnt,
Doch weniger wird das Parlieren.
Denn schließlich ist man altersversöhnt,
Muss halt manches Zwacken spüren.
So pendelt Rebellion zu Resignation,
Hin- und hergerissen bleibt das Gemüt,
Wo überwacht, meist bei sanftem Ton
Kein Hauch mehr durch die Räume zieht.
Gebrechlich, doch mit festen Zeiten
Stellt sich das Essen dem Magen vor:
Sanfter wird man, will ja weniger leiden,
Vergeblich wartet der Knochige am Tor...
©Hans Hartmut Karg
2023
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Alles mitmachen (Satire)
Alles mitmachen
(Satire)
Manche Menschen glauben,
Ohne sie drehe sich kein Globus,
Sie müssten Präsenz hochschrauben,
Denn dabei gibt’s Fest und Genuss.
Wie bei so mancher Vernissage
Stehen sie miteinander im Kreise herum.
Man schaut sich an Kunst und Visage
Und betrachtet heimlich das ganze Spektrum.
Manche müssen dort ständig reden,
Andere wollen nur die Ansprache hören
Haben sich das Plaudern längst verbeten,
Wollen auf die Kunstweisheit schwören.
Wenn man nach dem Applaus beim Imbiss weilt,
Ist man bald satt und mit sich selbst zufrieden:
Der Organisator ist längst dem Platze enteilt,
Man hat sich schon für das Nächste entschieden...
©Hans Hartmut Karg
2023
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Der Liebe Morgensinn
Der Liebe Morgensinn
Der Liebe Morgensinn
Entdeckt Festes an kleiner Knospe,
Weil ich Dir da so nahe bin,
Damit Begehren uns nicht roste.
So wird in stillem Lustgewinn
Das Auge leicht, die Lende frei:
Auch Düfte haben ihren Sinn,
Wo im Geschlecht ein Wünschen sei.
Sag' ja nicht jedem, was Du empfindest,
Wenn Dich der Strom oft wild erreicht
Und Hemmungen Du überwindest,
Wodurch das Minnen wird so leicht.
Dann bleibt der Liebe Morgensinn
Wie immer Dir als Offenbarung,
Weil ich im Licht Dein Retter bin –
Mit Nähe und bester Erfahrung.
©Hans Hartmut Karg
2023
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Harrende, schnarrende
Harrende, schnarrende
Harrende, schnarrende Türangeln
Vertragen sich gut mit Altliebenden,
Die sich langsam im Bette hochhangeln –
Keinesfalls zugewandt den Seeletrübenden.
Egal wie alt und groß Zimmerfluchten,
Die Bettstellung ist niemals entscheidend,
Denn Liebende wollen nur die Nähe suchen,
Welche augen-, puls-, seelenweitend.
Schon immer findet ein Deckel zum Topf,
Die Umgebung dabei ist liebesunwichtig:
Amor packt BEIDE heut' noch oft beim Schopf,
Weil er von vornherein weiß: Die machen's richtig!
©Hans Hartmut Karg
2023
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Influenzer
Influenzer
Völlig neu ist dieses Handeln nicht,
Zu allen Zeiten gab es ja Personen,
Welche in eig'nen Öffentlichkeitszonen
Persönlich sich brachten ins Licht.
In der Antike gab es Säulenheilige,
Dann später Philosophen auf der Agora,
Denn dazu waren früh die Lehren da:
Überzeugungsarbeit im Hingeh'n für Eilige.
Und auch im Mittelalter lockte der Tanzbär
Auf Jahrmärkten die vielen Leute an,
Weil Tanzbewegung er nachahmen kann,
Denn das belustigte Besucher sehr.
Doch waren Reichweiten begrenzt,
Während man heute mit Millionen Klicks
Sich präsentieren kann sogar mit Tricks,
Wo Licht, Farbe und Bewegung lenzt.
Die Einflussnahme wirkt heute global,
Neugierjugend will doch alles schauen.
So sieht man Hunde, Babys, Frauen,
Als hätte Leben anders keine Wahl ...
©Hans Hartmut Karg
2023
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Bilder suggerieren Nähe
Bilder suggerieren Nähe
Das Smartphone immer eingeschaltet,
Irgendwo her kommt ein Signalton,
Weil global das Netz alles verwaltet
Und man meint, dies sei uns Lohn.
Das Netz aber suggeriert nur Nähe,
Die scheinbar in Dein Zimmer gebracht,
Wo der Monitor mit Lust und Wehe
Dir Bilder präsentiert – Tag und Nacht.
Du meinst, das Bild wäre so Deins,
Intim, privat und nur für Dich,
Wenn im Lichte des Bildschirmscheins
Dies verbindet scheinbar Dich und mich.
Doch es bleibt eben tatsächlich Ferne,
Das Bildnis gaukelt nur Nähe vor:
Ich hätte Dich doch bei mir gerne,
Doch dahin öffnet sich mir kein Tor.
Schauen bleibt weniger als Berühren,
Bilder sind, wie sie sind, ohne Wandel
Und können uns leicht dazu verführen,
Dass die Oberfläche unser Lebensmantel.
Geführt, verführt und auch verraten
Bindet das Netz unsere Lebenszeit
Und mancher wäre dabei gut beraten,
Wäre er suchtfrei, zum Ausschalten bereit...
©Hans Hartmut Karg
2023
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"Ach du dickes Ei!"
„Ach du dickes Ei!“
Manche Sätze sind nah am Zotenkern
Und zeigen als Urheber ihren Herrn,
Bei dem sich Erwartungen so ereignen,
Als würden sie immer zum Lüsternen neigen.
Sprache folgt dann, als würde sie spähen,
Von sich aus automatisch Lockungen aussäen,
Um in Liebesdiensten weiter zu kommen –
Darum sind manche Worte ins Netz genommen.
Doch ob jemand damit etwas anfangen kann
Nur weil sie geschrieben von einem Mann?
Selbst wo erotische Träume sich verfangen,
Muss mancher um deren Erfüllung bangen.
Im Wissen um Möglichkeiten der Sprache,
Mit der die Lust ihre Wunder entfache,
Hat der Mensch Möglichkeiten ausgemessen,
Ist dabei nicht selten Illusionen aufgesessen.
©Hans Hartmut Karg
2023
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Die Umwendung
Die Umwendung
Zum Mars müssen wir doch nicht fliegen,
Wir brauchen keinen Wassermann,
Wenn die Vernunft sollte obsiegen,
Weil die Menschheit auch anders kann.
Wir brauchen keinerlei Kindermassen,
Um die Menschheit zu erhalten.
Deshalb sollten wir das Vermehren lassen
Und endlich den Verstand einschalten.
Ideenzwänge sind nichts als Wahn,
Hilf Dir selbst, dann hilft Dir Gott!
Unser Globus ist nur ein winziger Kahn,
Denken wir lieber polyglott, nicht bigott!
Lasst uns die Kriege beenden
Unser Handeln zum Frieden hin passen,
Dann können wir Angstfreiheit spenden
Und endlich Mut zum Klimaschutz fassen.
©Hans Hartmut Karg
2023
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