Pinkelt absichtlich dort, wo er will (evtl. Autist)

Unsere grossen Kleinen und unsere kleinen Grossen. Was uns in diesem Abschnitt der Kinder begleitet, beschäftigt und interessiert.

Moderator: conny85

Benutzeravatar
Netterl
Posting Freak
Beiträge: 3105
Registriert: Fr 4. Feb 2005, 18:16
Wohnort: Bayern

Re: Pinkelt absichtlich dort, wo er will (evtl. Autist)

Beitrag von Netterl »

YT Videos, Autismus und evtl Training:
Ich wäre da sehr vorsichtig. Es geht verschiedene Arten mit Autisten umzugehen und eine davon ist relativ stark Richtung Konditionierung. Das ist definitiv nicht zu empfehlen. Mein Mann arbeitet mit erwachsenen Autisten und seiner Erfahrung nach gibt es Gründe für Verhaltensweisen (die häufig in der Wahrnehmung derAutisten liegen). Wenn man den Punkt packt, dann geht es oft gut weiter. Oftmals ist es etwas ganz anderes als man zunächst denkt.
Daher bitte externe Tips via YT bitte kritisch anschauen. Evtl sind gute Lösungsansätze dabei, ich kenne diese Videos nicht. Aber immer mit einem kritischen Blick.
Nothing is forever, except death, taxes and bad design

kick
Newbie
Beiträge: 23
Registriert: Mo 23. Mär 2009, 15:56
Geschlecht: weiblich

Re: Pinkelt absichtlich dort, wo er will (evtl. Autist)

Beitrag von kick »

Nur kurz:

Ja, die Nathaliestiftung klärt ab - ist neben dem KJP DIE Anlaufstelle im und um Bern. Und: sie bieten kurzfristig kostenlose Beratungen, auch vor der Diagnose. Tolle Fachleute!

Und: persönlich, aus meinem Umfeld und auch beruflich kann ich nur bestätigen: wenn es sein muss, kann die Abklärung innert 2-3 Monaten gemacht werden. Unbedingt Leidensdruck schildern, beim KJP kann auch ein Krisen-Runder Tisch organisiert werden und danach gehts subito zur Abklärung.

Viel Kraft und melde dich, wenn du noch mehr Adressen brauchst, kenne viele Beratungsangebote für Spektrumsthemen…

Benutzeravatar
danci
Forumjunkie
Beiträge: 6774
Registriert: Fr 4. Jan 2008, 18:53
Geschlecht: weiblich
Wohnort: Kt. Bern

Re: Pinkelt absichtlich dort, wo er will (evtl. Autist)

Beitrag von danci »

Zur Abklärung und dem Thema haben viele schon gutes geschrieben.

Wenn ich aber deinen Text oben lese, fällt mir folgendes auf (vielleicht bin ich auch auf dem Holzweg): Du machst den Kleinen bettfertig, er ist alleine vor dem TV. Er pinkelt aufs Sofa. Du bringst den Kleinen zum Mittagsschlaf, er pinkelt aufs Sofa. Geht ihr mit ihm aufs WC, klappt es. Macht er es dem Kleinen vor, klappt es.
Also von den Situationen, die Du beschrieben hast, klappt es offenbar dann, wenn man sich aktiv um ihn kümmert und er einbezogen wird und er pinkelt dann, wenn Du Dich (verständlicherweise, ist gar kein Vorwurf!) um den Kleinen kümmerst. Könnte es schlicht ein Versuch sein, Aufmerksamkeit in dem Moment zu erhalten? Um eine Frage der Entthronung? Gerade auch im Hinblick auf noch ein Geschwisterchen, das er erwartet? Immerhin bekommt er ja durch das Pinkeln die Beachtung.
Wäre es evtl. abends möglich, dass er mithilft, den kleinen Bruder bettfertig zu machen? Dann geht ihr alle zusammen aufs WC und setzt Euch alle aufs Sofa, um etwas zu schauen. Gäbe es eine spannende Alternative, während du den Kleinen mittags ins Bett bringst?

Wie gesagt, ich kann zu 100% verstehen, dass Du bei zwei Kindern, Schwangerschaft, Haushalt, Garten etc. nicht 24/7 ein Unterhaltungsprogramm für ihn bieten kannst. Aber vielleicht würde es helfen, etwas zu beobachten, in welchen Situationen er das macht und zu schauen, ob es explizit für diese eine andere Möglichkeit, ein anderes Ritual gäbe. Diese Beobachtung könnte dann auch für die Abklärung sehr hilfreich sein. Die Fachpersonen sind ja nicht dauernd dabei.
Die Grosse, 2008
Der Mittlere, 2011
Die Kleine, 2015

Mialania
Vielschreiberin
Beiträge: 1961
Registriert: Fr 27. Sep 2019, 13:50
Geschlecht: weiblich

Re: Pinkelt absichtlich dort, wo er will (evtl. Autist)

Beitrag von Mialania »

@Bebu
Dass wir nicht alleine sind, ist mir schon klar. Nur gibt es halt niemanden, dem es ähnlich geht in unserem Umfeld.

Fachpersonen sagen uns, es liege nicht an unserer Erziehung, und das Umfeld sagt dann "vielleicht müsst Ihr mal...". Ich hab mir schon so viel angehört und Tipps bekommen. Manchmal schäm ich mich auch.

