Erwartungen der LP bei schwierigem Verhalten

Unsere grossen Kleinen und unsere kleinen Grossen. Was uns in diesem Abschnitt der Kinder begleitet, beschäftigt und interessiert.

Moderator: conny85

Hibiskus
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Re: Erwartungen der LP bei schwierigem Verhalten

Beitrag von Hibiskus »

Drag-Ulj hat geschrieben: Fr 14. Jan 2022, 10:22
Hibiskus hat geschrieben: Di 11. Jan 2022, 18:41
annegretli74 hat geschrieben: Di 11. Jan 2022, 17:19 Die Schule ist grundsätzlich der Meinung, dass mein Sohn halt lernen muss mit ungeliebten Personen und Druck umzugehen.
Klar muss er das lernen, er kann es ja ganz deutlich (noch) nicht.
Die Frage stellt sich wohl mehr, WIE er es lernen kann. Und da würde ich wiederum von Seiten der Schule Lösungsvorschläge erbitten, denn sie sind ja die Fachpersonen (siehe weiter vorne).
Schlechtes Argument, wenns die Assistentin auch noch nicht gelernt hat & die körperliche Überlegenheit ausnutzt. Und das Kind soll sich nicht wehren? Na, bravo.
Bei meinem Beitrag ging es darum, die Lehrpersonen als Fachperson anzusprechen, damit sie sich nicht gleich angegriffen fühlen (was erfahrungsgemäss sehr schnell passiert) und sie so ins Boot zu holen, Lösungen anstatt Anschuldigungen zu finden. (Das versuchte ich weiter vorne zu verdeutlichen).
Meiner Erfahrung nach verhärten sich die Fronten eher, wenn man als Eltern den Angestellten der Schule ihre (oft) offensichtliche Unfähigkeit im Umgang mit "schwierigen" Kinder vor Augen zu führen versucht. Leider!
Nach Lösungsvorschlägen zu fragen gibt die Verantwortung ein grosses Stück weit zurück zur Schule...
Ich hoffe, das ist nun klarer! Ansonsten gerne nachfragen.

@Bleistift
Winkewinke zurück 🥰
Zuletzt geändert von Hibiskus am Fr 14. Jan 2022, 20:16, insgesamt 1-mal geändert.

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dede
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Re: Erwartungen der LP bei schwierigem Verhalten

Beitrag von dede »

@Beistift
Du hast das wunderbar beschrieben! Beim Durchlesen hatte ich gefühlte 1000 Déjà-vus.

Drag-Ulj
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Re: Erwartungen der LP bei schwierigem Verhalten

Beitrag von Drag-Ulj »

Ach äxgüsi Hibiskus, meine Antwort war eher ein genervter Kommentar genau auf das, was du jetzt schreibst: Erwartungen ans Kind, die aber von den Erw. nicht erfüllt werden. Leicht ironisch & nicht wirklich auf deinen Text bezogen.

Sorry für die Verwirrung, hoffe, du weisst, was ich meine.

Hibiskus
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Re: Erwartungen der LP bei schwierigem Verhalten

Beitrag von Hibiskus »

@Drag-Ulj
Ach so, nun habe ich es verstanden!
Ja genau, das ist das klassische Beispiel: Ich schlage mein Kind zur Strafe, weil es ein anderes Kind geschlagen hat... ähm ja, total logisch 🥵

Sternli05
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Re: Erwartungen der LP bei schwierigem Verhalten

Beitrag von Sternli05 »

Bleistift
Mein Sohn tickt genau so wie von dir beschrieben. Er macht nichts, was nicht total logisch ist. Er muss lernen das man Dinge einfach tut wenn jemand sie einem aufträgt, egal wie sinnlos es erscheint. So funktioniert unsere Gesellschaft.

ausländerin
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Re: Erwartungen der LP bei schwierigem Verhalten

Beitrag von ausländerin »

