Dr. Karg Gedichte / Teil 2

Moderator: Phönix

Antworten
Dr. Karg
Newbie
Beiträge: 0
Registriert: So 17. Jul 2011, 08:46
Geschlecht: männlich

Regeln der Kunst

Beitrag von Dr. Karg »


Regeln der Kunst

Einen einzelnen Künstler nur kritisieren
Verstößt gegen alle Regeln der Kunst,
Denn Künstler sind nicht zu stigmatisieren,
Sie stehen zeitlos in der Musen Gunst.

Die Regeln der Kunst besagen doch,
Dass man sich um sie bemühen muss:
Verstehen bleibt unser schwerstes Joch,
Zu ergründen den himmlischen Musenkuss.

Neidlosigkeit setzt Verstehen voraus,
Das Erfasste unvoreingenommen zu sehen,
Sonst macht man der Kunst doch den Garaus,
Will nicht auf Toleranz bestehen.

Wer einen Künstler nicht schätzen will,
Soll ihn gefälligst in Ruhe lassen:
Wenn die Menschenwürde bleibt unser hohes Ziel,
Verbreitet man kein Nöhlen und Hassen!

Dazu sind Kleinseelen oft nicht imstande,
Wenn sie sich als gottgleich begreifen.
Sie drängen Mitmenschen hin zum Rande,
Weil sie selbst nicht zum Erwachsensein reifen.

Infantil, destruktiv bleibt jene Person
Nur in biologisch erwachsener Hülle,
Wenn sie nicht sieht den Menschensohn,
Die Freude, den Frieden, die Fülle.


©Hans Hartmut Karg
2021

*

Dr. Karg
Newbie
Beiträge: 0
Registriert: So 17. Jul 2011, 08:46
Geschlecht: männlich

Warum soll ich...

Beitrag von Dr. Karg »


Warum soll ich...

Warum soll ich mich denn behängen
Mit Leuten, die mich gar nicht mögen?
Sie packen doch nur mit den Fängen,
Wo nicht hinreicht ihr Geistvermögen.

Es geht ja oftmals nur um Geld,
Die Ethik spielt da keine Rolle,
Denn man versteckt Begehrenswelt
Und sucht doch für sich selbst das Volle.

Wie oft musste ich schon erleben,
Dass Menschen laut Wasser gepredigt,
Jedoch heimlich zum Wein hinstreben,
Wodurch die Sittlichkeit erledigt!

Man darf Menschen nicht alles glauben,
Was sie den Mitmenschen erzählen,
Muss schon dem Eigengeist erlauben,
Selbstwege zur Wahrheit zu wählen.

Warum soll ich das denn filtern,
Was ehrlich dem Geiste gebührt,
Aufhalsen mir an fremden Bildern,
Wo Erkenntnisse weggeschnürt?


©Hans Hartmut Karg
2021

*

Dr. Karg
Newbie
Beiträge: 0
Registriert: So 17. Jul 2011, 08:46
Geschlecht: männlich

Aufbauende Größe

Beitrag von Dr. Karg »


Aufbauende Größe

Muss man denn alles publizieren,
Nur weil man um die Wahrheit weiß?
Muss man die Wahrheit dann vorführen,
Wenn sie verbrämt auf falschem Gleis?

Es ist doch stets ein Ziel der Ethik,
Das Gute im Menschen zu stärken.
So packe also Dein Geschick
Und such' das Gute in den Werken!

Gar mancher liebe Zeitgenosse
Kämpft dazu immer noch mit Reife,
Will ja heraus aus seiner Gosse,
Damit er in die Welt eingreife.

Wo man den guten Willen spürt,
Sollte man ihn gewähren lassen,
Ihm helfen, was ihn weiterführt
Und ihn im Werden nicht verlassen.

Zukunft braucht jene Auferbauung,
Wo sie allein nicht stark genug
Zu finden die faire Erbauung –
Weil sie mitunter nicht am Zug.

Man muss sie von Einflüssen lösen,
Die sie in ihren Schwächen halten,
Sie wegleiten von allem Bösen,
Mit dem kein Leben zu gestalten.