@Fiona1980
Ich schaue mal, was ich in den Ferien hin bekomme, sonst melde ich mich. Danke fürs Angebot!

@Netterl
Ich habe ehrlich gesagt das Gefühl, dass er es einfach spannend und faszinierend findet, sich beim Wasserlassen zuzusehen. Mir passt halt meist der Ort nicht, den er sich aussucht.
Aber wirklich sagen kann ich es natürlich nicht. Ist nur so mein Gefühl.

@kick
Danke dir.

Wegen dem Leidensdruck. Habe das letzthin mit meinem Mann besprochen und ganz ehrlich. Ich kenne mein Kind ja nicht anders. Es war schon immer anstrengend. Jetzt ist es einfach was anderes. Der Leidensdruck ist für mich blöd gesagt noch nicht auf der maximalen Stufe angekommen.

Ich versteh, was Ihr mir alle sagen wollt, aber eben. Ich kenne ja nur meine eigene Familie wirklich gut und wenn ich mal eine andere Familie sehe und was sage, heisst es "ja, aber das ist eine Momentaufnahme, woher willst du wissen, dass das bei denen immer so toll läuft?!"

Ich melde mich bei dir, falls ich mehr Adressen brauche.

@danci
Ich parkiere ihn tatsächlich alleine vor dem Fernseher, wenn ich den Kleinen Bettfertig oder in den Mittagsschlaf begleite. Aber nur, wenn ich alleine bin. Mein Mann hat teilweise Nachtschicht, da bin ich einfach alleine für die Kinder da und ich habe noch keine bessere Lösung für mich gefunden. Ausser, ich kann ihn den Grosseltern geben.

Er geht auch nicht gerne pinkeln. Am Morgen setz ich ihn jetzt einfach fix auf die Kloschüssel zim Pipi machen. Abends bekommt ihn mein Mann nicht drauf. Tagsüber bei den Grosseltern geht es auch nicht. Wehrt sich mit Händen und Füssen und schreit. Aber draussen kann man ihn begleiten, die Rosen oder so zu düngen. Manchmal macht er es auch selber, alleine.

Sonntag hatten wir Besuch. Da pinkelte er durchs Geländer von der Terrasse auf die Treppe neben dem Haus. Ich hab's von weitem gesehen und dann die Bisi-Spuren unten gesehen. Oder ich hab ihn draussen im Gras grad so per Zufall gesehen.
Dann auch am Abend, alle auf der Terrasse, er durfte nach dem Abendessen TV schauen, wieder Bisi aufs Sofa.
Am Tag zuvor, alle haben geduscht, gebadet, er hat 2x im Demi-Plié auf dem Badewannenrand versucht, aus der Badewanne auf den Teppich zu pinkeln. (hat er auch schon geschafft) und ich sag eine Million Mal "in die Badewanne ist es okay, raus nicht." dann hab ich gesagt, Feierabend-Bisi machen, Wasser abgelassen, frisch angezogen etc. Zähne geputzt. Wir sind nochmals runter, TV vorbereitet (weil versprochen), in der Küche haben wir hurtig ein Glas Wasser getrunken und ich sag zu meinem Mann" jetzt ist er grad raus auf die Terrasse" und mein Mann sieht so, wie er draussen auf die Terrasse pinkelt - und beim Reinkommen, dass er schon in hohem Strahl das Sofa verpieselt hat.

Das Problem ist eben, der Kleine kann nicht schlafen, wenn der Grosse da ist. Also, der Grosse singt ihm vielleicht was vor und dann ziehen sie aneinander rum und am Schluss hab ich zwei hüpfende Kids im Bett. Und vor dem TV will der Kleine dann auch schauen und sicher nicht schlafen.

Bessere Alternative habe ich nicht. Doch, Scheren und Buntstifte. Aber ja, sicher nicht für das, wofür sie gedacht sind.



Und heute hat er den Gehörtest in der Insel bestanden. Daran liegt es also nicht. Ich soll mehr mit ihm Flüstern.

KaylaB
Member
Beiträge: 131
Registriert: Do 24. Nov 2016, 10:38

Re: Pinkelt absichtlich dort, wo er will (evtl. Autist)

Beitrag von KaylaB »

Liebe Mialania
Das klingt so streng. Ich möchte dir gern einen Gedanken da lassen: Kann das Kind unterscheiden, dass es okay ist, die Blumen „zu giessen“ oder in der Badewanne, aber nicht auf dem Sofa? Ich glaube, für viele Kinder in dem Alter wäre das schwierig.

Ich wünsche dir alles Gute mit deinen Wirbelwinden.