Sternli - das ist ein sehr pessimistische Blick auf unsere Gesellschaft. Ich würde nie im Leben wollen das mein Kind einfach Dinge tut wenn jemand sie einem aufträge ohne zu hinterfragen. Ich sehe es so dass manchmal Sinn nicht offensichtlich ist und es Anstrengung braucht den Sinn hinter Dingen die Man tun muss zu sehen. Zum Beispiel eine gute Note macht Sinn auch wenn die für unnötige Aufgabe ist (wie Bleistift es so schön aufgezeigt hat). Ich glaube man kann den Kindern die Mühe mit Regeln haben helfen in dem man immer die Gründe aufzeigt warum die Regeln/Aufgaben gibt. Und wenn es kein Grund gibt - dann auch darüber ärgern und aufzeigen dass es so Sinnlos ist. Es macht aber Sinn es zu folgen weil.... Oder Eben manchmal macht es Sinn sich dagegen zu wehren. Ich finde dass die Kinder viel weniger Gelegenheiten haben sich zu wehren und zu lernen wie man es richtig macht. Wir sollen eigentlich Kinder loben und bestärken wenn eine Person dass überlegen ist das Kind physisch (oder auch psychisch) bedrängt - und er sich wehrt. In einem anderen Kontext würden wir genau das wollen. Auch wenn die Kinder erwachsen sind. Klar es ist schwierig, und ich kann es mir wahrscheinlich nicht vorstellen der Ausmass mit einem Kind dass sich gegen alles ohne Ausnahmen wehrt und diskutiert (meins war so bis sie 6 wurde, über jeder Ausmass aber sicher einfacher als ein ASS Kind). Aber das hat auch positive Seiten. Und die Kinder die Sturr alle Regeln folgen (meins jetzt macht das und nur in der Schule) haben ein Problem an dem man arbeiten muss und es nicht einfach ist.
Ich wurde in einer Diktatur dazu erzogen Sturr regeln zu folgen. Ich brauchte Jahre zu verstehen dass genau das zu mehreren traumatischen Erfahrungen in meinem Leben geführt hat und vermeidbar war wenn ich als Kind gelernt hatte mal auch "nein" zu sagen. Ich kann es immer noch nicht sehr gut und manchmal bewundere ich Leute die es einfach können.

annegretli74
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Re: Erwartungen der LP bei schwierigem Verhalten

Beitrag von annegretli74 »

Entschuldigt bitte die späte Antwort, wir waren das ganze Wochenende unterwegs.

@Fiona
An etwas in die Richtung hatte ich tatsächlich auch schon gedacht. Wenn er etwas finden würde, dass er ruhig für sich machen kann ohne die anderen zu stören, wäre es ein Gewinn für alle. Ich hatte mich in der Schule auch oft gelangweilt, habe mich dann in meine Tagträumereien "geflüchtet". Da habe ich zwar nichts mehr vom Unterricht mitbekommen, war aber trotzdem immer gut in der Schule....

@Bleistift
Danke für dein ausführliches Beispiel. Das kenne ich von meinem Sohn auch sehr gut. Wenn er laut und aggressiv wird, muss ich mir die Zeit nehmen, um aus ihm herauszukriegen, was denn eigentlich der Grund für seinen Unmut ist. Oft sind es ganz andere Dinge, als das vermeintlich offensichtliche, dass den Wutanfall oder die Verweigung auslöst.

@ausländerin
Danke für den Einblick in ein offensichtlich ganz anderes Aufwachsen... Ich bin grundsätzlich auch dafür, dass Kinder lernen, Regeln auch mal zu hinterfragen. Das Problem ist doch, wie stellen sie das an, ohne direkt als schwierig (bis hin zu nicht beschulbar") abgestempelt zu werden? Unser Sohn ärgert sich sehr darüber, wenn Regeln nicht auf alle gleich angewendet werden und besonders, wenn Erwachsene Regeln einfordern, die sie aber selbst nicht einhalten. Wie eben dieses körperliche Vorgehen der Klassenassistenz. Da haben wir ihn aber auch sofort bestärkt, dass dies wirklich nicht geht.

