Aufgeben?

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Johanna
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Aufgeben?

Beitrag von Johanna »

Liebe Frauen

Ich bin neu hier, 36 Jahre alt, mein Partner und ich versuchen seit zwei Jahren, ein Kind zu bekommen. Letztes Jahr hat es spontan geklappt, sogar im 2. ÜZ, wir waren überglücklich.

Wie so viele Frauen hatte ich damals nicht an eine Fehlgeburt gedacht - genau das passierte aber. Es war ein verhaltener Abort, in der 12. Woche, kurz nachdem wir unserem Umfeld von der Schwangerschaft erzählt hatten. Ich war entweder einfach sehr naiv oder aber wurde tatsächlich zu schlecht informiert - ich wollte nicht ins Spital und "zog" die Fehlgeburt zuhause, mit Hilfe meines Partners, "durch". Mit der Stärke der Schmerzen, der Stärke der Blutungen, der bisher ungekannten Migräne, dem Tinnitus, dem emotionalen Tief, die damit bzw. kurz darauf kamen, hatte ich so nicht gerechnet. Nichtsdestotrotz versuchte ich, zu arbeiten, weiterzumachen. Schliesslich, so sagte ich mir, gehören Fehlgeburten zum Lauf der Natur.

Ein Jahr später, und nach mehreren Monaten weiteren Probierens (hoffen, traurig sein, hoffen, traurig sein - einige von kennen das sehr gut), war ich am Ende. Beruflich war ich durch einen Stellenwechsel gefordert, es fiel mir schwer, mich einzuleben, ich hatte zunehmend Probleme, mich einzubringen oder, wo es nötig gewesen wäre, durchzusetzen, fühlte mich ungeheuer verletzlich und mein Selbstwertgefühl litt in dieser Zeit extrem.

Dieser Jahr im März wurde eine Depression bei mir diagnostiziert, ich wurde krankgeschrieben; und den Kinderwunsch mussten wir auf Eis legen (Schuldgefühl auf meiner Seite enorm!!). Ich konnte nicht mal an Sex denken, die Depression machte mich zu einem geschlechtslosen Wesen, gefühlt. Das war kurz nach dem Jahrestag des positiven Schwangerschaftstests.

Weil wir trotz der Zwangspause im Frühling, Sommer doch schon 12 ÜZ erfolglos gewesen sind, gehen wir in zwei Wochen zur Gynäkologin, um uns zu informieren: Die Frage wird wohl sein, ob wir uns an eine Kinderwunschklinik wenden sollten/wollen oder ob es da noch andere Abklärungen, Möglichkeiten gibt, die wir vorher ausprobieren sollten.

Mein Partner ist ein unglaublich kinderlieber Mensch, er hat mehrere Göttikinder, die ganz verrückt nach ihm sind. Er blüht auf um Kinder herum.
Jeden Monat, wenn wieder die Mens kommt, fühle ich mich wie eine Versagerin. Mein ganzes Umfeld erzählt mir, ich hätte keinen Grund dazu - klar, ich hatte es bisher immer rational zu sehen versucht, aber die Depression hat mich gelehrt: Um seine Gefühle kommt man nicht herum!
Seither tut es jedesmal weh, wenn die üblichen Sätze mir an den Kopf knallen:
"Du musst das entspannt angehen!"
"Geht doch endlich zum Arzt, medizinisch kann man da ja so viel machen!"
"Du hättest halt früher anfangen sollen!" (Ja. Das hatte ich mir ja noch nie gedacht! Hätt ich meinen Partner da schon gekannt, ja dann... Leider haben nicht alle Menschen das Glück!)

Im Grunde weiss ich gar nicht mehr, ob ich nicht besser gar keine Kinder bekommen sollte. Meine Zweifel sind riesig: Was, wenn die Depression wiederkommt - mit Kind? Die Fehlgeburt, unser Alter (36 u. 38) das Gefühl, mit niemandem reden zu können bzw. nicht ernstgenommen zu werden (Freundinnen, die Kinder haben - ohne je die Erfahrung einer FG gemacht zu haben) - die Isolation in den vier Monaten, in der die Depression akut war - der Wiedereinstieg in den Job, der mich fordert. All das lässt mich immer häufiger denken:
"Lass los, du schaffst das nicht noch einmal."