Benutzeravatar
danci
Forumjunkie
Beiträge: 6774
Registriert: Fr 4. Jan 2008, 18:53
Geschlecht: weiblich
Wohnort: Kt. Bern

Re: Pinkelt absichtlich dort, wo er will (evtl. Autist)

Beitrag von danci »

Ja eben, das kann ich so gut nachvollziehen. Mein Mann arbeitet an 5 Tagen pro Woche abends. Das war schon immer so. Daher kenne ich abends mit 2-3 Kindern alleine sehr gut. Heute sind sie gross und ich bringe nur noch die Kleine ins Bett, früher war das teilweise sehr schwierig. Da tut man, was man kann, damit es irgendwie klappt. Auch dass man den TV als vorübergehenden Babysitter braucht, kenne ich und finde es nicht schlimm. Ich wollte eher damit sagen, dass ich etwas analysieren würde, wann das mit dem Pinkeln geschieht. Dann merkst du auch, ob es einfach spannend ist (hatte mein Sohn übrigens auch, allerdings nur kurz und nur auf den Boden) oder ob evtl etwas anderes dahintersteckt, dem man vielleicht auch anders begegnen kann.
Weiter ging mir das Gleiche durch den Kopf wie Kayla. Vielleicht wäre „nur ins WC“ für ihn einfacher als die vielen Ausnahmen?
Die Grosse, 2008
Der Mittlere, 2011
Die Kleine, 2015

Mialania
Vielschreiberin
Beiträge: 1961
Registriert: Fr 27. Sep 2019, 13:50
Geschlecht: weiblich

Re: Pinkelt absichtlich dort, wo er will (evtl. Autist)

Beitrag von Mialania »

Ich weiss nicht, was für Kinder einfach und was nicht ist. Ganz ehrlich. Und meiner ist dann halt noch so speziell. Er macht Sachen, die nicht seinem Alter entsprechen. Aber halt in beide Richtungen. Von daher nehme ich ihn, wie er ist und versuche gewisse Dinge in eine Richtung zu lenken, die für uns passt. Es dauert teilweise sehr, sehr lange.

Ich werde mir das noch mal durch den Kopf gehen lassen, wann diese Pinkelsituationen passieren. Wenn er mit seinem Wienerli spielen will, ist er meist gerne ungestört. Zieht zum Beispiel auch den Vorhang in der Badewanne zu, wenn der Kleine früher raus will. Von daher würde es ja passen, wenn er es auf dem Sofa macht, wenn ich dann was anderes mache. Aber das hat er auch schon vorher so gemacht.

Ich habe auf dem unteren WC keine gut passende Sitzverkleinerung gefunden. Habe das versucht, mit einem Häfi zu lösen. Es funktioniert mehr schlecht als recht. Im oberen Stock und bei meinen Eltern ist derselbe Klodeckel mit Sitzverkleinerumg drauf, aber eben. Man muss ihn richtiggehend hinschleifen, unter Protest und drauf setzen. Da frage ich mich dann, ob das richtig ist.

fläcki
Senior Member
Beiträge: 561
Registriert: Do 18. Feb 2010, 11:03
Geschlecht: weiblich
Wohnort: im Ämmitau

Re: Pinkelt absichtlich dort, wo er will (evtl. Autist)

Beitrag von fläcki »

@Mialania
Wegen dem Leidensdruck. Habe das letzthin mit meinem Mann besprochen und ganz ehrlich. Ich kenne mein Kind ja nicht anders. Es war schon immer anstrengend. Jetzt ist es einfach was anderes. Der Leidensdruck ist für mich blöd gesagt noch nicht auf der maximalen Stufe angekommen.
Und du solltest auch nicht warten, bis du da angekommen bist.
Ich habe ein autistisches Kind, das noch vor dem vierten Geburtstag die Diagnose bekommen hat und dementsprechend schon sehr früh, sehr auffällig war. Und auch sehr anstrengend. Ich dachte auch immer, es geht ja noch. Wie Stella sagt, "es isch e elände Chrampf", und es ist ein Kampf, bis man bekommt was dem Kind zusteht und bis man die Hilfe bekommt, die man als Familie braucht. Du wirst, wenn dein Kind auf dem Spektrum ist (oder sonstige Besonderheiten hat), noch eine Menge kämpfen müssen und es werden langwierige, heftige und kräfrezehrende Kämpfe sein und manchmal wird dir alles hoffnungslos vorkommen. Du wirst deine Kraft brauchen, wart nicht bis du keine mehr hast, bevor du dich bemerkbar machst und etwas lauter und aufdringlicher wirst.

Bezüglich dem überall Hinpinkeln. Was Danci schreibt hat etwas, finde ich. Es ist so, dass es bei Kindern auf dem Spektrum solche gibt, die haben einen sogenannten "Überwachsungsbedarf". Das gibt es bei unterschiedlichen Besonderheiten und ist ein Begriff den die IV verwendet, wenn ein Kind nicht alleine gelassen werden kann. Die Gründe dafür sind vielfältig. Unser Sohn gehörte lange zu diesen Kindern. Das bedeutet dann tatsächlich, dass immer wenn das Kind nicht "überwacht" ist, es gefährlich werden kann, oder wie bei euch anderweitig sehr schwierig. Wir haben nur ein Kind und schon mit diesem einen Kind war es nicht immer einfach alles im Auge zu haben und zu reagieren. In deiner Situation ist es noch viel schwieriger.
Ein Weg ist das Suchen von Unterstützung. Professionell und auch ev. durch die Eltern, Freunde, Verwandte. Ich weiss aber wie schwierig das ist. Und irgendwann steht man leider vielleicht auch alleine da, weil sich niemand mehr zutraut dieses spezielle Kind zu betreuen.

