Letztes Semester der 9. Kl - Alternativen?

Die Zeit des Erwachsenwerdens

Moderator: Züri Mami

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danci
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Re: Letztes Semester der 9. Kl - Alternativen?

Beitrag von danci »

Eine schwierige Situation.

Aber eben, sie rausnehmen, ist keine Option. Es geht dabei nicht darum, dass sie für Lehrstelle einen Abschluss braucht oder für spätere berufliche Chancen, sondern es verstösst klar gegen das Gesetz und hat unter Umständen eine Anzeige bei der KESB und/oder Staatsanwaltschaft zur Folge. Dessen muss man sich bewusst sein.
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Samina
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Re: Letztes Semester der 9. Kl - Alternativen?

Beitrag von Samina »

Bei meinem Sohn wird in der Schule gerade abgeklärt, ob er 1-2 Tage die Woche ein Praktikum machen könnte oder bereits im Lehrbetrieb mitarbeiten kann. Im letzten Semester ist das an unserer Schule öfters Thema wenn die Motivation im Keller ist. Vielleicht gäbe es für deine Tochter auch diese Möglichkeit und es gäbe ihr zumindest etwas Luft..?

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Ursi71
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Re: Letztes Semester der 9. Kl - Alternativen?

Beitrag von Ursi71 »

danci hat geschrieben: Fr 13. Jan 2023, 10:36 Eine schwierige Situation.

Aber eben, sie rausnehmen, ist keine Option. Es geht dabei nicht darum, dass sie für Lehrstelle einen Abschluss braucht oder für spätere berufliche Chancen, sondern es verstösst klar gegen das Gesetz und hat unter Umständen eine Anzeige bei der KESB und/oder Staatsanwaltschaft zur Folge. Dessen muss man sich bewusst sein.
Könnte man das, wenn es sein müsste, nicht umgehen, wenn ein Arzt die Tochter krankschreibt? Ich kenne mich zwar bezüglich Schule nicht aus, aber in der Arbeitswelt ist es ja (leider) häufig, dass Arbeitnehmer infolge psychischer Belastungen während Monaten arbeitsplatzbezogen krankgeschrieben werden müssen. Das müsste doch in der Schule auch gehen? Natürlich müsste das dann im Zeugnis entsprechend aufgeführt werden.

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danci
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Re: Letztes Semester der 9. Kl - Alternativen?

Beitrag von danci »

@ Ursi
Unter Umständen schon, je nach Schule wird das aber nicht einfach 1:1 übernommen, sondern genaustens geprüft. Es gibt eine Kaskade ab wieviele Fehlzeiten der Schulleitung und dann auch der Schulkommission gemeldet werden müssen. Der Unterschied zur Arbeitswelt ist ja, dass es eine gesetzliche und keine vertragliche Pflicht ist und zudem geht es um Kindesschutz, denn es ist nun mal ein verfassungsrechtliches Recht.

Ich weiss, dass wir einen Fall eine Kindes mit Krebs hatten, das teilweise dispensiert wurde, weil es einfach keinen ganzen Schultag geschafft hat. Leider war da das Thema Zukunft aufgrund schlechter Prognosen der Ärzte eh kein Thema :( . Und selbst da war das Schulinspektorat involviert, auch wenn es (natürlich) ermöglicht wurde.

Aber es ist durchaus möglich, dass die Schule aufgrund der Vorgeschichte, dem Umstand, dass es "nur" ein Semester ist und das Kind eine Anschlusslösung hat, ein Auge zudrückt.
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+jj+
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Re: Letztes Semester der 9. Kl - Alternativen?

Beitrag von +jj+ »

das problem ist wohl auch, dass wenn deine tochter krankgeschrieben wäre, sie wohl kaum eine sinnvolle alternative - wie ein sprachaufenthalt oder praktikum - machen könnte.

ist eine privatschule sonst keine möglichkeit?

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naura
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Re: Letztes Semester der 9. Kl - Alternativen?

Beitrag von naura »

Ich finds ehrlich gesagt keine gute Überlegung wegen solchen zwischenmenschlichen Problemen zu flüchten. Da müssen die Schule, die LP und die betroffenen Kids absolut nichts bezüglich Konfliktmanagement lernen. Und auch für deine Tochter fällt ein Lernfeld weg. Ich persönlich würde die Energie da einsetzen und meinem Kind eine Fachperson an die Seite stellen, um Lösungen und Werkzeuge zu erarbeiten mit der Situation umzugehen. Das ist eine mega Chance, da in der Zeit noch viel zu lernen.
mit Meite (07)
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Wir sind da um zu strahlen, wie es die Kinder tun.
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Libli
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Re: Letztes Semester der 9. Kl - Alternativen?

