Dr. Karg Gedichte / Teil 2

Moderator: Phönix

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Dr. Karg
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Ich bin nicht da!

Beitrag von Dr. Karg »

Ich bin nicht da!

©Hans Hartmut Karg
2013

Die vielen Freundinnen und die Termine,
Die stressten unsere Enkelin nun doch erheblich.
Sie war so gern für sich und brauchte ihre Sinne
Für Eigenwilliges, da waren ihr Besuche unausstehlich.

Als es dann noch die kleinen Katzenkinder gab,
Kamen am Nachmittag die vielen Nachbarkinder.
Die brachten meine Enkelin so vollkommen auf Trab,
Dass der Termindruck wurde stärker, nicht gelinder.

Und eines Tages war es endlich dann soweit:
Fünf Nachbarkinder standen in der Türe
Und machten sich im Flur einheimisch breit,
Damit die Enkelin die Jungkatzen vorführe.

Die Mama lud die Dämchen ein,
Ins neue Haus herein zu kommen,
Denn jeder durfte bei ihr immer rein,
Niemandem war die Offenheit genommen.

Das wurde unserer Enkelin schließlich zu viel
Und sie schrie laut hinunter zu Mama,
Vergaß dabei Diplomatie und guten Stil:
„Ich will jetzt niemand sehn! Ich bin nicht da!!!“

*

Dr. Karg
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Kreiselnde Hormone

Beitrag von Dr. Karg »

Kreiselnde Hormone

©Hans Hartmut Karg
2013

Manchmal stimmen die Hormone nicht,
Doch leider haben sie ein groß´ Gewicht.
Sie jagen uns den ganzen lieben Tag
Und treiben uns zu Freuden – und zur Klag´.

Hormone steuern unser vielfältiges Leben,
Um der Vernunft viel Fersengeld zu geben,
Verführen uns zu tollsten Neckereien,
Bewegen unsere tiefsten Eitelkeiten.

Vergiss´ nicht die Begrenzbarkeit von Hormonen,
Führen sie Dich in Abhängigkeitszonen.
Verstärken sie nicht Deinen Freiheitslauf,
Dann halte ein und halte sie ja auf.

Deshalb lass´ den Verstand schließlich das filtern,
Was fördern würde schlimmes Seinsverwildern.
Kein Mensch sollte abhängig dieses Dasein führen,
Bei dem die Gänse nur den Wolf leidend erspüren.

*

Dr. Karg
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Der Markt korrumpiert

Beitrag von Dr. Karg »

Der Markt korrumpiert

©Hans Hartmut Karg
2013

Gib´ einem Schweinehirt 200 Euro,
Damit aus seiner Herde er ein Tier tötet.
Er wird es zu vermeiden suchen.

Gib´ ihm 200 Euro auf die Hand,
Wenn er ein fremdes Tier selbst töten soll.
Er wird auch dies zu umgehen wissen.

Richte ein Schlachthaus ein
Und gib´ jedem, der tötet, 10 Euro.
Da werden einige sein, die das verrichten.

Gib´ einem Schweinehirt dasselbe Geld,
Damit er in die Mastanlage investiert.
Er wird mit anderen damit beginnen.

Gib´ einem Schweinehirt und vielen anderen
Das Geld, damit sie Schweineaktien kaufen.
Sie werden dort ihr ganzes Geld anlegen.

Je ferner das Marktgeschehen, desto ethikfreier wird es,
Desto inhumaner, funktionaler und umweltschädlicher –
Und desto destruktiver werden Botschaften an die Moral.

*

Dr. Karg
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Moralisten

Beitrag von Dr. Karg »

Moralisten

©Hans Hartmut Karg
2013

Und die Moral von der Geschicht´:
Trau´ keinem Moralisten nicht,
Denn wer so laut als Sauermann,
Der hat manch´ Unrecht leicht getan.

Schlimm bleiben dann die schönen Reden
Von anderer Schuld und schlimmen Schäden,
Wenn man gar selber mit dabei
Und der Betrug nie Zauberei.

Man muss Moralos daran hindern,
Dass sie bei Weißwäsch´ überwintern,
Ihr Eigenes nicht offenlegen,
Nach außen hin von Reinheit reden.