Ich möchte mein Leben geniessen, weiss, dass ich mir den Boden unter die Füsse ziehen muss nach den für mich sehr dunklen Frühlings- und Sommermonate - aber es scheint unmöglich, solange dieser unerfüllte Kinderwunsch präsent ist. Es fällt mir so unendlich schwer, nicht in Schwarz und Weiss zu denken!! Manchmal habe ich das Gefühl, der Kinderwunsch macht mich verrückt. Kaum ging es mir im Juli langsam besser, wurde meine Energie wieder in diesen Wunsch gebündelt - und wieder diesem Auf und Ab von Hoffen, von dem ich weiss, dass es mich runterzieht.

Und ich kann gar nicht sagen, wie unendlich traurig mich das macht - aber gleichzeitig fühlt es sich ungeheuer befreiend an, zu sagen: Ich lasse los, ich möchte nicht in eine Klinik, möchte den Dingen ihren Lauf lassen - auch wenn ich mit 40 immer noch kinderlos sein sollte.
Diese Gedanken treiben einen Keil zwischen meinen Partner und ich. Er sagt, er wisse, dass wir noch Eltern werden, er ist so unerschütterlich zuversichtlich.
Wenn ich ihn solche Dinge sagen höre, fühle ich mich ungeheuer allein.

Eigentlich schreibe ich hier genau deswegen und möchte fragen, ob es der einen oder anderen von euch auch so geht? Ich würde mich unendlich über Antworten von euch freuen!

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Papa68
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Re: Aufgeben?

Beitrag von Papa68 »

Liebe Johanna
Es tut mir Leid, dies von dir zu lesen.
Leider kann ich dir nicht versprechen, dass es gut kommt, aber ich drücke die Daumen!
Meine Schwester hat eine ähnliche Geschichte wie du. Kind verloren, Depressionen, Hoffnungslosigkeit. Sie und ihr Mann wurden dann Pflegeeltern von einem Kind, das nicht bei seiner Familie bleiben konnte. Es war ein Gewinn für alle!
Ich weiss, das ist nicht das selbe wie ein eigenes Kind. Aber es gibt so viele Kinder auf dieser Welt, die sich sehnlichst liebevolle Eltern wünschen. Vielleicht wäre es eine Überlegung für euch, ein Kind aufzunehmen.
Alles Gute für eure Zukunft!
SCHWEIGEN IST GOLD.
ES SEI DENN, DU HAST KINDER. DANN IST SCHWEIGEN VERDÄCHTIG!

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ChrisBern
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Re: Aufgeben?

Beitrag von ChrisBern »

Liebe Johanna, ich wollte nicht einfach wegklicken, auch wenn ich noch nie eine FG hatte. Es tut mir sehr leid, das von dir zu lesen und dass es dir so schlecht ging bzw dich immer noch am finden bist. Normalerweise (also wenn du nicht solchen Stress mit dem Alter hättest) würde ich sagen: atme mal durch, gib dir ein Jahr, vertage den entscheid. Und bitte deinen Partner dir diese Zeit zu geben. Ich finde, es gibt einfach Momente, in denen man nicht entscheidfähig ist. Und bei Depressionen eh schwierig. Ich weiss nicht, wie drängend du die "36" findest, aber ich würde mir mal einen Moment Zeit geben.

Ich selbst habe keine Erfahrung mit Fehlgeburten, ich möchte mir nicht anmassen, mich dazu zu äußern. Ich hatte einfach eine postpartale Depression und ich war unglaublich schockiert, wie sehr es mich umgehauen hat. Ich habe recht bald wieder "funktioniert", aber die depressiven Muster blieben recht lange. Ich hatte solche Angst, dass mir das wieder passiert, dass ich kein 2. Kind wollte. Nach reichlich drei Jahren konnte ich es mir dann wieder vorstellen. Ich weiß, es ist nicht das gleiche, aber ich kann nachvollziehen, dass du angst davor hast, dass es dir das 2. Mal den Boden unter den Füssen wegzieht. Daher würde ich aktuell mir tatsächlich Zeit geben und ich hoffe sehr, dass dein Partner den Druck rausnehmen kann. Ich sende dir viel energie!

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Miss_Piggy
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Re: Aufgeben?

Beitrag von Miss_Piggy »

Liebe Johanna

Das tut mir gleich im Herzen weh, wenn ich das lese.
Ich war in einer ähnlichen Situation.. Probleme mit schwanger werden, FG in 10. Woche, Depression/Waschzwang.. es ging mir ganz schlecht.