©Hans Hartmut Karg
2021

*
Zuletzt geändert von Dr. Karg am Mi 24. Feb 2021, 08:58, insgesamt 1-mal geändert.

Dr. Karg
Newbie
Beiträge: 0
Registriert: So 17. Jul 2011, 08:46
Geschlecht: männlich

Eskimohäschen

Beitrag von Dr. Karg »


Eskimohäschen

Kinder haben heute ein Iglu gebaut,
Denn es hat nächtens geschneit,
Wo jetzt ihr Häschen herausschaut
In seinem weißen Fellkleid.

Damit davon alle etwas haben
Wird rasch das Smartphone gezückt:
Man will sich an diesem Anblick laben,
Die Kinder sind ganz verzückt!

Das lässt das kleine Häschen kalt,
Es ist doch iglugeschützt.
Der Bau in seiner Kugelgestalt –
Ob er dem Tierchen wohl nützt?

Als die vielen Fotos „geschossen“,
Will es den Bau nicht verlassen.
Das haben die Kinder genossen,
Sollen es in Ruhe doch lassen.

Erst als ein Kohlblatt ihm angeboten,
Kommt das Häschen von selbst heraus,
Hoppelt unsicher auf den klammen Pfoten
Davon – in sein Hasenhaus.


©Hans Hartmut Karg
2021

*

Dr. Karg
Newbie
Beiträge: 0
Registriert: So 17. Jul 2011, 08:46
Geschlecht: männlich

An der Tablettenschatulle

Beitrag von Dr. Karg »


An der Tablettenschatulle

An der Tablettenschatulle
Seh' ich allwöchentlich,
Wie rasch die Woche verrinnt.

So treiben Minuten, Sekunden
Die Stunden leis' vor sich her,
Plätten unsere Lebensrunden –
Das freut uns gar nicht so sehr!

Die Schatulle wird wieder gefüllt
Und doch ist sie bald geleert:
Gesundheit braucht leider Pillen!

So treiben Sekunden, Minuten
Unsere Lebenszeit vor sich her,
Lassen uns zum Gesundbrunnen sputen,
Bei Zeitkostbarkeit sinnen wir auf mehr...


©Hans Hartmut Karg
2021

*

Dr. Karg
Newbie
Beiträge: 0
Registriert: So 17. Jul 2011, 08:46
Geschlecht: männlich

Das Bäumchen biegt sich

Beitrag von Dr. Karg »


Das Bäumchen biegt sich

Das Bäumchen biegt sich unter seiner Last,
Die Schnee und Eis ihm jetzt zumuten,
Denn Winterwille ist ein schlimmer Gast,
Weil überall die Kältewellen fluten.

Da brechen Äste im Tagesverlauf,
Auch anderswo knacken schon Zweige.
Das kleine Bäumchen nimmt alles in Kauf,
Es geht zum Boden hin bis fast zur Neige.

Doch es bricht nicht, wird damit stark
Und lebt groß in das Jahr hinein:
Es leidet still, bleibt dauerhaft autark,
Wird dadurch größer, will am Leben sein.


©Hans Hartmut Karg
2021

*

Dr. Karg
Newbie
Beiträge: 0
Registriert: So 17. Jul 2011, 08:46
Geschlecht: männlich

Das Regiment neuerlicher Mundrede

Beitrag von Dr. Karg »


Das Regiment neuerlicher Mundrede

Tiefgründig bleibt die Sprache als ihr wahrer Schatz,
Wenn man sie nicht in Regelwerken zementiert.
Dabei ist und bleibt sie ungeeignet für die Hatz,
Weil dadurch nur Kriege herbeigeführt.

Nichts sei mehr fest und alles schon im Handel,
Kein Rechtsstück darf in Sicherheiten waten,
Wenn freiheitlich Mundrede fließt und doch im Wandel
Beweglichkeit verlangt – für immer neue Taten.

Hat früher man noch reichlich diskutiert,
Besteht heute das Viele oft aus Machen.
Scheinbar ist dabei alles zielgeführt –
Sogar ständiges Witzeln und das Lachen.