Doch Menschenjagd darf niemals sein,
Denn die schlägt Selbstwert kurz und klein,
Brandmarkt den Menschen als Verbrecher
Und fördert Selbstmorde – und Rächer…

*

Dr. Karg
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Dein Bild lebt

Beitrag von Dr. Karg »

Dein Bild lebt

(c) Hans Hartmut Karg
2013

Wenn alle Märchenaugen
Nur suchen Deinen Mund
Und wenn, wie Gottesaugen,
Sie rotlaufen und rund,
Dann weiß ich Dich geborgen
In unserer Beziehung
Und muss mich nicht mehr sorgen
Um unsere Bemühung.
Zuletzt geändert von Dr. Karg am Sa 25. Mai 2013, 08:21, insgesamt 2-mal geändert.

Dr. Karg
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Roman oder Novelle?

Beitrag von Dr. Karg »

Roman oder Novelle?

©Hans Hartmut Karg
2013

Ich weiß nicht, wie es andern geht,
Doch lese ich nicht gern Romane,
Weil dort alles in Breite steht,
Geschrieben oft von Egomanen.

Doch auch Novellen sind zu lang,
Da hab´ ich leider keinen Nerv.
Sie sind zwar dichter, doch der Strang
Verlangt, dass man sich unterwerf´.

Da lob ich mir die Dichterfreunde,
Die mir im Netz Freude bereiten,
Weil doch die Kürze dort aufräumte,
Wo ich sonst Zeitnot müsste leiden.

Denn: „In der Kürze liegt die Würze“,
Das wussten schon die alten Dichter,
Die, nur bekleidet mit ´ner Schürze,
Lieber malten Sonnengesichter.

Gedichte sind ja so bequem,
Gelesen heut´ zu jeder Zeit.
Man liest sie manchmal auch im Gehn
Und rettet so die Zeithoheit.

*

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Maikühle

Beitrag von Dr. Karg »

Maikühle

©Hans Hartmut Karg
2013

Wenn wieder der Riesenmond
Gelbfrierend am Himmel erscheint
Und in der Maienkälte sich sonnt,
Weil die Sonne nicht wärmend scheint,

Bleibt unser Mai ein Kaltmonat
Mit Regen und frostiger Frische.
Iss´ deshalb im Warmen den Donat,
Bitte Freunde zu Dir zu Tische.

Denn ein Maien, der kalt,
Belebt Fluren und Blätter,
Aufatmet der Wald,
Es frieren nur Städter.

Das Jahr profitiert vom kühlen Mai,
Denn er durchfeuchtet Äcker und Wiesen,
Treibt höher die Stängel der Akelei
Und das Gemüse braucht niemand zu gießen.

Man muss den Wettergott nicht beschwören,
Früchte an Bäumen nehmen erste Gestalt,
Die Sonne kann keine Jungpflanzen stören
Und den Schnecken bleibt es viel zu kalt.

So hat die Kühle im Mai auch ihr Gutes:
Schädlinge bleiben in der Erde verborgen.
Da wird mancher Gärtner guten Mutes,
Denn er hat jetzt immerhin weniger Sorgen.

*

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Joshua

Beitrag von Dr. Karg »

Joshua

©Hans Hartmut Karg
2013

GOTT SPRACH ZU JOSHUA:

„Lass´ Dir nicht grauen
Und entsetze Dich nicht.
Es bleibt Deinem Gericht,
Erfolge zu schauen.

Du wirst immer schon in der Nachfolge stehen,
Wie wir alle in Abrahams Fußstapfen treten.
Brich´ auf und vergiss´ dabei nicht das Beten,
Denn Du willst aus fremdem Ägypten gehen.

Lass´ Dir nicht grauen,
Geh´ angstfrei ins Leben,
Dann werd´ ich Dich heben,
Städte mit Dir bauen.“

*
Zuletzt geändert von Dr. Karg am Di 28. Mai 2013, 10:16, insgesamt 1-mal geändert.

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Mein Freund ist tot

Beitrag von Dr. Karg »

Mein Freund ist tot

©Hans Hartmut Karg
2013

Wer führt mich noch zum Wasserbrunnen,
Dort, wo die vielen Lebensträume?
Wer hat in Trauer je besungen
Den, der öffnete Seelenräume?