Wir waren in einer Kiwu Klinik und ich war dazu bereit alles zu geben um Mutter zu werden. Ich wusste, sollte es nicht klappen, ich besser damit abschliessen könnte wenn ich alles getan habe.
Ihr seid sicher in einem Alter in dem man nicht noch X Jahre einfach zuwarten sollte, aber trotzdem noch jung genug um gute Chancen zu haben.
Ich persönlich würde so bald als möglich in eine Kiwuklinik. Im Raum Mittelland oder Basel könnte ich dir eine super Adresse empfehlen.

Bei mir waren seid der Geburt alle psychischen Probleme wie weggeblasen. Dennoch habe ich es aufegearbeitet bzw. tue ich es immer noch.

Alles Liebe.

sonrie
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Re: Aufgeben?

Beitrag von sonrie »

Ich kann dir gut nachfühlen wie es dir geht... diese Kinderwunschzeit ist die Hölle, wenns nicht so läuft wie es soll. Bei uns liefs ähnlich und doch anders - lange probiert, leider erfolglos, ärztliche Abklärungen und die niederschmetternde Diagnose dass wir auf natürlichem Weg wohl keine Kinder haben können (die Kurzform: Kiwu Behandlung, erfolglose versuche, FG, am ende dann ein dreifaches happy end).

Ich bin es gewohnt, das was ich will zu erreichen, auch wenn es anstrengend ist - und ich bin ein Kontrollfreak. Hier nichts kontrollieren zu können hat mich fertig gemacht. Ich hab viel geweint, war verzweifelt, hatte Angst... all das. Nur konnte ich in dieser Sache nicht "noch härter arbeiten" wie ich es sonst immer getan hatte.
Für mich war am Ende die KiWu Klinik die grosse Erlösung. Weisst du warum? Weil ICH da nichts mehr tun musste. Ich musste nicht mehr Temperatur messen, den Eisprung bestimmen, Sex haben wenn ich eigentlich keine Lust habe, Verantwortung übernehmen wenns nicht geklappt hat und entscheiden wie weiter .... all das haben sie mir abgenommen. Sie haben mich und meinen Mann untersucht und es gab einen Plan..... was für uns die beste Behandlung war, ein möglicher Zwischenschritt da ich mich noch nicht bereit für eine OVF fühlte, ein plan, wann ich was für Tabletten nehmen und Spritzen setzen soll, wann ich zur Kontrolle komme, wann der Termin für den transfer ist etc.I Für mich was das ein Segen, eine Befreiung. Ich konnte den Druck ablegen und wieder leben. Und es gab mir Hoffnung.

Natürlich ists kein Spaziergang, es gab auch in dieser Zeit hochs und tiefs, aber ich fühlte mich weit weniger hilflos als vorher und war wieder zuversichtlich (mein Mann war wie deiner, er war immer schon davon überzeugt dass es klappen wird und konnte meine Verzweiflung nicht wirklich verstehen).
ich denke, wenn du deinen Kinderwunsch nicht einfach so beiseite schieben kannst, dann solltest du ihne mal genauer unter die Lupe nehmen und dir hierfür Hilfe holen.
Geh in eine KiWu Klinik (direkt zu den Profis, mach keine Behandlungen bei der FA, das ist eine andere Liga), du kannst dort deine SItuation und auch deine Unsicherheit schildern - und auch jederzeit aussteigen. Es gibt auch gute Kliniken die nicht nur die medizinische Behandlung anbieten sondern auch Leute mit im Boot haben, die sich um Seele und Gefühle der Frauen kümmern.

Aber dort können sie dir wenigstens sagen wie sie das aus medizinsicher Sicht sehen. Und rede mit deinem Partner, wie seine Zuversicht auch Druck auf dich ausübt - es ist keine Sache für einen von euch, ihr müsst das gemeinsam meistern - so oder so. Jetzt oder später.
Wenn du noch nicht wieder so weit bist, dann ist das ok. Wenn er es aber schon ist, dann ist das auch ok. Ihr werdet euch finden, aber das geht nur wenn ihr das gemeinsam macht. Ganz egal was andere sagen oder zu wissen glauben. Ihr seid die einzigen, die es betrifft.

Und noch etwas... bei mir ist das alles 10 Jahre her, ich hab 3 Kinder bekommen (mit 33 und fast 36 jahren) und heute schaue ich zurück und das alles fühlt sich an wie die Erinnerung an eine unangenehme Blinddarmsache oder sonst eine Behandlung. Es ist ok so wie es ist und es hat mich dankbarer und demütiger werden lassen.