Beitrag von Libli »

Ich sehe es wie Leela. Fände eine Lrankschreibung den falschen Weg. Sie hatte bereits einmal einen psychischen Zusammenbruch, jetzt wieder psychische Probleme, hier zu sagen "wir möchten aber leinen Psychologen mehr" finde ich fehl am Platz. So kommen diese Krisen immer und immer wieder. Ihr könntet euch beraten lassen, wer fûr euch geeignet ist. Es machen nicht alle Spieltherapie, in ihrem Fall wäre vielleicht eine kognitive Verhaltenstherapie wirkungsvoller.

ausländerin
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Re: Letztes Semester der 9. Kl - Alternativen?

Beitrag von ausländerin »

Ihr braucht keinen Psychologen, aber einen Kinder Psychiaterin die deine Tochter begleiten kann, und zwar über längeren Zeitraum. Es ist sehr schwierig momentan aber ihr könnt versuchen privat eine Lösung zu suchen und nicht aufgeben. Parallel zu allen anderen Möglichkeiten.

Libli
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Re: Letztes Semester der 9. Kl - Alternativen?

Beitrag von Libli »

Wieso Psychiater und kein Psychologe? Es geht um die Ausbildung in Psychotherapie, die können sowohl Ärzte als auch Psychologen haben.

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Moreen
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Re: Letztes Semester der 9. Kl - Alternativen?

Beitrag von Moreen »

Libli hat geschrieben: Mo 23. Jan 2023, 07:28 Wieso Psychiater und kein Psychologe? Es geht um die Ausbildung in Psychotherapie, die können sowohl Ärzte als auch Psychologen haben.
Vielleicht geht es da drum, dass ein Psychiater (= Arzt) befugt ist, nötigenfalls ein ärztliches Zeugnis auszustellen, um die Schülerin (vorübergehend) krank zu schreiben und in dieser Zeit nach einer gangbaren Lösung zu suchen...
«Wo kämen wir hin, wenn alle sagten: »Wo kämen wir hin?«
und niemand ginge, um zu schauen, wohin man käme,
wenn man ginge.»

-Kurt Marti-

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Re: Letztes Semester der 9. Kl - Alternativen?

Beitrag von zoe_007 »

Ihr habt doch im Kanton Bern die geniale Möglichkeit für eine Klassen der Sekundarstufe l der obligatorischen Schulzeit in einer anderen Sprachregion zu besuchen. Dann hätte sie die obligatorische Schule abgeschlossen und etwas mehr franz. für die KV-Lehre schadet auch nicht. Eigentlich müsste es ein ganzes Jahr sein, aber fragen ob es auch für ein Semester geht kostet ja nichts:
https://www.lp-sl.bkd.be.ch/de/start/th ... sjahr.html

Sonst würde ich sie auch eher in eine Privatschule gehen lassen. Kostet halt etwas, aber auch nur ein halbes Jahr kann sonst viel Schaden anrichten. Ganz aus der Schule nehmen würde ich sie nicht, damit ihr nicht wichtiger Schulstoff fehlt.

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Re: Letztes Semester der 9. Kl - Alternativen?

Beitrag von ausländerin »

Libli hat geschrieben: Mo 23. Jan 2023, 07:28 Wieso Psychiater und kein Psychologe? Es geht um die Ausbildung in Psychotherapie, die können sowohl Ärzte als auch Psychologen haben.
Das Kind hatte schon ein Zusammenbruch, die Eltern waren nah dran Notfallintervention zu starten. Jetzt geht es um Strategien damit es nicht nochmals passiert - also Risiko ist vorhanden dass es nochmals zu Zusammenbruch kommen kann wenn jetzt nichts unternommen wird. Die Warscheinlichkeit bei Kinderpsychiater ist grösser dass zum Beispiel eine Depression nicht übersehen wird, und dass die andere Mögliche Themen aufgedeckt werden. Und ja, Psychiater ist ein Arzt und kann Krankschreiben, zu weiteren Abklärungen überweisen, Medikamente verschreiben und die Kosten werden immer von Versicherungen übernommen.

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danci
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Re: Letztes Semester der 9. Kl - Alternativen?