Du warst mein Teil für immerdar
Und jetzt steht nur die Totenklage:
Mein Freund, ach, der doch ewig war
Ist nun enthaust und ferne Sage.

Er ist nicht mehr, der mich so ehrte,
Es gibt keinen, der mit mir redet,
Der stramm die Feinde mir abwehrte
Und der entäußernd bei mir betet.

Ja, Freund, so rauben uns die Zeiten
Den Atem, angelegt im Sterben.
Die Botschaft kannst Du gern verbreiten:
Der Tod verursacht Dauerscherben.

Er löst Beziehungen und Bindung,
Treibt die Gemeinschaft auseinander,
Verursacht Schmerz – und neue Findung,
Führt neues Leben zueinander.

*

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Sei

Beitrag von Dr. Karg »

Sei

©Hans Hartmut Karg
2013

Bleib´ meine stete große Kühle –
Und Wärme, denn ich brauche Dich.
Fass´ mich gern an in dem Gefühle,
Dass Du bist nahe meinem Ich.

Dann bin ich Teil und Du mein Leib,
Da soll sich weiter nichts mehr ändern.
Deshalb bleib´ ich, wenn ich Dir schreib´,
In Umständen, die sich verändern.

Sei meine Liebe, meine Sonne,
Mir fern und doch mir immer nah.
Das ist des Lebens höchste Krone:
Zusammensein und immer da.

*

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Ritualwirkungen

Beitrag von Dr. Karg »

Ritualwirkungen

©Hans Hartmut Karg
2013

Gehören sie denn zur humanen Religion:
Das Rosenbeten und lange Wallfahrten?
Ist das nicht Zwang und Obsession,
Auf welche nur die Kirchenführer warten?

Der Zölibat als Engagementfreischaltung
Für das priesterliche Dienen –
Das gibt es erst seit Elena als Pflichtenhaltung
Für alle Priesterarbeit und verzichtend´ Sühnen.

Fällt nicht in Wirklichkeit durch vorgeschriebene Reinheit
Besitz zurück auf diese Kirchenmacht als Institution?
Wird nicht die Triebversündigung durch Keuschheit
Klar gestoppt – und ist das noch im Sinn des Gottessohn?

Und dann die vielen, vielen Prozessionen,
Die an Fronleichnam unsere Fluren decken:
Wird sich das Beten in Gemeinschaft lohnen,
Wenn Frauen in den Wirtschaften die Tische decken?

Helfen die Prozessionen irgendeinem Armen,
Sind Pilgerreisen nicht Egomanien?
Haben die Pilger von Santiago denn konkret Erbarmen
Mit jenen, die an einem Abgrund knien?

Ist denn die Prozession mehr als ein Ritual,
Bei dem erkannt wird, wer dabei und wer doch nicht?
Führt man Absente nicht gebrandmarkt an den Pfahl
Der Schande – hin zu politisch-religiösem Hochgericht?

*

Dr. Karg
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Fällt ein Ball

Beitrag von Dr. Karg »

Fällt ein Ball

©Hans Hartmut Karg
2013

Fällt ein Ball in Deinen Garten,
Musst Du Kinder manchmal schelten,
Denn sie werden darauf warten,
Dass die Normen etwas gelten.

Alte muss man provozieren,
Jugend hat viel Spaß daran,
Hat noch keine Feinmanieren,
Coolness bricht sich seine Bahn.

Wer die Kinder nicht begreift,
Weil er nur noch Blumen züchtet,
Der ist leider nicht gereift,
Wenn er über Jugend richtet.

Kinder dürfen ja nicht alles,
Anpassung heißt die Zauberformel,
Damit dann im Fall des Falles
Mehr wird, als nur Scheingenormel.

Kinder haben tausend Gründe,
Wachsend in die Welt zu streben:
Energie braucht eine Pfründe,
Um sich künftig einzuleben.

Da in den Familien
Oft nicht viel gesprochen wird,
Lernt man bei den Lilien,
Wo der Nachbar noch der Hirt.

Fällt ein Ball in Deinen Garten,
Führe ja Kindergespräche,
Welche sie von Dir erwarten,
Damit sich kein Unmut räche.