Der andere Weg ist der, mit dem Kind zu arbeiten. Wie schon erwähnt wurde, würde ich mich auch zurückhalten mit Videos etc. Da es wirklich auch Ansätze gibt, die, meiner Meinung nach, nicht richtig sind und von denen man die Finger lassen sollte. Es gibt aber auch Ansätze, von denen jedes Kind, ob nun autistisch oder nicht, profitieren kann, von denen ein Kind auf dem Spektrum aber sehr profitieren kann. TEACCH ist so etwas. Man arbeitet mit Piktogrammen, Abläufen auf Bildern. Das kann bei einem autistischen Kind sehr zeitintensiv sein, aber es zahlt sich definitiv aus und du machst damit nichts kaputt, wenn du keinen Druck machst. Aufs WC schleifen wird eher nichts bringen. Er muss einen Grund haben und er muss es freiwillig tun, sonst gerätst du in einen Kampf und den wirst du eher verlieren, denn gewinnen. Die Spürche vom härter Durchgreifen und halt konsequent sein kannst du dir, so wie du sie zu hören bekommst, mit einem autistischen Kind ans Bein streichen. Unser Sohn hat selbst das Essen in den Ferien während Tagen verweigert, weil er die Packung aus der die Teigwaren kamen und den Laden aus dem das Schoggibrötli kam, nicht kannte. Er hatte Hunger. Aber gegessen hat er nichts ausser den Farmern die wir noch dabei hatten. Mit Konsequenz und Härte hat das gar nichts zu tun. Da ist viel mehr dahinter... Nach mehreren Jahren sagte er in den Ferien: "Nächstes Mal bin ich bereit, dass wir das Essen nicht mehr mitnehmen müssen." Seither klappt es überall problemlos. Aber es dauerte bis er acht wurde.
Ich habe mit unserem Sohn sehr viele Abläufe, Verhaltensweisen und Fähigkeiten mit Bildern eingeübt. Über sehr lange Zeit mit sehr vielen Wiederholungen und wenn möglich immer wenn die betreffende Situation da war. Unterstützt auch mit Lego, Playmobil, Plüschtieren. Dazu viele Piktos im ganzen Haus. Wenn du mehr dazu wissen möchtest kannst du dich gern melden, das alles hier zu beschreiben, sprengt den Rahmen. Du kannst dich gern auch für das geschlossene Forum melden, da könnten dir einige Tipps geben.
Ich weiss nicht mehr, wer es geschrieben hat, aber das mit den zu vielen Möglichkeiten, wo er pinkeln darf, sehe ich auch so. Entscheidungen sind für autistisch wahrnehmende Menschen herausfordernd. Möglichkeiten auch. Je nach Alter, Entwicklung, können sie sehr verwirrend sein. Ich würde mich da auch auf einen Ort, das WC, festlegen. Das wird ja später auch im Kindergarten und in der Schule oder bei der Arbeit das WC sein müssen. Und es kann sein, dass es für dein Kind schwierig ist, einen Unterschied zu machen zwischen, Rosen, Sofa, Boden, WC. Oft gibt es in der autistischen Wahrnehmung schwarz und weiss. Ja und nein. Null und Eins. Das WC könnte sowas sein. Entweder man darf überall oder eben nicht. Du schreibst, er wehrt sich gegen das WC, an die Rosen pinkeln geht aber. Und ich verstehe, dass du es so machst, weil irgendwann einfach alles besser ist als das Sofa. Aber langfristig wird es so wohl eher schwieriger weil es ja immer noch mehr Dinge gibt, die man anpinkeln kann, wenn die eigene Lebenswelt grösser wird... Es kann auch sein, dass er bei den Rosen einen "Sinn" drin sieht, weil er sie wässert (klar beim Sofa gibt ergibt es keinen Sinn), oder er sieht überall ausser im WC eine "Veränderung", also ein "Ergebnis" seines Handelns. Nasse Erde, nasses Sofa... Das klingt nun etwas weit hergeholt, aber mit autistischer Wahrnehmung müssen Dinge SInn ergeben wenn man sie tun soll. Tun sie das nicht, fällt es zum Teil sehr schwer sich auf etwas einzulassen. Ich würde also versuchen dem ins WC Pinkeln einen Sinn zu geben, oder ihn allen anderen Orten zu entziehen. Da du aber schreibst, er versteht dich vermutlich auch nicht richtig, muss das sehr niederschwellig passieren. Dafür ist TEACCH super geeignet. Da braucht es etwas Fantasie und man muss "anders" denken, wenn man selber anders wahrnimmt. Ich würde da mit Piktos und Abläufen üben. Und das WC würde ich so spannend wie möglich machen. Bei unserem Sohn habe ich einen blauen WC Stein reingemacht, damit das WC-Wasser blau ist. Wenn er dann reinpinkelte veränderte sich die Farbe zu grün, das fand unser Sohn spannend, darum fing er an aufs WC zu gehen. Dann "verschwindet" das Bisi auch nicht einfach so, ohne dass etwas passiert. Oder in den Pissoir gibt es doch manchmal so schwimmende Fliegen, hat mein Mann mal erzählt. Damit die Männer treffen. Vielleicht gibt es irgendwas, das ihn animieren würde ins WC zu machen, so wie diese Fliegen :oops: Oder aber es braucht Anpassungen bezüglich der "Bequemlichkeit". Bei uns klappte WC sehr lange nur mit einem Tritt vor der Schüssel und einem dieser Verkleinerungsringe. Du hast einen, es kann sein, dass ihm der nicht passt... Wir mussten den also tatsächlich in die Ferien mitnehmen, weil Bub sonst jedes WC verweigerte und es musste genau der sein. Nicht irgendeiner aus irgendeinem "fremden" Laden. Er konnte also auch nicht bei der Grossmutter aufs WC, wenn dieser Ring fehlte und den den sie hatte, den hat er verweigert. Autisten brauchen Beständigkeit damit herausfordernde Situationen gemeistert werden können. Das kann eben heissen, dass es im WC immer gleich riechen muss, das Licht immer gleich sein muss (unser Sohn duschte erst einigermassen gern, als man die Farbe des Lichts verändern konnte). Es heisst, der Ring muss immer gleich sein, die Höhe der Schüssel, das Papier, die Seife... Wenn man es nicht erlebt glaubt man nicht wie sehr solche Dinge eine Rolle spielen, und wie herausfordernd das Verhalten werden kann, nur weil eine Kleinigkeit nicht passt. Das wird mit den Jahren und der Erfahrung einfacher und "lockerer" und wenn neue Entwicklungen und Lebenssituationen kommen, kann es wieder strenger werden. Aber langfristig weichen sich diese Dinge irgendwann langsam auf, wenn Sicherheit da ist. Bis dahin ist es ein Kraftakt.