Beitrag von danci »

@ Ausländerin
Alles richtig, aber 6 Minate reichen leider oftmals nicht, um einen Psychiater zu finden. Die UPD Bern musdten im Dezember sogar das ambulante Angebot aufheben, die Wartelisten betragen 18 Monate. In Bern ist es echt schwer. Meine Freundin sucht nun seit über 2 Jahre. Aber unser Gesundheitsminister ist eher damit beschäftigt, über Asylbewerber zu schimpfen.
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Libli
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Re: Letztes Semester der 9. Kl - Alternativen?

Beitrag von Libli »

ausländerin hat geschrieben: Di 24. Jan 2023, 00:15
Libli hat geschrieben: Mo 23. Jan 2023, 07:28 Wieso Psychiater und kein Psychologe? Es geht um die Ausbildung in Psychotherapie, die können sowohl Ärzte als auch Psychologen haben.
Das Kind hatte schon ein Zusammenbruch, die Eltern waren nah dran Notfallintervention zu starten. Jetzt geht es um Strategien damit es nicht nochmals passiert - also Risiko ist vorhanden dass es nochmals zu Zusammenbruch kommen kann wenn jetzt nichts unternommen wird. Die Warscheinlichkeit bei Kinderpsychiater ist grösser dass zum Beispiel eine Depression nicht übersehen wird, und dass die andere Mögliche Themen aufgedeckt werden. Und ja, Psychiater ist ein Arzt und kann Krankschreiben, zu weiteren Abklärungen überweisen, Medikamente verschreiben und die Kosten werden immer von Versicherungen übernommen.
Nein, die Wahrscheinlichkeit, dass eine Depression gesehen und andere Themen aufgedeckt werden ist bei einem Psychiater nicht höher. Und Strategien erarbeiten macht ein Psychologischer Psychotherapeut auch. Ich weiss nicht, an wen du geraten bist, wahrscheinlich hast du schlechte Erfahrungen mit Psychologen gemacht, jedoch finde ich es unpassend, diese Erfahrung nun zu verallgemeinern. Ja, Medis verschreiben kann ein psychologischer Psychotherapeut nicht, jedoch hat ein seriöser Therapeut ein Netz an Berufsgruppen um sich, um zb die Mediabgabe zu regeln. Übrigens geht psychologische Psychotherapie nun auch unter Grundversicherung der Krankenkasse, leider nach wie vor mit speziellen Vorgaben, aber trotzdem. Ich finde, psychotherapeutische Hilfe ist in diesem Fall dringend nötig, ob von einem Arzt oder Psychologe ist sekundär, wichtig ist dass die Person mit ihrem Ansatz zu einem passt und dass sie Platz hat, was heutzutage leider nicht selbstverständlich ist.

desperado
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Re: Letztes Semester der 9. Kl - Alternativen?

Beitrag von desperado »

@ alle
Vielen Dank für eure Nachrichten und euer „Mitdenken“!
Momentan ist es so, dass es wieder etwas ruhiger ist. Sie üben für ein Theater und da sie eine Rolle hat mit viel Text, scheint ihr das gut zu tun und gibt ihr ein Ziel. Ich denke halt, dass es viel damit zu tun hat!
1. Unterforderung
2. Ein Klasse voller Unzufriedener
3. Lehrer schaut weg

Jemand hat geschrieben (@ Naura?), dass alle viel aus der Situation lernen könnten. Das sehe ich nach wie vor auch so. Wir warten nun das Elterngespräch mit dem Lehrer ab, wo ich einiges auf den Tisch bringen werde!

Psychologische Unterstützung…
Ich hatte nirgends geschrieben, dass wir das nicht wollen, sondern: nicht mehr bei der Kinderpsychologin wo wir waren, aber nicht generell.
Es herrscht ganz brutale Psychi-Knappheit, ob jetzt Psychologin, oder Psychiater. Im Moment ist mir das Kind stabil. Krisen gehören zu jeder Pupertät. Momentan bin ich zuversichtlich, dass wir auch diese meistern.

Keep you updated….
zoe_007 hat geschrieben: Mo 23. Jan 2023, 19:19 Ihr habt doch im Kanton Bern die geniale Möglichkeit für eine Klassen der Sekundarstufe l der obligatorischen Schulzeit in einer anderen Sprachregion zu besuchen. Dann hätte sie die obligatorische Schule abgeschlossen und etwas mehr franz. für die KV-Lehre schadet auch nicht. Eigentlich müsste es ein ganzes Jahr sein, aber fragen ob es auch für ein Semester geht kostet ja nichts:
https://www.lp-sl.bkd.be.ch/de/start/th ... sjahr.html

Sonst würde ich sie auch eher in eine Privatschule gehen lassen. Kostet halt etwas, aber auch nur ein halbes Jahr kann sonst viel Schaden anrichten. Ganz aus der Schule nehmen würde ich sie nicht, damit ihr nicht wichtiger Schulstoff fehlt.
Echt jetzt! Hab das noch nie gehört! Das wäre doch eine Info, die von der Schule kommen sollte… :roll: Nicht dass sie je hätte gehen wollen, dafür ist sie viel zu scheu, leider!! Danke trotzdem für dein Post :-)

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danci
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Re: Letztes Semester der 9. Kl - Alternativen?