Kinder brauchen Grenzbeschwerden,
Wenn die Welt schon grenzenlos,
Denn nur frei können sie werden,
Wo nicht alles kinderlos.

*

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Blickkontakt

Beitrag von Dr. Karg »

Blickkontakt

©Hans Hartmut Karg
2013

Wenn Du mir die Zähne zeigst,
Weiß ich, dass ein Lächeln folgt.
Wenn den Mund Du zu mir neigst,
Sehe ich Dein Lebensgold.

Die
Bilder
halten
uns
im
Leben.

Du bist meines Schrittes Fährte
Und Begleitung meiner Räume.
So bleib´ ich Lebensgefährte:
Öffne mir verborgene Träume!

*

Dr. Karg
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Merkwürdiges

Beitrag von Dr. Karg »

Merkwürdiges

©Hans Hartmut Karg
2013

Ja, abergläubisch bin ich nicht:
Ich mag die Esoterik nicht,
Denn so bleibt mir die freie Sicht
Aufs Meer und auf Dein Liebgesicht.

Doch manchmal gibt es Fälle,
Die mir doch Unerklärlichkeiten,
So dass ich nicht mehr auf die Schnelle
Auf der Vernunft kann sicher reiten.

Die Eltern ehelichten damals
Am 1. Juni standesamtlich,
Und wie es üblich Brauch vormals
Im Gottesdienste kirchenamtlich.

Nun, beide starben Anfang Juni
Wenn auch zehn Jahre auseinander.
So wurde denn der Monat Juni
Zum Schicksalsmonat füreinander.

Das sind für mich dann Zufälle,
Die zufällig nun doch nicht sind.
Das Dunkle überdeckt das Helle,
Trägt in sich mystisch-fernen Wind.

*

Dr. Karg
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Der Angeber

Beitrag von Dr. Karg »

Der Angeber

©Hans Hartmut Karg
2013

Immer wenn er zu uns kam,
Musste er von sich erzählen,
Und er alles an sich nahm,
Was an Zugriff konnte zählen.

Wo er hinflog, was geleistet,
Das war für ihn Eigenlob.
Alle Länder, die bereist er,
Waren immer toll und groß.

Dass er Umwelt ruinierte,
Weil er Kohlewerke baute,
Er zum Brande animierte
Und nur auf die Börse schaute,

Das war ihm doch ganz egal.
Ihm ging es um Geld und Ruhm,
Macht war seine erste Wahl,
Andere hielt er nur für dumm.

Er hat sich Respekt erworben,
Wo man Flug und Geld bezahlt.
Wie viel Menschen da gestorben –
Das war kein Bild, das er malt.

Professor blieb er – und Angeber
Dieses ganze Leben lang.
Er blieb eigener Egostreber,
Niemand ihn zur Ethik zwang.

*

Dr. Karg
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Götterschicksal

Beitrag von Dr. Karg »

Götterschicksal

©Hans Hartmut Karg
2013

Dein Schöpfertum gönnt man Dir nicht,
Du Gottheit der stillenden Meere.
Es gibt da immer schon einen Wicht,
Der permanent Dich entehre.

Das müssen Götter wohl nicht ertragen:
Das Schlechtreden ihre guten Taten,
Dass bereits in den ersten Frühlingstagen
Die Ungeister wollen zum Sturze raten.

Lass Dich, o Gott, niemals irritieren,
Denn Wichte müssen zur Machtlust neigen.
Sie haben doch nichts, als schlechte Manieren,
Mit denen sie nur ihre Selbstsucht zeigen.

*

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Als meine Liebste kam

Beitrag von Dr. Karg »

Als meine Liebste kam.

©Hans Hartmut Karg
2013

Als ich sie traf, war alles grau:
Die Häuser, Dächer, Bäume.
Auf einmal sorgte eine Frau
Für helle, weite Räume.

Die langen, schmalen Finger,
Der Hals, das Haar, der Busen:
Ach, nichts war mir daran geringer
Und alles dient´ dem Schmusen.

Sehr lang und schlank kam sie daher,
Die Augenwinkel voller Lachen.
Da liebt´ ich sie nur noch viel mehr –
Verschwunden alle Drachen!