Wir sollten nun heute einen Terminvorschlag für ein Gespräch erhalten. Parallel dazu versuche ihn Sohn dazu zu ermuntern, von gewissen Mitschülern etwas Abstand zu gewinnen. Er hatte offenbar mit provozierenden Verhalten versucht, den Anschluss an ein Grüppchen zu behalten, die mit auffälligem Verhalten ihre Vormachtstellung in der Klasse behaupten. Er merkt aber immer mehr, dass dies nicht gelingt und ihm diese "Freunde" nicht gut tun.

Bleistift79
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Re: Erwartungen der LP bei schwierigem Verhalten

Beitrag von Bleistift79 »

annegretli,
für das Gespräch möchte ich dir folgendes mit auf den Weg geben.

Versucht klar zu machen, dass ihr alle im gleichen Boot sitzt. Der Leidtragende ist euer Sohn. Er braucht Hilfe. Es gilt herauszufinden wo er steht in seiner Entwicklung und wo sein Potenzial liegt/ seine Resourcen.
1. Frag welche Stelle das abklären kann.

Stellt in den Raum, dass es für alle hilfreich ist, wenn nicht an zu vielen Ecken und Enden „experimentiert“ wird. Es geht nicht darum wie man mit Druck und Macht das Kind „schulkonform“ bekommt. Es geht darum herauszufinden was das Kind braucht, damit es für alle stress-freier wird. Das Kind braucht Zeit & Raum um sich zurecht zu finden.
Das Kind braucht Entlastung. Im Moment sieht es nur was es nicht gut macht. Dieser Schritt muss asap erfolgen. Da hat die Schule mehrere Möglichkeiten. Meist muss man diese konkret anfragen.
2. Möglichkeit der Stundenplan Reduktion für den Moment? Aufgaben kürzen? Positive Feedbacks geben? Klassenassistenz? Pausen drinnen verbringen können um zur Ruhe zu kommen?

Es braucht jetzt einen Mehrschritt-Plan. Dinge die rasch umgesetzt werden können und Dinge die etwas mehr Zeit brauchen.
Das oberste Ziel soll sein, dass niemand „ verheizt“ wird. Vorallem nicht das Kind.

Ja, es ist viel Konfliktpotenzial da. Ja es ist eine schwierige Situation. Für Alle.
Versucht möglichst ein Hick-Hack zu vermeiden. Was aber nicht bedeutet, dass ihr alles auf euch Eltern laden lassen müsst.

Ich habe schon manches Schulgespräch mit folgenden Worten begonnen: ich bin heute hier, mit dem Vorsatz ein gutes Gespräch zu führen. Ich bin nervös und angespannt. Vielleicht geht es ihnen auch so. Ich wünsche mir einen informativen Austausch. Das wir Möglichkeiten und Wege suchen, damit es xy besser geht.

Meist hat das geholfen und war ein „Türöffner“.

und für solche Gespräche habe ich das betreffende Kind NIE mitgenommen. Ich empfinde es als eine Zumutung für das betreffende Kind. Es wird in einem solchen Gespräch seziert und es werden zu oft die Defizite diskutiert. Das bodigt das Kind grad nochmal mehr.
Mein Kredo: „runde Tische“ oder „Elefanten-Gespräche“ wie ich sie nenne, immer ohne Kind.

tantchen
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Re: Erwartungen der LP bei schwierigem Verhalten

Beitrag von tantchen »