Beitrag von danci »

@ desperado
Das tönt doch schon schön. Ich drücke deiner Tochter die Daumen, dass das Jahr noch einigermassen gut zu Ende geht und sie dann motiviert in die Lehre starten kann.
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Laila1980
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Re: Letztes Semester der 9. Kl - Alternativen?

Beitrag von Laila1980 »

Wo wohnt ihr denn? Mein Kind hat die Schule ebenfalls nicht abgeschlossen, ähnliche Gründe wie bei euch... und es war entgegen jenster Panikmacher kein Problem, wurden zwar bei der Kesb gemeldet, haben auch da klar Stellung bezogen, Zeit mit Praktikum überbrückt und ist nun in der KV Lehre.
Kesb als Angstgespent wurde mir auch prophezeit... war alles Quatsch, keiner kann das Kind in die Schule prügeln;-)

desperado
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Re: Letztes Semester der 9. Kl - Alternativen?

Beitrag von desperado »

Lila1980
Danke für deinen Beitrag.
Ich glaube, das war ich mir bewusst. Aber es ist halt schon so, dass ich finde, aus einer Situation davon zu laufen, immer die letzte aller Möglichkeiten sein sollte. Meine Tochter möchte das auch nicht.
Ich konnte ihr zum Glück aufzeigen, dass alle in dieser Klasse frustriert sind und zwar aus dem selben Grund, wie sie selbst. Es sind einige wirklich gute Sus in Gymi abgezogen, und diese fehlen halt! Sie fehlen nicht nur, weil sie menschlich und sozial einen Unterschied machten zum Schulerlebnis meiner Tochter und das der anderen, sondern auch, weil die Dynamik nun total anders ist. Nicht genug, dass einige gute Freunde weg sind, es kamen auch neue in die Klasse. Auch diese müssen ihren Platz finden und sind traurig und unzufrieden über die Situation. Diese jungen Menschen müssen ganz schön viel „innere Arbeit“ leisten, in Form von Anpassung, Selbstmotivation und Integration. Nebst der Herausforderung „Pupertät“ ist das ne ganz schöne Leistung! Ausserdem muss doch das beklemmende Gefühl zurückbleiben, es selber nicht geschafft zu haben, nicht dazu zu gehören und halt i’wie zu dumm zu sein für den vermeintlich coolen Werdegang „Gymer“.

Ich bin keine Fachperson, arbeite nicht mit Jugendlichen, aber es ist mir sehr gut möglich, mich in ihre Situation hineinzufühlen.
Da gibt es dieses Mädchen, das bildhübsch sein soll. Und die halt auch den Ton in der Klasse angibt und um die die Jungs rumtänzeln. Dieses Mädchen ist nun aber sozial nicht gerade der Hochflieger. Und sind wir ehrlich: Diese Kombination gibt es an fast jeder Schule und in fast jedem schlechten Teeniefilm. So haben sich denn zwei Lager entwickelt: Die einen, die diesem Mädchen nacheifern und ein Stück Kuchen abhaben wollen und die anderen die das aus den verschiedensten Gründen nicht wollen. Dazu gehört meine Tochter. Ich konnte ihr aufzeigen, dass es für alle nicht hilfreich ist, wenn sich diese zwei Lager bilden und sie sich verhärten, wenn jeder gegen jeden lästert. Ich weiss auch nicht, wo die Lästerei angefangen hat, auf welcher Seite. Aber ich zeigte ihr auf, dass ihre Einstellung allein macht, dass diese Fronten immer härter werden. Ich war dann stolz zu hören, dass sie mit ihren Freundinnen geredet hatte und sich fortan gegen das Lästern, zumindest auf ihrer Seite, einsetzt. Ich glaube, das hat schon viel bewirkt, ihr die Dynamik, den “vicious Cycle” aufzuzeigen. Ausserdem bringen auch die neuen Schüler noch “Altlasten” mit Dynamiken mit, die die Übriggebliebenen mittragen müssen.