Der Siegeszug der neuen Mündlichkeit
Lässt plauderhaft die Menschen reden.
Es geht dabei nicht mehr um Gründlichkeit,
Sondern um Mundrede, frei in unseren Läden.

Die Lust am Fabulieren öffnet diese Welt,
Egal, ob dabei Horizonte sinnlich wanken:
Auf Dauer ist Mundrede eingestellt,
Öffentlich muss niemand sich dafür bedanken.

Man grüßt und fragt dann wieder umso mehr,
Ein jeder weiß fast immer schon von jedem alles.
So haben es gar manche Zeitgenossen schwer
Mit ihren Regeln – Opfer ihres Widerhalles?

Treibt da die Lust hinaus dann die Entfremdung,
Mit der das Schreiben und das Lesen oft belastet,
Wenn Mundrede als Regiment kommt in Anwendung,
Weil niemand mehr mit Normwerken ausrastet?


©Hans Hartmut Karg
2021

*

Dr. Karg
Newbie
Beiträge: 0
Registriert: So 17. Jul 2011, 08:46
Geschlecht: männlich

Liebeshoffen

Beitrag von Dr. Karg »


Liebeshoffen

Die klirrende Kälte hält uns doch fest,
Zerrt an allen Lebensreserven,
Weil sie uns nicht mehr ausgehen lässt,
Um die Virusgefahr abzuwerfen.

Da wart' ich im Haus auf Dein Lächeln,
Bin immer noch ein wenig Kind,
Dem Musen den Trost zufächeln,
Weil die Augen schon manchmal blind.

Ich ersehne getrost die Deinen,
Denen ich alles Glück zutrau',
Wenn sie sich mit meinen vereinen,
Denn die Welt ist heute so rau.

Das Liebeshoffen: Ich will Dich
Verschlingen, in Ewigkeit haben,
Denn Dein wärmender Blick reizt mich,
Du hast beste frauliche Gaben.

Da gibt's alles, wo es sein muss
Und was mein Händchen gern findet:
Berührungen begleitet Dein Kuss,
Der noch fester mich an Dich bindet.

Alles ist dann so wie schon immer:
Der Lebenslust folgt Zärtlichkeit.
Selbst wenn morgendlich kalter Schimmer
Sind zum Liebhaben wir selig bereit.


©Hans Hartmut Karg
2021

*

Dr. Karg
Newbie
Beiträge: 0
Registriert: So 17. Jul 2011, 08:46
Geschlecht: männlich

Winteränderung

Beitrag von Dr. Karg »


Winteränderung

Feiner Schneestaub in der Kälte
Prägte die Erinnerungsbilder,
Dass sich bald die Sonne melde
Und die Lande zeichnet milder,
Um trotz Flockentanzen mir
Eine andere Welt zu künden,
Weil ich schon seit Tagen spür:
Wärmere Luft wird sich einfinden.

So trägt sich des Winters Weite
Gern hinein in unsere Herzen:
Doch wenn Dauer er verbreite,
Spür' ich öfter Rückenschmerzen.
Wo sehr groß wird diese Last,
Wird die Frühlingshoffnung wach,
Denn schon mit der ersten Rast
Zwitschern Vögel her vom Dach.

Und die Sonne, sie wird stärker,
Leckt die Restschneeflächen auf,
Nimmt mir so den Winterärger
Und begrünt den Lebenslauf:
Endlich kann ich zu den Beeten,
Komposterde auszubringen,
Womit Bäume alles hätten,
Sich zum Blühen selbst zu bringen.


©Hans Hartmut Karg
2021

*

Dr. Karg
Newbie
Beiträge: 0
Registriert: So 17. Jul 2011, 08:46
Geschlecht: männlich

Neugierde und Vielfalt

Beitrag von Dr. Karg »


Neugierde und Vielfalt

Die Vielfalt ist doch grenzenlos,
nur die Unendlichkeit entgrenzt.
Und doch wollen die Augen suchen
nach Haltepunkten in der Welt,
mit denen sie Vertraulichkeit
in echtem Leben bei Dir findet.