Ich wünsche dir von Herzen, dass sich für dich alles zum Guten wendet - so oder so - und du eine Lösung findest mit der du im reinen bist.
"Wenn Aufregung helfen würde, Probleme zu lösen, würde ich mich aufregen." (Angela Merkel in "Die Getriebenen")

Johanna
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Re: Aufgeben?

Beitrag von Johanna »

Liebe Papa68, ChrisBern, Miss_Piggy und sonrie

Ich habe eure Antworten eben erst gelesen - es war eine turbulente Woche.... Vielen lieben Dank für eure Worte, das bedeutet mir sehr viel - das Gefühl, mit der Sache nicht allein zu sein.

@Papa68: An solche Möglichkeiten haben wir auch schon gedacht, haben's allerdings noch vertagt, das konkreter zu besprechen. Du hast recht, es gibt viele Kinder die Beistand brauchen könn(t)en.... Chapeau vor deiner Schwester!

@ChrisBern: Genau, ich glaub auch, dass es Situationen gibt, in denen Entscheidungen sehr schwer wenn nicht unmöglich zu treffen sind. Und ich glaube auch, dass ich in so einer Situation bin... Ich danke dir fürs Erzählen! Ich stelle mir vor, dass es schwer ist, mit einem kleinen Kind im Arm diese Gefühle durchzumachen - alle erwarten, dass man glücklich ohne Ende sein sollte und es geht einem schlecht. Ich bewundere jede Frau, die so etwas meistert!!

Ich möchte unbedingt noch was schreiben für Miss_Piggy und sonrie... aber mir fallen langsam die Augen zu.. Ich hole das noch nach!

Johanna
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Re: Aufgeben?

Beitrag von Johanna »

Was für eine Woche bisher - bin manchmal noch enorm verpeilt. Vorgestern hat ausserdem die Menstruation wieder eingesetzt, war schwierig. Zum Glück habe ich einen so verständnisvollen und lieben Partner. Aber ich wollte euch antworten:

@Miss_Piggy: Das tut mir leid zu lesen - und ich denke, ich kann deine Geschichte sehr gut nachfühlen. Ich denke auch immer wieder, es wäre einfacher, abzuschliessen, wenn wir die Möglichkeiten zumindest (!) kennen und uns überlegen, was wir uns vorstellen können. Die Vogel-Strauss-Taktik mit Kopf-in-den-Sand-stecken ist sicher nicht ein guter Weg. Was du sagst, leuchtet mir sehr ein... Danke für deine Worte! Und es ist auch sehr tröstlich zu hören, dass es wirklich der Kinderwunsch sein kann, der einen so fertig macht - ich kann es momentan nicht richtig abschätzen, ich weiss ja noch (?) nicht, wie es ist mit Kind. Darf ich mich bei dir melden, wenn wir eine Adresse brauchen? Heute haben wir noch einen Termin bei der FÄ. Danach wollen wir entscheiden, wahrscheinlich läufts auf KiWuKlinik heraus.

@sonrie: Ich habe mittlerweile mit meinem Partner gesprochen, eigentlich tun wir das sehr oft. Eigentlich ist bei uns alles in Ordnung, er spürt, wie es mir geht, ich habe nur manchmal das Gefühl, dass ich ihn nicht spüre, weil er weder weint noch viel redet wegen diesem bisher unerfüllten Wunsch - aber wenn ich nachfrage, dann verstehe ich seine Antwort, glaube ich, sehr gut. Die Angst, dass er in der Rolle des "Unterstützers" festhängt und ich in der Rolle der "Schwachen", habe ich aber regelmässig. Es tut immer gut, darüber zu reden. Ich hoffe trotzdem, dass diese Situation nicht mehr über Jahre andauert; es nimmt so viel Leichtigkeit weg. Aber die Zuversicht, dass wir da gemeinsam durchkommen, die hatte und habe ich und die spüre ich auch bei ihm. Dafür bin ich sehr, sehr dankbar - es ist nicht selbstverständlich!
Insofern: Wir werden wohl demnächst in eine Kinderwunschklinik gehen, das klingt einleuchtend (auch mit der psychologischen Begleitung!). Danke für den Tipp!
Es freut mich sehr für dich, dass es geklappt hat und du mittlerweile drei Kinder hast! Mich haben deine letzten Sätze sehr berührt - "es ist ok so, wie es ist"... und dass so ein Prozess im Nachhinein ganz anders aussieht. Es kommt wohl auch darauf an, was man daraus macht, was einem das Leben gibt; wie man auf Ereignisse, Hilflosigkeitsgefühle etc. reagiert. Letztendlich hat man nur bezüglich der eigenen Gedanken die Wahl - mehr Gutes sehen wollen oder mehr Schlechtes. Ich kann mir vorstellen, dass Dankbarkeit und Demut auch dann vorhanden sein würden, wenn alles nicht klappt. Das beruhigt mich...