Ich wünsche dir viel Kraft und Geduld.

Mialania
Vielschreiberin
Beiträge: 1961
Registriert: Fr 27. Sep 2019, 13:50
Geschlecht: weiblich

Re: Pinkelt absichtlich dort, wo er will (evtl. Autist)

Beitrag von Mialania »

@fläcki
Danke für deinen ausführlichen Beitrag.
Ich bin dran, an den Piktogrammen. Hatte auch an Karten gedacht, dass wir die Reihenfolge auch mal selber legen könnten. Dazu einen AnyBook Reader, um ihn selber zu besprechen und eine Karte mit verschiedenen Ansagen, a là "ich muss pinkeln" oder "ich möchte Milch" irgend sowas.
Du hast Recht, dass ich besser jetzt als später aktiv werde und ich dann vielleicht keine Kraft mehr habe, viel zu tun - aber trotzdem muss.

Ich habe meinem Mann gesagt, wenn ich im Euromillions gewinne, kaufe ich ein kleines Pissoir, wo man ein Fussballtor reinsetzen kann und den Ball reinpinkeln muss :lol: hab ich nämlich mal gesehen und fand, dass das dann vielleicht für ihn attraktiv sein könnte.

Das mit dem Sofa wässern ist eher so, dass er meist, wie in der Badewanne sitzt und über sich pinkelt und der Rest dann aufs Sofa läuft oder eben vorne abklemmen, dass es raus schiesst. Es ist nicht, absichtlich hinstehen und aufs Sofa machen.
Wenn ich ihm eben Unterhosen anziehe, pinkelt er einfach so los, zieht sich aus und rennt aufs Häfi, um den Rest dort rein zu pinkeln. Dann krieg ich einen fragenden Daumen hoch. 🥴

Heute hat mein Mann aich ums Essen für Junior kümmern sollen und vergessen... Wir also ohne Essen bei den Schwiegereltern angekommen, unterwegs nichts gekauft. War alles bäh, Hunger war aber da. Hat sie Teigwaren warm gemacht, er isst sonst nur Fusilli oder Spaghetti. Hat heute aber auch mit Bandnudeln geklappt - mit Ketchup. Und dann so Fischli in Form von Sünneli. Das Dessert hat er sogar probiert. Meine Schwiegermutter war etwas geknickt, im Sinn von "macht er das bei Euch auch?" und ich war schon nur stolz, dass er es überhaupt probiert und nicht ausgespuckt hat. Er hat bäh gesagt und es mit Wasser runter gespült. Okay, das Zitronen/Limettenwasser hat er auf den Tisch gespuckt :lol: aber wer rechnet schon mit sowas im Wasser...

Ich hatte schon sehr lange, um ein Häfi zu finden, wo er drauf passt. Die Sitzverkleinerung im ersten Stock und bei meinen Eltern ist schon okay. Aber er geht nur morgens freiwillig drauf. Hab ihm auch schon einen Hocker und im Stehen angeboten, das war noch schlimmer.

Weisst du, ich käme mit fast allen Besonderheiten klar, wenn ich sie verstehen würde, aber er kann sich ja nicht mitteilen. Ergo können wir uns nicht darüber unterhalten.

Item. Morgen holen wir unser neues occasion Sofa. Die Kinder waren bei der Besichtigung dabei und er wollte kaum mehr davon aufstehen. Vielleicht mag er das dann gar nicht mehr markieren/verunreinigen. Wer weiss.

Sternli05
Wohnt hier
Beiträge: 4475
Registriert: Di 15. Dez 2015, 08:15

Re: Pinkelt absichtlich dort, wo er will (evtl. Autist)

Beitrag von Sternli05 »

Wir wurden damals subito in die Kinderpsychiatrie überwiesen vom KJPD. Unser Sohn war aber schon Schulpflichtig aber es gab auch eine Abteilung für jüngere Kinder. Wartefrist war 2 Wochen dann hatte er den Platz (tagsüber) und wurde total abgeklärt.

Wir hatten dann zwar eine Diagnose, viel weiter brachte uns das aber bei vielen Problemen nicht. Wurde da ziemlich alleine gelassen. Auch wenn du eine Diagnose hast, lösen dich die Probleme nicht in Luft auf.