annegretli74 hat geschrieben: Di 11. Jan 2022, 17:19 Danke @ausländerin, genauso geht es eben mit dem Druck. Je mehr er sich wehrt umso mehr setzt sie Druck auf, umso mehr wehrt er sich.....
Habe noch mit der Schulleitung gesprochen. Es wird ein Gespräch mit der Assistenz, der Klassenlehrerin und der Schulleitung geben. Allerdings habe ich schon rausgespürt, dass es nicht einfach werden wird. Die Schule ist grundsätzlich der Meinung, dass mein Sohn halt lernen muss mit ungeliebten Personen und Druck umzugehen. Sie haben zumindest das Zugeständnis gemacht, dass mein Sohn nicht mehr angefasst wird und die Assistenz sich nicht um meinen Sohn "kümmern" wird bis zum Gespräch.
Da tönt für mich aber auch sehr nach Überforderung der Kl.Ass. Was ist ihre Aufgabe? Wie lief es vorher?
Ev. ist sie selber grad nicht so ausgeglichen, fühlt sich überfordert/nicht unterstützt. Ist sie in eine Heilpädagogische Schule eingebunden, oder eine Klassenassistenz vom Schulhaus? In einer HPS bekommen die Mitarbeiter viel mehr Unterstützung, haben Workshops zum Thema Abgrenzung oder ASS, oder ADHS. Wenn dies nicht der Fall ist, muss sich eine Kl.Ass oftmal alles selbst aneignen.
Oft werden den Schulassistenten eben gerade solch schwieriger zu händelnde Schüler übertragen, was eigentlich überhaupt nicht so sein sollte. I.d.R. sind sie ja nicht für solche Zwecke ausgebildet und arbeiten einfach gerne mit Kindern. Heute ist es aber eher selten so, dass man einfach Kinder im Lernen unterstützt, und man findet sich in einer völlig unbekannten Situation wieder. Wenn es dann zu solchen unschönen Situationen kommt, spricht aus meiner Sicht Überforderung. Dieses Thema würde ich also auch ins Gespräch einbeziehen.
Ich arbeite auch als Schulassistenz und man muss schon eine gewisse „Professionalität“ entwickeln, Distanz wahren können und ein gewisses Feingefühl haben um diese Situationen nicht persönlich zu nehmen und angemessen darauf reagieren zu können.
Für sich einstehen und auch sagen, dass dies meine Kompetenz massiv überschreitet, das musste ich mir aneignen, da auch die LP oft keine Ahnung haben wofür sie die KlAss einsetzen können /dürfen.


Ich erlebte am Anfang meiner Laufbahn, dass die Aufgaben nicht klar kommuniziert wurden, die SAss. mit ihren Nöten und Sorgen alleingelassen wird und nicht miteinbezogen ist in das Setting und mir wirklich Schüler gegeben wurden die Verhaltensweisen hatten wo auch die LPs überfordert waren.
Selbst kenne ich es so, wenn die LP sehr angespannt, nervös ist, fällt es mir nicht so leicht in meiner Mitte zu bleiben und das zu tun, was ich eigentlich tun würde, da ich das Gefühl habe ich müsse es der LP recht machen. Ich lasse mich da eher schneller „anstecken“ und suche dann aber auch das Gespräch wenn ich merke, dass über Wochen der Wurm drin ist.

Hibiskus
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Re: Erwartungen der LP bei schwierigem Verhalten

Beitrag von Hibiskus »

@Tantchen
Eine Assistentin wie dich hätte ich mir für Junior gewünscht! Jemand, der seine eigenen Grenzen erkennt, verbalisiert und für sich wenn nötig Unterstützung einfordert. Gratulation!

tantchen
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Re: Erwartungen der LP bei schwierigem Verhalten

Beitrag von tantchen »

Hibiskus hat geschrieben: Mo 17. Jan 2022, 14:53 @Tantchen
Eine Assistentin wie dich hätte ich mir für Junior gewünscht! Jemand, der seine eigenen Grenzen erkennt, verbalisiert und für sich wenn nötig Unterstützung einfordert. Gratulation!
Danke Hibiskus. :)
ich weiss jedoch, dass dies absolut nicht der Norm entspricht, und ich habe eine nebenbei eine Zusatzausbildung, welche mir sehr hilft angemessen zu reagieren zu können. Dies hat aber in dem Sinne nichts mit der Schule zu tun, kommt ihr aber definitiv zugute :wink:
in der R. sind SA vor allem Personen die einfach sehr gerne mit Kindern arbeiten. Sie sind nicht auf das vorbereitet, was dann auf sie zukommt, auch wenn sie den Kurs machen. Wenn sie dann im Schulalltag sind spielen ganz viele Faktoren zusammen, hatten noch nie mit special need kids zu tun, und doch werden ihnen diese Aufgaben oft aufgeladen.
Da sehe ich eindeutig Schulleitungen und Volksschule in der Pflicht bessere Bedingungen zu schaffen.