Die Eindimensionalität – sie langweilt,
denn unserer Neugierde entbietet sie
ja gar nichts Neues, Attraktives,
wo in jenem Erwartungsrahmen
das Altbekannte ausgemessen –
im Wiederholen nur gestrickt.

Menschensehnen lebenslang
will die Vertrautheit fürs Gemüt,
eingedenk des Seelenstandes,
dass das Verzetteln Hektik treibt,
während die Vielfalt weiterführt
und unsere Neugierde befriedet.


©Hans Hartmut Karg
2021

*

Dr. Karg
Newbie
Beiträge: 0
Registriert: So 17. Jul 2011, 08:46
Geschlecht: männlich

Dem jung gebliebenen Wesen

Beitrag von Dr. Karg »


Dem jung gebliebenen Wesen

Es ist Dein jung gebliebenes Wesen,
Das mir die Jahre reicher macht:
In Deinen Augen darf ich lesen,
Dass Sonne folgt der dunklen Nacht.

Ich weiß nicht, was ich ohn' Dich wär'
Und was ich ohne Dich wohl täte,
Wenn manche Tage fallen schwer
Mir aufs Gemüt – auch in Gebete...

Da seh' ich dann zu Dir gern hin,
Wie Du geschickt damit beschäftigt,
Was lebenssichernd mit viel Sinn
Der Tagesfreude sich bemächtigt.

Dann steht auch meine Seele auf,
Sieht Dich als ihren Rettungsreifen,
Zu dem sich beugt mein Lebenslauf
Und meine Augen können greifen.

Angstfrei gelebt und ohne Scheu
Vertreibst Du mir die Tagesgrillen.
So wächst mein Sehnen immer neu,
Denn Du hast einen starken Willen.


©Hans Hartmut Karg
2021

*

Dr. Karg
Newbie
Beiträge: 0
Registriert: So 17. Jul 2011, 08:46
Geschlecht: männlich

Kuddelmuddel

Beitrag von Dr. Karg »


Kuddelmuddel

Es ist ja leicht daher gesagt:
„Mein Lebensabschnittspartner
Hat für mich Zuneigung gewagt,
Er bleibt mein Lieblingspartner!

Auf Patchwork stand er immer schon,
Hat dafür viel riskiert,
Geflogen ist dadurch sein Sohn,
Der fern sein Leben führt.

Alles ist nun durchorganisiert,
Sie ist schon mal beim Ex,
Wenn Lust noch Neugierde verspürt,
Es geht ja auch um Sex.

Mitunter kommt dann durcheinand',
Was schwer zu planen ist,
Doch bleibt er für sie interessant,
Weil Du schon weiter bist...

In dem ganzen Durcheinander
Steckt vielleicht die Überzeugung,
Dass glücklich nur im Leben wander',
Wer ablehnt jegliche Frustbeugung.


©Hans Hartmut Karg
2021

*

Dr. Karg
Newbie
Beiträge: 0
Registriert: So 17. Jul 2011, 08:46
Geschlecht: männlich

Staub aus der Sahara

Beitrag von Dr. Karg »


Staub aus der Sahara

Alle Fenster sind gelb-braun,
Der ganze Himmel unterlaufen:
Briefkästen säubern manche Frau'n,
Staublappen muss man sich ständig kaufen.

Wieder einmal kommt der Staubsand,
Überflutet Wälder, Wiesen,
Erobert unser schönes Land,
Da hilft uns auch kein Beten, Gießen.

Immer länger sind die Stunden,
An denen der Feinstaub herfliegt,
Will den Erdkreis gar umrunden,
Damit Trockenheit jetzt siegt.

Module schruppen Wolken weg,
Können Widerstand nicht bieten.
Ist für uns das nicht Beleg,
Dass Urkräfte wieder wüten?

Sind das nicht auch Gottesstrafen
Wenn zu viele Menschenkinder
Aus dem Erdreich Wasser raffen
Wo kein Leben und kein Winter?