Das Mitteilen ist so eine Sache. Mein Sohn spricht sehr gut, schon immer, mit grossem Wortschatz. Aber er kann mit 12 immer noch nicht ausdrücken was in einer Situation jetzt genau sein Problem ist. Warum jetzt etwas nicht geht… selten gehts mal, meist nicht.

Und wie Fläcki sagt, es muss alles Sinn ergeben, wirklich alles. Da macht er sich gerade in der Schule das Leben selber schwer.

Mialania
Vielschreiberin
Beiträge: 1961
Registriert: Fr 27. Sep 2019, 13:50
Geschlecht: weiblich

Re: Pinkelt absichtlich dort, wo er will (evtl. Autist)

Beitrag von Mialania »

Mir selber geht es nicht unbedingt um die Diagnose.. Eine Schwiegermutter meinte aber, wenn man eine hätte, wüsste man wenigstens, warum er so ist, wie er ist.

Für mich ist die Diagnose eher so, dass ich dann spezifisch in eine Richtung schauen könnte, wo ich Hilfe bekomme. Nicht, dass sich dann mein Verdacht in eine falsche Richtung entwickelt. Mein Mann kommt mit der Autismus Situation nicht ganz klar.

Ich habe mir auch schon überlegt, dass er vielleicht nie richtig sprechen wird. Es ist für mich/uns schwer, dass er etwas von uns möchte, was wir ja auch bereit sind, ihm zu geben, er aber uns dann kein Feedback gibt und wir keine Ahnung haben, was er denn will. Er hat dann das Gefühl, wenn er einmal drauf gezeigt hat, wissen wir, was wir tun müssen. Er bestätigt und verneint unsere Fragen aber nicht.
Das führt dann auf beiden Seiten zu Frust.
Mir ist auch klar, dass sich das mit einer Diagnose nicht auflösen wird.
Es wäre für alle einfacher, wenn er mir z. B. sagen könnte "Mama, das Essen auf dem Teller darf sich nicht berühren, weil". Dass bekommt er halt drei Tellerchen oder so. Aber bis ich das mit schreien und abwinken verstanden habe... :roll: Eine gute Zeit lang hat er auch "stop" gesagt, oder "nei". Das war schon etwas Hilfe und ich dachte, yeah, noch ein halbes Jahr, Jahr und dann lernt er das Wort Ja. Wir haben wieder einen Schritt zurück gemacht. Jetzt gibt es weder noch.

Benutzeravatar
stella
Moderatorin
Beiträge: 8244
Registriert: Do 6. Nov 2003, 10:45
Geschlecht: weiblich
Wohnort: zuhause

Re: Pinkelt absichtlich dort, wo er will (evtl. Autist)

Beitrag von stella »

Mialania
Eine Diagnose ist auf jeden Fall wichtig, da ihr dann Zugang zu spezifischer Unterstützung bekommt. Das könnte in eurem Fall dann Kommunikation mit technischer Unterstützung sein.
Einfach aus Erfahrung: Teile dir die Kräfte gut ein, es wird ein Murks bleiben. Und hole unbedingt deinen Mann mit ins Boot! Es braucht ihn und er muss zwingend am Prozess beteiligt sein, damit er in eine Akzeptanz kommen kann.

Du hast ein gutes Gespür für deinen Sohn. Wenn du ein ASS vemutest, dann gehe im Umgang mit ihm mal in diese Richtung. Habe also noch selten eine Mutter erlebt, die falsch lag. Alles, was ihr in euren Sohn investiert, wird ihm und euch später das Leben einfacher machen.

Ich wünsche ihm und euch so sehr, dass ihr umgehend eine Krisenintervention bekommt!
Pfunzle 06/04 und Gumsle 10/07

Nisi81
Member
Beiträge: 166
Registriert: Mo 8. Aug 2011, 21:21
Geschlecht: weiblich

Re: Pinkelt absichtlich dort, wo er will (evtl. Autist)

Beitrag von Nisi81 »


Mialania
Vielschreiberin
Beiträge: 1961
Registriert: Fr 27. Sep 2019, 13:50
Geschlecht: weiblich

Re: Pinkelt absichtlich dort, wo er will (evtl. Autist)

Beitrag von Mialania »

Danke für den Zuspruch, stella. Ich bleibe dran.

@Nisi81
:lol: tiptop. Danke! Habe es meinem Mann weiter geleitet, das wäre vielleicht wirklich noch was. Ich schaue es mit ihm an und wo wir das hinstellen können.

Sternli05
Wohnt hier
Beiträge: 4475
Registriert: Di 15. Dez 2015, 08:15

Re: Pinkelt absichtlich dort, wo er will (evtl. Autist)

Beitrag von Sternli05 »