Hibiskus
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Re: Erwartungen der LP bei schwierigem Verhalten

Beitrag von Hibiskus »

@tantchen
Das sehe ich auch so! Das "System" zwingt Menschen dazu, sich Kindern mit special needs zu stellen, die dafür weder qualifiziert, vorbereitet oder mit genügend Hilfsangeboten ausgestattet sind. Der ehemaligen Assistentin von Junior mache ich auch überhaupt keinen Vorwurf, sie wusste es schlicht nicht besser!
Da sehe ich ebenfalls die Lehrpersonen (oft auch überfordert mit dem entsprechenden Verhalten), Schulleitungen und nicht zuletzt die Politiker in der Pflicht. Aber eben....

annegretli74
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Re: Erwartungen der LP bei schwierigem Verhalten

Beitrag von annegretli74 »

@bleistift
Danke für deine Inputs bezüglich Gespräch. Eine Teilnahme unseres Sohnes ist nicht vorgesehen (und auch nicht gewünscht).
Wir haben ihn bereits zweimal abklären lassen, im ersten KiGa Jahr und Mitte zweiter Klasse. Wir wissen dass er überdurchschnittlich intelligent ist aber nicht HB, eine sehr grosse Emotionale Bandbreite aufweist und seine Frustrationstoleranz niedrig. Er hat hohe Ansprüche an sich selbst und verweigert, wenn er bei einer gestellten Aufgabe befürchtet zu versagen.
Sein Gerechtigkeitssinn ist sehr ausgeprägt, gleichzeitig tested er auch immer wieder seine Grenzen aus. Dieser Spagat ist immer schwierig zu bewältigen.

@tantchen
Die Assistenz wurde ursprünglich zur Begleitung eines autistischen Kindes von der Schule eingestellt. Das Kind hat irgendwann an eine Spezialschule gewechselt und die Assistenz blieb zur Unterstützung der LP für die "schwierigen Kinder".
In der Zeit mit dem Autisten wirkte sie wesentlich entspannter und sehr geduldig. Seit längerem höre ich von anderen Müttern, dass sie ebenfalls grosse Mühe mit dieser Assistenz haben. Sie werde schnell laut und reagiere explosiv auf gewisse Situationen / Kinder.
Welche Ausbildung sie hat, wissen wir nicht.

Bleistift79
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Re: Erwartungen der LP bei schwierigem Verhalten

Beitrag von Bleistift79 »

annegretli,
hat die Abklärungsstelle Empfehlungen abgegeben? Wie das Kind in der Schule unterstützt werden soll? Therapeutische Unterstützung?

Grad bezüglich Frusttoleranz erarbeiten und EQ stärken war ich viele Jahre froh um die therapeutische Unterstützung. Einerseits für das Kind selbst, andererseits für uns als Eltern und für die ganze Familien-Atmosphäre.

Für das Gespräch drücke ich euch ganz fest die Daumen.

tantchen,
so toll ❤️. Auch wir wären froh gewesen mehr authentische, aufgeklärte und belesene Assistenten zu haben.
Unsere Erfahrung ist es auch, dass grosse Unterschiede bestehen. Der „ Faktor“ Mensch spielt bei special effect-Kids eine unglaubliche Rolle.


Als Eltern dieser Kinder finde ich es unheimlich schwierig mit diesem Druck und der „ Situation Schule“ umzugehen. Für mich war es viele Jahre ein Vollzeit-Job ohne Pause. Ohne ein Boot voller Menschen, die auch mich immer wieder bestärkt haben und mir gesagt haben das wir es gut machen. Sich die Kinder gut entwickeln; wäre ich zu Grunde gegangen.
Es ist ein emotionales Thema. Da als Eltern auch ein gutes Stück Distanz zu lernen ist ein Kraftakt. Man bekommt so rasch Gewissensbisse, manchmal schämt man sich auch. Möchte sich die Haare raufen und manchmal den „ Bättel“ hinwerfen.
Pausen, das gibt es im Alltags- Leben mit special effect Kids fast nicht. Man muss so viele Sachen im Kopf haben, voraus denken und schauen. Es sind manchmal Kleinigkeiten, welche diese Kinder überfordern. Man muss sie oft auf kleinste Veränderunen vorbereiten.
Als Eltern Dolmetscher sein.