©Hans Hartmut Karg
2021

*

Dr. Karg
Newbie
Beiträge: 0
Registriert: So 17. Jul 2011, 08:46
Geschlecht: männlich

Muttis Zeitalter

Beitrag von Dr. Karg »


Muttis Zeitalter

Als die Mutti uns noch beherrschte,
Gab's leider schon Pandemien.
Erst als sie recht belastet herrschte,
Kamen auf neue Phantasien.

Sind's denn nicht noch einmal Jahre,
In denen uns Mutti regiert,
Damit Deutschland man so bewahre
Vor Zukunft, in der nicht geführt?

Zentrifugal sind jetzt manche Kräfte,
Die nur mit Reden aufwarten:
Volksherrschaft braucht auch Gehefte,
Um mit neuen Taten zu starten.

Über allem thront jene Frau
Mit dem Symbol geduldiger Raute:
Sie kennt ihr Geschäft genau,
Ist gegen Regierungsflaute.

Deutschland kommt nur in die Gänge,
Wenn es überzeugend bleibt,
Auflöst die alten Zwänge
Und wieder Erfolge schreibt.


©Hans Hartmut Karg
2021

*

Dr. Karg
Newbie
Beiträge: 0
Registriert: So 17. Jul 2011, 08:46
Geschlecht: männlich

Märzwelt

Beitrag von Dr. Karg »


Märzwelt

Der Bauer den Traktor endlich anspannt,
Fast hätte die Zeit ihn überrannt,
Denn Rösslein hat er schon lange nicht mehr,
Deshalb holt er die neueste Maschine her.

Endlich ist das Erdreich abgetaut,
So dass man sich mit dem Trecker hintraut,
Wo sonst alles absinkt, wenn es so nass
Und nicht einmal wächst das nötige Gras.

Wenn der Traktor dann endlich rattert und stinkt,
Weil nun die Wärme den Landwirten winkt,
Hört den Trecker man laut im Morgenschein,
So sind die Wildtiere nicht mehr allein.

Die suchen nicht mehr die Nähe zum Bauern,
Lärm und Gestankt lässt sie nur trauern,
So dass sie rasch in die Wälder flüchten,
Während Landwirte ihre Felder herrichten.

Die Rösslein sind nun im Wald beim Rücken,
Da kann Vogelzwitschern den Bauern entzücken,
Wenn er mit Kaltblütern die Stämme herzieht
Sich noch ein wenig um Nachhaltigkeit müht.


©Hans Hartmut Karg
2021

*

Dr. Karg
Newbie
Beiträge: 0
Registriert: So 17. Jul 2011, 08:46
Geschlecht: männlich

Reminiszenz an B. B.

Beitrag von Dr. Karg »


Reminiszenz an B. B.

Marx gab uns das Wort der Entfremdung:
Vom Arbeitsprozess abgekoppelt zu sein,
Permanente Heimatlosigkeit als Entwendung
Des Arbeiters, in schwerer Arbeitswelt allein.

B. B. brachte das Wort von der Verfremdung,
Mit dem er das Theater revolutionieren wollte,
Weil er das Elend sah, die Leidverschwendung
Dort, wo der Armut man keine Blicke mehr zollte.

Doch sind wir nicht allesamt Fremdlinge,
Gefangen in Illusionen der Heimatbindung,
Womit uns sporadisch doch so wenig gelinge –
Der Lebenslauf zu unserer Eigenfindung?

Falsch wär's, Fremdheit zu ignorieren,
Dazu ist sie in dieser Welt zu präsent.
Können wir denn noch Freiheit spüren,
Wenn man vergeblich gegen Feinde anrennt?

Gar manches ist ins Sein eingewoben,
Was unseren Sinnen so ganz abhold,
Wo sich die Perspektiven verschoben,
Der Tod bei uns sich Terrain weiter holt.

Im Sein steckt auch ohne Sinn Entfremdung
Und ohne Not ist sie immer schon da.
Selbst im Theater zeigt die Verfremdung:
Das Fremde als Dauergast bleibt uns ja nah.


©Hans Hartmut Karg
2021

*

Dr. Karg
Newbie
Beiträge: 0
Registriert: So 17. Jul 2011, 08:46
Geschlecht: männlich

Delft und Meißen

Beitrag von Dr. Karg »


Delft und Meißen

Die Farbe Blau leuchtet da aus dem Bild
Und prägt den Augensinn mir freundlich, mild,
Wenn wir uns an die Kaffeezeit erinnern,
Vergangene Bilder blass durchschimmern.