Ja, ich finde die Situation richtig anspruchsvoll und ich könnt mich kneifen, dass ich das Mädel nicht aus der Schule in eine private Schule steckte, welche sich mehr der Verantwortung zur Vorbereitung auf die Lehre bewusst ist und die Sus auch dahingehend individuell mehr fördert. Ich dachte, das wird die Volksschule schon schaffen - weit gefehlt! Es sind derart viele Missstände an der Schule, dass es mich natürlich zusätzlich nervt, dass ich das nicht gesehen habe. Und das blöde ist - auch mein anderes Kind ist betroffen! Denn ich habe Zwillinge und da hat man immer nur eine Chance, es richtig zu machen und dann nie wieder…. Und es wiegt immer doppelt.

Tja, dass meine Tochter auch meine Gefühle zunehmend übernimmt streite ich ja gar nicht ab, allerdings haben sich diese eigentlich erst in den letzten Wochen entwickelt, als ich sah, dass es nun nicht nur schulisch, sondern auch sozial in die falsche Richtung geht.

Ich kann ihr nur eine Stütze sein, indem ich sie ermutige und ihre Anstrengungen, es zu schaffen würdige! Ich sage ihr, wenn sie das geschafft hat, kann sie in weniger als 5 Mt. mega stolz sein auf sich!

Ich danke euch, dass ich hier meine Gedanken sortieren kann und ein Ventil finde, sie loszuwerden!
Eure Anregungen sind sehr willkommen!
Zuletzt geändert von desperado am Mi 25. Jan 2023, 14:05, insgesamt 1-mal geändert.

desperado
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Re: Letztes Semester der 9. Kl - Alternativen?

Beitrag von desperado »

Samina hat geschrieben: Mi 18. Jan 2023, 12:26 Bei meinem Sohn wird in der Schule gerade abgeklärt, ob er 1-2 Tage die Woche ein Praktikum machen könnte oder bereits im Lehrbetrieb mitarbeiten kann. Im letzten Semester ist das an unserer Schule öfters Thema wenn die Motivation im Keller ist. Vielleicht gäbe es für deine Tochter auch diese Möglichkeit und es gäbe ihr zumindest etwas Luft..?
Danke auch für diesen Input, den ich noch gar nicht richtig registrierte…. Ich schaue mal, was ich machen kann…

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danci
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Re: Letztes Semester der 9. Kl - Alternativen?

Beitrag von danci »

Laila1980 hat geschrieben: Di 24. Jan 2023, 21:23 Wo wohnt ihr denn? Mein Kind hat die Schule ebenfalls nicht abgeschlossen, ähnliche Gründe wie bei euch... und es war entgegen jenster Panikmacher kein Problem, wurden zwar bei der Kesb gemeldet, haben auch da klar Stellung bezogen, Zeit mit Praktikum überbrückt und ist nun in der KV Lehre.
Kesb als Angstgespent wurde mir auch prophezeit... war alles Quatsch, keiner kann das Kind in die Schule prügeln;-)
Auch wenn es sicher hilfreich sein kann zu hören, wie es bei Euch klappte, verstehe ich ehrlich gesagt nicht, was der doch sehr respektlose Ton (Panikmacher, Angstgespenst, alles Quatsch, zur Schule prügeln?) soll.

Es ist eine Tatsache, dass es eine Schulpflicht gibt. Es ist auch eine Tatsache, dass die Schule, wenn jemand dieser nicht nachkommt eine Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft und/oder eine Gefährdungsmeldung bei der KESB machen kann. Nicht muss, aber kann. Ebenfalls ist es eine Tatsache, dass die KESB bei einer Meldung eine Kindeswohlgefährdung abklären muss. Wie das Ergebnis dieser Abklärung ausgeht, hängt vom Einzelfall ab (und von der Fallführung, aber das ist ein anderes Thema...). Da eine Prognose zu machen, ist schwierig und es macht wenig Sinn von einem Fall auf den anderen zu schliessen. Daraus hinzuweisen und evtl. damit der TE Infos zu geben, die sie noch nicht hatte, ist der Sinn des Forums. Ein Kind zur Schule prügeln, tut niemand. Das hat auch niemand so gesagt. Kindesschutzmassnahmen sind aber nicht ausgeschlossen.

PS: Ich hatte in meiner beruflichen Erfahrung als Familienrechtsanwältin bereits mehrere Fälle, wo die Weigerung der Eltern das Kind regelmässig zur Schule zu schicken, zu einem Obhutsentzug und der Unterbringung in einem Kinderheim resp. Internat führte. Ich kann mir das zwar bei einer 9.-Klässlerin mit einem Lehrvertrag in der Tasche nicht vorstellen, aber nur so von wegen Panikmache.....
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