Darüber zu sprechen, dass ist so eine Sache. Manchmal lohnt es sich, manchmal macht es alles nur noch komplizierter.

Doch finde ich, darf bei all den Schwierigkeiten die Stärken dieser Kinder nicht vergessen gehen. Ihr Denken, fühlen und handeln hat soviel Potenzial. Lernen sie Schritt für Schritt damit umzugehen, es zu lenken und funktionieren ist da unglaublich viel Power ❤️.

Dieser Thema begleitet mich nun schon mehr als 20Jahre und wenn ich so zurück blicke und sehe wie sich unsere Kinder entwickelt haben und entwickeln. Dann freue ich mich und bin stolz auf sie und auch auf uns.
Lg

tantchen
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Re: Erwartungen der LP bei schwierigem Verhalten

Beitrag von tantchen »

Ich habe Hochachtung vor allen Eltern die solche Situationen stemmen. Ich kann mir vorstellen wie man unter Druck gerät all die Anforderungen zu erfüllen und manches mal verzweifelt.
Ich bewundere Lehrpersonen die es schaffen trotz Unterrichtsdruck ein gutes Klima aufrecht zu erhalten, wo sich alle Kinder wohlfühlen.
Ich sehe aber auch überforderte Menschen die manchmal verzweifelt versuchen ihren Auftrag zu erfüllen, seien es Eltern, Lp, oder Betreuungspersonen, Kinder und Schulen. Viele im System involvierte Menschen bräuchten Unterstützung. Da hinkt das System eindeutig noch hinterher und ist noch unterentwickelt für die Vielfalt die immer mehr Einzug hält.

annegretli
ich wünsche euch ein konstruktieves Gespräch und gute Lösungsansätze damit ihr wieder etwas Mut und Vertrauene schöpfen könnt.

annegretli74
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Re: Erwartungen der LP bei schwierigem Verhalten

Beitrag von annegretli74 »

Vielen lieben Dank für die verständnisvollen Worte. Es gibt immer wieder Phasen, wo ich nicht weiss wie ich das alles stemmen soll. Bis zu den Sommerferien hatten wir (zusammen mit der Schule) alles gut im Griff. Lehrerwechsel sind immer eine grosse Herausforderung für meinen Sohn, dann folgen wieder Vorwürfe seitens der Schule, von einigen Müttern von Mitschülern, manchmal sogar von meinem Mann, der immer wieder sagt ich würde Sohn zu sehr betüddeln. Dies hat zwar gerade in den letzten Monaten stark gebessert.
Bei der ersten Abklärung waren wir bei einer schon älteren Dame vom KJPD, die doch sehr traditionelle Ansichten vertrat. So nahm sie vor allem mich in die Verantwortung und die einzige Hilfestellung war, wir sollten Sohn bei Ausflippen für 3 Minuten auf einen Stuhl setzen. Funktionierte überhaupt nicht, im Gegenteil. Er flippte dann erst recht aus und begann Sachen zu zerstören.
Bei der zweiten Abklärung hatten wir gehofft, endlich eine "richtige" Diagnose zu erhalten. Ich hatte mir gedacht es würde einfacher, wenn wir dem Verhalten meines Sohnes einen Namen geben könnten. Dem war aber nicht so, die "Abweichung von der Norm" ist nicht so gross, dass es für eine Diagnose reichte. Auch hier hatten wir kaum Hilfestellung. Sie bot uns an, dass Sohn einmal wöchentlich in deiner Gruppe mit anderen Kindern seine sozialen Fähigkeiten trainieren könnte. Da sehe ich aber nicht mal das Problem. Er hat zwar wenig Freunde, aber mit denen kommt er sehr gut zurecht.