Wie war das doch zu unserer Kinderzeit?
Am Sonntag waren zur Feier wir bereit,
An der ein Kaffeeduft uns fein umwehte,
Der eigene Kuchen dastand ohne Nöte.

Einfach waren damals die Tassen,
Konnten sich auf Ansprüche einlassen,
Teurer zu sein, als sie ja wirklich waren,
Vorfahren hatten da noch sehr zu sparen.

Sie hatten wenig, doch das war sehr viel:
Sie hatten Blaugeschirr – und das mit Stil!
Zwar lagen Delft und Meißen ihnen fern,
Doch Imitationen – die hatte man gern.

So wurde jede Tafel reicher Schmaus,
Man ging spazieren, in die Flur hinaus,
Freute sich, wenn Verwandte kamen,
Sich auch ein Stück vom Kuchen nahmen.

Verwandte, die sind heute oft recht fern,
Man hat inzwischen das Herumreisen so gern,
Kann niemanden am Sonntag mehr verführen,
Weil die Beziehungen mitunter erodieren...


©Hans Hartmut Karg
2021

*

Dr. Karg
Newbie
Beiträge: 0
Registriert: So 17. Jul 2011, 08:46
Geschlecht: männlich

Hegemonien

Beitrag von Dr. Karg »

Hegemonien

Welt ohne Vorherrschaftsgelüste?
Das hat es noch niemals gegeben.

Wird Anpassungsdruck übersehen,
bleibt der Überlebenswille ausgesetzt.

Schon in den alten Reichen vorhanden:
Die Bedingungen werden zu Möglichkeiten,
die Möglichkeiten werden zu Bedingungen,
denn es geht dabei immer auch um die Macht.

So werden hinausgeschoben
die eigenen Ansprüche in die weite Welt,
manchmal nur scheinbar etwas zurückgenommen,
um sich dann in aller Herrschaftsanmaßung alles zu holen.

Die Bedingungen sind zunächst nichts weiter als Dunstfelder:
Freude und Nichtfreude,
Freiheit und Zwang,
Glück und Leid,
Frieden und Krieg,
Sympatien und Antipathien,
Gefühlswelt und Vernunftwelt.

Die Möglichkeiten bleiben scheinbar Außenwelten:
Erde kann Dir Fruchtbarkeit oder Vergiftung bedeuten,
Luft vermag auffrischenden Wind oder die Erstickung auszulösen,
Wasser kann Durst löschen oder als Mangel Durst erzeugen,
Feuer würde Dich wärmen – oder Dich verbrennen.


©Hans Hartmut Karg
2021

*

Dr. Karg
Newbie
Beiträge: 0
Registriert: So 17. Jul 2011, 08:46
Geschlecht: männlich

Wer Dich mag

Beitrag von Dr. Karg »


WER DICH MAG

Wer Dich mag,
der wird Dich auch mögen,
wenn Du einen Salto schlägst.

Wer Dich nicht mag,
der wird Dich auch dann nicht mögen,
wenn Du einen Salto schlägst.


©Hans Hartmut Karg
2021

*

Dr. Karg
Newbie
Beiträge: 0
Registriert: So 17. Jul 2011, 08:46
Geschlecht: männlich

Fastenzeit

Beitrag von Dr. Karg »


Fastenzeit

Ein wenig fasten tut uns gut,
Denn es gibt neuen Lebensmut,
Wenn man nicht lebt im Einerlei,
Versackt in seiner Völlerei.

Vielleicht hilft uns die Pandemie
Und zwingt das Schlemmen in die Knie,
Wenn am Körper das Übergewicht
Uns sagt: Iss ja den Zucker nicht!

Manche werden ein wenig frei,
Wenn abseh'n sie vom Vielerlei,
Welches das Leben uns erschwert,
Wo nur noch Essen gilt als Wert.


©Hans Hartmut Karg
2021

*

Antworten