Danke euch allen - ihr habt mir enorm geholfen. Es tut so unheimlich gut, aus dieser Isolation der eigenen Gedanken herauszukommen! Insbesondere, wenn alle rundherum vollauf beschäftigt sind mit ihren zwei, drei Kindern...

Danke tausend Mal für eure Worte.

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Miss_Piggy
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Re: Aufgeben?

Beitrag von Miss_Piggy »

@johanna: selbstverständlich darfst su dich melden. liebe grüsse :-*

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Knuffel
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Re: Aufgeben?

Beitrag von Knuffel »

Liebe Johanna

Deine Geschichte erinnert mich sehr stark an meine. Auch meine erste SS endete in einer FG und danach versuchten wir es über ein Jahr erfolglos. Bei allen anderen schien es nach einer FG sehr schnell wieder zu klappen und ich fühlte mich einfach wie eine grosse Versagerin und konnte auch nicht verstehen, warum mein Mann immer zuversichtlich blieb - manchmal machte mich das sogar richtig wütend.

Zwar wurden wir schon nach einem halben Jahr (ich war damals auch 36) an eine KiWu verwiesen, aber es ging nochmals fast 6 Monate, bis diese endlich tätig wurden (Wartezeit bis zum ersten Termin und dann versuchten sie es zunächst minimal-invasiv). Als wir dann endlich eine Hormonstimulation machten, ging es mir wie Sonrie. Ich war so unendlich erleichtert, dass endlich jemand anders die Verantwortung übernahm und ich einfach nur noch dem Plan folgen musste. (Leider bin ich inzwischen bei der 3. FG und somit Abklärungs-Zwangspause angelangt, also kann ich (noch) von keinem Happy End berichten.)

Aber ich wollte Dir sagen, dass Du nicht die einzige bist, der es so gegangen ist und auch wenn ich Deine Angst, bei einer nochmaligen FG wieder in die Depression abzustürzen, verstehe, so kann ich Dich wenigstens beruhigen und sagen, es muss nicht so sein. Meine erste FG war emotional deutlich die schlimmste - wobei dafür im Gegenzug die Freude über den positiven Test mit jeder weiteren FG abnimmt. Ich will damit nicht sagen, dass es bei Dir so sein wird, es spielen sehr viele Faktoren eine Rolle, aber es ist nicht zwingend, dass es wieder gleich sein wird. Und zudem sind die Chancen höher, dass es das zweite Mal gut kommt, als dass es wieder schief geht!

Es ist unglaublich schwer, wenn man in der Situation "unerfüllter Kinderwunsch" steckt, da es keine Garantien gibt und es ein stetiges Auf und Ab ist. Jeden Monat wieder hoffen, nur um dann enttäuscht zu werden. Das ist emotional sehr schwer verkraftbar und zehrt extrem. Daher verstehe ich, wenn Du ans Aufgeben denkst. Aber meinst Du nicht, dass Du es Dir in ein paar Jahren evtl. nicht vorwerfen wirst, es nicht versucht zu haben? Selbstverständlich hat jedes Paar seine Grenzen, was sie noch tun wollen oder können, aber ich finde es gut, dass Du nun trotzdem eine KiWu-Klinik in Betracht ziehst. Es wird ja nicht gleich um IVF/ICSI gehen, evtl. brauchst Du nur ein klein bisschen Unterstützung und dann kommt alles so wie es soll? Primär geht man ja dahin, um zu schauen, woran es liegen könnte und was machbar ist. Und zumindest bei meiner KiWu versuchen sie immer zuerst das einfachste und minimal-invasivste und gehen erst dann einen Schritt weiter, wenn dies nichts fruchtet. Und vom Alter her musst Du Dir auch keine Sorgen machen, ich wurde in der KiWu und bei der Akupunktur schon fast ausgelacht, als ich meinte, ich sei evtl. zu alt - für die bin ich eher eines der jüngeren Semester. :)

Ich würde mich freuen, weiter von Dir zu hören, wie es geht! Und auch wenn es nur darum geht, dass Du Dich mal ausk*** musst.

Liebe Grüsse

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