Das einzige, was bislang zumindest in grossen Teilen zum Erfolg führt, ist vorausschauend zu handelt. Wo sind die Stolpersteine, die ihn aus der Bahn werfen könnten? Wie müssen wir ihn darauf vorbereiten, damit er diesen Ausflug / diesen Besuch / diese spezielle Situation gut händeln kann? Und wenn er sich dann trotzdem wieder mal verliert, abwarten bis er sich etwas beruhigt hat und dann zuhören. Ich musste auch lernen, dass es oft reicht, wenn er sich mir mitteilen kann. Hilfe anbieten ja, aber wenn er diese ablehnt auch gut sein lassen.

Ermüdend ist halt, dass wir bei jeder neuen Lehrperson immer wieder von praktisch null anfangen müssen. Und im Sommer steht schon wieder ein Wechsel an, da fürchtet es mich jetzt schon.

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Hausdrache
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Re: Erwartungen der LP bei schwierigem Verhalten

Beitrag von Hausdrache »

Habe nicht alles gelesen. Aber das Eingangspost erinnert mich so sehr an die Zeit, als unsere Kinder noch in der Schule waren.

1. Gelassen bleiben. Dein Sohn macht seinen Weg, auch wenn er jetzt emotional noch überfordert ist.
2. Strafen, kann die Lehrerin ihm aufgeben, ist ihre Art und ihre Entscheidung wie sie damit umgeht. Deine Aufgabe ist es nur zu schauen, dass er sie macht. In solchen Momenten kannst du deinem Sohn auch aufzeigen, dass du es schade findest, dass er nun in der Freizeit auch nochmal mehr für die Schule machen muss und du dir wünschst, dass er sich bemüht, dass das nicht wieder vorkommt. Dann mit ihm besprechen, wie er das schaffen kann, oder ihn fragen, was er bräuchte. Sicher ist es nicht deine Aufgabe ihm eine Strafe zu geben. Du strafst nicht für etwas, bei dem du nicht dabei warst, aber du unterstützt die Lehrerin, in dem du ihre Strafe nicht hinterfragst. Obwohl man das durchaus könnte und es ganz klar andere Ansätze gäbe.
3. Unterrichtsbesuch: Ich sage immer, ich wäre gerne eine Fliege und würde so öfter den Unterricht besuchen. Als Lehrerin kann ich nur sagen, die Kinder benehmen sich leider tatsächlich anders wenn Besuch da ist. Besser oder weniger gut, ist beides möglich. Und auch Lehrer haben dann die Tendenz sich von der besten Seite zu zeigen, was ja auch irgendwie menschlich logisch ist. Und dennoch würde ich mal gehen, vielleicht auch mehrmals. Damit zeigst du deinem Sohn, dass du interessiert bist am Unterricht, dass dir nicht egal ist, was da abgeht und du bekommst ein Gefühl für die Lehrperson. Manchmal bekommt man ein komisches Bild, wenn man hauptsächlich die Sicht des Kindes kennt. Mehr würde ich aber nicht erwarten, einfach nur für deinen Sohn zeigen, ich bin interessiert, dass du an diesem Unterricht in einer guten Form teilnimmst.

Und sonst: Mails lesen, mich bedanken und gut ist. Du kannst nichts tun, damit es in der Schule besser läuft, ausser das deinem Sohn klar zu vermitteln. Und die Überfroderung der Lehrperson ist nicht dein Problem per se. Auch ihre Haltung wirst du nicht ändern können, dein Sohn kann aber lernen, dass er die zwar nicht toll findet, dass es langweilig ist, aber Englisch sind so wenige Lektionen, das kann man aushalten, wenn es sonst nicht auch noch überall nicht stimmt für ihn. Anstand kann man dennoch erwarten, da wäre ich sehr streng.