Da hast du mich wohl falsch verstanden. Eine Disgnose ist wichtig, unbedingt. Aber sie löst halt die Probleme nicht und da jeder Autist wieder anders ist nützen auch oft viele Dinge nicht.
Mein Sohn kann sehr gut sprechen. Aber er kann nicht sagen das die Dinge im Teller nicht zusammenkommen sollen. Er macht einfach oft Theater, flippt aus und ich hab null Ahnung warum, er kann es nicht sagen, es stimmt einfach etwas nicht.
Beim Essen mit der ganzen Familie braucht er seine YouTube Filmli und Kopfhörer. Was hab ich versucht das er einfach ohne Bildschirm am Tisch sitzt. Riesen Geschreie, Essen verweigert (und ja ein Autist kann durchaus verhungern am vollen Tisch) habe dann rausgefunden was eigentlich auf der Hand liegt aber mir, einem Geselligen Menschen nicht eingefallen wäre. Er will nicht mit uns sprechen, alle am Tisch, was doch so schön ist, ist für ihn Horror, also schottet er sich ab. Aber er konnte es, mit seinen 12 Jahren nicht ausdrücken.
Einmal im Restaurant Riesen Geschrei, er esse das nicht, er will ein neues….. es haben alle geschaut. Ich fand dann irgendwann heraus das etwas Ketchup aufs Schnitzel gekommen ist. Er ass es nicht mehr und wir bestellten ein neues mit der Auflage ja kein Ketchup auf den Teller. (Das andere ass mein Mann) er konnte es nicht sagen. Das ist eine extrem grosse Herausforderung für beide Seiten. Was ich sagen möchte, es hat nicht mit dem sprechen können zu tun. Aber ja, es ist sicher schwieriger wenn er nicht spricht und ihr das Gefühl habt er versteht euch nicht. Ich nehme an, da er ja Logo hat, dass das Gehör angeschaut wurde.
Alles Lifbe für euch und viel Kraft!

Mialania
Vielschreiberin
Beiträge: 1961
Registriert: Fr 27. Sep 2019, 13:50
Geschlecht: weiblich

Re: Pinkelt absichtlich dort, wo er will (evtl. Autist)

Beitrag von Mialania »

Ach so, ja, dann habe ich das nicht so verstanden gehabt. Danke für die Erklärung.

Das macht mir aber gerade keine grosse Hoffnung, dass es mit Reden besser wäre.

Wir haben/hatten Logo seit November, kaum Fortschritte und wir werden nach der Sommerpause die Logo wechseln. Leider erst im Oktober, aber sie sprechen sich mit unserer Ergotherapie ab, dass keine Termine kollidieren.

Danke für das Teilen Eurer Erfahrungen und Eurem Wissen.

Benutzeravatar
dede
Vielschreiberin
Beiträge: 1702
Registriert: Sa 13. Okt 2012, 20:32
Geschlecht: weiblich

Re: Pinkelt absichtlich dort, wo er will (evtl. Autist)

Beitrag von dede »

@Diagnose stellen/ Abklären wann
Bei leichteren Fällen, die keine besonderen Schwierigkeiten bereiten, braucht es nicht zwingend eine Abklärung oder eine Diagnose.
Sobald es aber etwas komplexer ist und/ oder die Probleme grösser sind, dann finde ich eine Abklärung wichtig. Es braucht eine genauere Diagnose und ein Abklären, in welchen Bereichen die Hauptschwierigkeiten (Sachen wie z.B. Teilleistungsschwächen oder Teilleistungsstärken) bestehen. Ausserdem braucht es schon eine neurologische Abklärung. Es macht keinen Sinn behelfsmässig nach Gespür zu therapieren und nach ein paar Jahren merkt man, dass man mit dem Gefühl und Gespür doch nicht ganz richtig lag und es anders besser gelaufen wäre bzw. gar etwas Entscheidendes verpasst wurde.
Die Medizin und Psychologie sind schon nicht so exakte Wissenschaften wie die Mathematik, aber halt doch immer mehr evidence based. Und dementsprechend braucht es für gewisse bezahlte Therapien halt auch den Diagnosenachweis.

Mit dem Stellen der Diagnose ist erst der Anfang gemacht, man hat eine Gewissheit und eine Therapie ist damit noch nicht eingeleitet und die Wirkung der Therapie ist immer noch sehr fern. Umso wichtiger finde ich, dass bei schwerwiegenderen Problemen auf eine frühere Abklärung gedrängt wird.

fläcki
Senior Member
Beiträge: 561
Registriert: Do 18. Feb 2010, 11:03
Geschlecht: weiblich
Wohnort: im Ämmitau

Re: Pinkelt absichtlich dort, wo er will (evtl. Autist)

Beitrag von fläcki »

Wir haben nie bereut schon sehr früh gedrängt zu haben. Bis heute sind wir froh, dass die Diagnose sehr früh kam. Sie brachte Klarheit und wir konnten uns darauf einstellen, dass es eben nun so ist und nicht eine Phase ist, die dann irgendwann vorbei ist und dann wird das Leben so, wie wir gedacht hatten, dass es mit Kind werden würde. Es wurde anders und ist es bis heute. Die Diagnose bestätigte das Gefühl, dass etwas grundlegend anders ist, als bei anderen Kindern. Sie zog quasi einen Strich. Danach konnten wir trauern und uns auf das einlassen was uns das Leben als Familie gebracht hat. Der Blickwinkel auf das was Familie ist, was Kinder haben ist, hat sich verändert. Und die Stärke oder auch Gleichgültigkeit mit der wir Zweiflern und Kritikern entgegentreten können, hat sich verändert. Vor der Diagnose nagten die Zweifel. Haben die vielleicht doch recht, auch wenn ich eigentlich spüre, dass sie nicht recht haben? Heute nagt kaum mehr etwas. Und wenn, dann hat einer von uns Eltern sein dickes Fell grad an und kann den anderen daran erinnern, seins auch wieder rauszuholen. Ein Kind mit Besonderheiten kann eine Herausforderung für die Partnerschaft sein. Manchmal ist man allem voran vor allem eine heilpädagogische WG, oder ein taktisches Team, das funktionieren muss, ohne dass man reden muss. Wie bei der Feuerwehr. Es muss jeder wissen was er kann, was er tut und was er soll und sich auf den anderen blind verlassen können. Das ist anstrengend, kann aber auch sehr nahe zusammenrücken lassen. Zusammen darüber reden, dass es anders ist als erwartet und dass man damit manchmal Mühe hat, finde ich wichtig. Sich auch zeigen, dass es keine Vorwürfe deshalb gibt, keine Schuld oder dergleichen. Da muss man glaub ehrlich sein und bei uns war es so, dass ich damit auf meinen Mann zugehen musste, weil er sich für diese Gefühle doch eher schämte und sie lieber nicht haben wollte.