Fürs Gespräch, zeig ihr auf, dass du nicht mehr machen kannst, dass sie für die Strafen zu sorgen hat und du gerne schaust, dass sie gemacht werden, zeige auf, was dein Sohn brauchen würde, oder was er denkt, was ihm helfen würde. Im Alter deines Sohnes mache ich gute Erfahrungen damit, ihn an so ein Gespräch mitzunehmen. Gerade wenn er klever ist, geht es nicht, dass man über ihn spricht. Es ist wichtig, dass er spürt, dass ihr und die Lehrperson einen ruhigeren Unterricht wünscht, aber auch, dass dein Sohn mitteilen kann, was für ihn schwierig ist. Was dann die Lehrperson damit macht und ob sie da etwas ändern kann würde ich offen lassen. Ihr sagen, dass sie nun Anhaltspunkte hat, was für euren Sohn so schwierig ist, dass ihr darauf vertraut, dass sie einen Weg finden wird und dass ihr nicht mehr Einfluss habt auf die Schulsitution. Es gibt keinen Schalter, mit dem man Kinder einfach passend machen kann und alles läuft reibungslos. Leider erlebe ich immer wieder Kollegen, die das nicht verstanden haben und doch immer wieder nach diesem Schalter suchen und am liebsten im Elternhaus.

Und wenn sich nichts ändert, es sind drei Lektionen, das hält er aus und du nimm nicht alles als Auftrag an, sondern siehs als Information an. Du nimmst es zur Kenntnis, erklärst deinem Sohn, dass du keine Solchen Infos mehr bekommen möchtest und mehr kannst du nicht machen.

Es wird besser, sie werden älter. Unsere sind heute recht pflegeleicht. In der Primarschule war von Schulausschluss die Rede. Aber da ging es nirgends, wir haben dann eine andere Schulform gesucht. Auch das gibt es. Und ja, im Schulsystem drin ist es leider so, dass man bei jeder neuen Lehrperson wieder von vorne anfängt.

Diagnose: Einfach noch zum nachhaken, unsere Tochter hatte letztelich zwei Diagnosen. Hochbegabung mit Lernbehinderung. Zweifach besondere Kinder werden nicht erkannt und damit gibt es für beides keine Hilfe, was ganz schwierig ist. Wenn du von emotionaler Unreife sprichst, aber ohne etwas zu tun sehr guten Schulleistungen, dann werde ich hellhörig. ADHS-ler mit Hochbegabung zum Beispiel können in der Primarschule leistungsmässig total unauffällig sein und dann an der Oberstufe erst Schwierigkeiten bekommen. Nur das Verhalten fällt schon früher auf. Nur als Beispiel. Dasselbe bei Kindern mit Autismusspektrum. Meistens wird nur das Verhalten gesehen. Und HB-Kinder die nicht erkannt werden und bei denen die Chemie im Test nicht stimmt, zeigen nicht, was sie könnten und können Verhaltensweisen von ADHS zeigen und auch unreif wirken, einfach weil sie nicht passen. Auch sie werden oft nicht erkannt, weil es dafür wirklich Spezialisten braucht.

Letztlich muss er einfach reifen, das wird er auch. Du darfst da etwas gelassener werden, ihn auch auflaufen lassen, nicht immer schauen, dass es für ihn passend wird. Er ist zehn und kann lernen für sein Verhalten die Verantwortung zu übernehmen. Wir Mütter neigen oft dazu, das auszugleichen, was den Kindern Mühe macht. Das ist ganz natürlich und normal. Aber es tut ihnen nicht immer gut. Vielleicht hat dein Mann da eine gute Sicht? Wenn ja und wenn er besser damit klar kommt, lass ihn mehr übernehmen. Lass die Mails an ihn gehen. Männer sind oft Taub auf dem Apell Ohr, die können sehr gut mit dem Sachohr hören und die Verantwortung nicht übernehmen, die wir Mütter sofort auf uns nehmen würden. Loslassen, vertrauen, dass dein Sohn reifen wird, auch wenn es jetzt nicht so aussieht. Mir wurde mal gesagt, ich würde dann schon sehen, wie schwierig mein Kind in der Pubertät werde. Die würde mal noch kriminell und keinen guten Weg nehmen. Heute ist sie 22 Jahre alt, hat eine Berufslehre gemacht mit Berufsmatura, ist im Vorstand eines Vereins und da sehr geschätzt, übernimmt Verantwortung, kann auch schwierige Situationen heute gelassen und ruhig meistern und studiert. Das hätte ich in der Primarschule nicht für möglich gehalten.
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Pädagogik ist der organisierte Kampf der Erwachsenen gegen die Kinder.(Mark Twain)

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