Eine Diagnose wird in der Schule Unterstüzung möglich machen, sie macht es aber je nach dem auch im Familienleben. Unter Umständen bekommt ein Kind mit einer Autismus-Diagnose eine IV Anerkennung für medizinische Massnahmen oder auch eine Hilflosenentschädigung. Bei uns gab es Therapien, die wir ohne HE kaum hätten finanzieren können, zumal der hohe Betreuungsbedarf dazu führte, dass nur ein Einkommen da ist.

Es gibt auch die Möglichkeit, dass du dich an den Sozialdienst deiner Gemeinde wendest und fragst, was für Möglichkeiten du hast, ob sie unterstützen können und wie. Der Sozialdienst hat meiner Meinung nach etwas ein Image-Problem. Man denkt, da geht man nur hin, wenn das Geld fehlt. Ist aber gar nicht so. Wir haben, leider erst sehr spät, nun sehr gute Erfahrungen mit dem in unserer Region gemacht. Es kann auch sein, dass, wenn du dort eure Not schilderst, sagst, dass es einfach nicht vorwärts geht und ihr nicht mehr weiter kommt, etwas Tempo in die Sache mit dem KJPD kommt. Bei uns gingen viele Dinge plötzlich schneller, als sich eine Behörde meldete und nicht mehr nur eine Mutter...
Das macht mir aber gerade keine grosse Hoffnung, dass es mit Reden besser wäre.
Man lernt sein Kind zu lesen und zu verstehen. Es fällt leichter, wenn man selber autistisch wahrnimmt, aber auch wenn nicht, weiss man irgendwann in welche Richtung es geht.
In dem Alter in dem dein Sohn ist, wusste unser Sohn meist selber nicht genau, wo das Problem liegt, oder konnte es sicher nicht formulieren. Er hat primär geschrien, wenn etwas nicht passte. Oder gehauen, gekratzt, gebissen, Dinge geworfen. Er konnte mit vier prima über Planeten reden und über schwarze Löcher und Sonneneruptionen... Aber er konnte nicht sagen, dass das Essen die falsche Temperatur hat, oder ich den Hosenknopf vor dem Reissverschluss zugemacht habe, obwohl ich es sonst immer andersrum mache... Er spürte sich selbst nicht und hatte keine Wörter für Gefühle. Er musste lernen wo man welches Gefühl, wie fühlt und wie man es benennt.
Wenn die Sprache an sich fehlt, ist das aber sicher eine zusätzliche Hürde. Es heisst aber nicht, dass sie, nur weil sie mit vier nicht da ist, auch mit zehn nicht da sein wird. Auch wenn ein Mensch nonverbal bleibt, gibt es Möglichkeiten sich mitzuteilen. Inzwischen auch technisch ziemlich ausgeklügelte.

Mialania
Vielschreiberin
Beiträge: 1961
Registriert: Fr 27. Sep 2019, 13:50
Geschlecht: weiblich

Re: Pinkelt absichtlich dort, wo er will (evtl. Autist)

Beitrag von Mialania »

Bei uns sieht es aktuell so aus: seit dem neuen Sofa gab es keine Pinkelunfälle mehr.
Dazu habe ich im WC das Häfi mit dem Minipissoir ersetzt (das war ein Theater) und wenn die Farbe trocken ist, gibt es einen massangefertigten Sitzverkleinerer auf die eckige Brille. Er gab mir einen Daumen hoch, als er mich beim Anpassen beobachtete. Bin gespannt, ob er ihn dann auch freiwillig benutzt.

Das Pissoir war so, dass ich ihm ein Video zeigte, was die Idee dahinter ist. Am selben Abend schickte er meinen Mann raus auf die Terrasse, während ich den Kleinen ins Bett brachte. Er stellte es dann ins Wohnzimmer und pinkelte tatsächlich rein. Jetzt braucht er es tatsächlich zwischendurch im WC. Von alleine oder wenn ich sage, er soll doch anstatt in die Windel, ins Pissoir pinkeln. Sogar die Tröpfli, die daneben gehen, wischt er mit WC Papier auf und schmeisst es ins Klo und kippt auch den Inhalt vom Pissoir ins Klo.

Wir machen grad enorm Fortschritte. Ein neues Wort im Repertoire, probiert Essen oder macht sich selber ein belegtes Brötchen, nimmt den kleinen Bruder an der Hand, um ihm zu zeigen, wie etwas funktioniert etc.

Antworten