Denn alles, was sie angefasst,
Trägt einen goldenen Glanz.
Alles wird gut, nichts bleibt verhasst:
Die Welt trägt Blumenkranz.

Und alles, was ab jetzt passiert,
Ist sehnsuchtsvoll gewunden.
Da gibt es nichts, das noch geniert:
Frei schwebend, nichts geschunden!

Die dunklen Haare, lang und voll,
Der Körper kerzengerade:
Mit ihr wird alles nur noch toll,
Wie schön, dass ich sie habe!

*

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Das Mandelbäumchen

Beitrag von Dr. Karg »

Das Mandelbäumchen

©Hans Hartmut Karg
2013

Ein Mandelbäumchen als Geschenk
Bekamen wir zum Hauseinzug.
Die Botschaft klar: „O Mann, bedenk´
Wie Dich die Liebe hierher trug!“

Brav blüht in Rosa unser Baum
Im ersten Jahr – wie unsere Liebe,
So zart, so rein, leicht fühlt man´s kaum:
Ach, wenn die Jugend nur so bliebe…!

Im zweiten Jahr – ich rieb die Augen –,
Da blühte unser Bäumchen weiß!
Wir konnten es für uns kaum glauben:
Die Unterlage kam, das Reiß!

Im Sommer hingen rosa Pflaumen
Und fielen in der größten Hitze.
Das Mandelbäumchen zeigte Launen:
Es machte, glaub´ ich, seine Witze!

Die Pflaumen konnte man nicht essen,
Nicht einwecken, nicht marmeladen.
Auch schmeckt´ der Saft, den wir da pressten,
So eklig – man will uns verladen!

Als nichts mehr half, wurde vergoren,
Die Maische dann zu Schnaps gebrannt.
Die Blüte war jetzt ganz verloren,
Man hat sie aus dem Kopf verbannt!

Und dann, o Wunder, welch ein Tropfen,
Ein Pflaumenschnaps – mitten in Franken!
Der brachte mehr als Malz und Hopfen,
Wir mussten unserm Bäumchen danken!

Auch wenn es hie und da nicht trägt
Ist dieser Pflaumenschnaps famos.
Der Baum, selbst wenn er ungepflegt,
Entwickelt seinen Geist ganz groß.

Durch Lagerung wird er noch besser,
Und wenn die Grippewelle rollt,
Rettet das Hochprozentgewässer
Uns rasch, weil sich der Virus trollt.

So trinken wir vom Mandelbäumchen
Ein Zwetschenwasser erster Güte.
Es hilft uns nach bei manchen Träumchen,
Wenn unscheinbar auch seine Blüte.

*



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Ein guter Mann

Beitrag von Dr. Karg »

Ein guter Mann.

©Hans Hartmut Karg
2013

Er lebte keine Träume,
Das war niemals sein Ding.
Er baute in die Räume
So manchen Lampenring.

Er war ein guter Mann,
Handwerklich sehr begabt,
Der reparieren kann,
Was andere vertagt.

In mancher Not half er gern aus
Und gab den Schwachen Mut.
Mit Arbeitern ging er oft aus,
Die fühlten sich dann gut.

So ging er nach der Arbeit trinken
Mit Freunden und Kumpanen.
Da konnte man versumpfen, sinken,
Vergessen alle Ahnen:

Da diese Welt so leidenswert,
Man sich bedauern kann.
Sie war für ihn total entehrt,
Liebte ihn nicht, den guten Mann.
.
Die Frau, die er so sehr geliebt,
Die hatte drei der besten Brüder:
Vom Schicksal wurde da gesiebt
Das packte ihn schon rüder.

Er fühlte sich als Underdog,
Wenn sie bei ihm da waren
Und man ihm in die Tasche log,
Dass man ihn liebt´ in Scharen.

Er fühlt´ sich auf den Arm genommen,
Als unterster der Hierarchie.
Er sah sich niemals angenommen –
Ganz als Prolet und Vieh.

Er fühlte sich nicht sehr geliebt,
Nicht ehrlich aufgehoben.
So ist er selten heimgekommen
Und wartete auf Droben.

Hienieden war es, wo der darb,
Ständig in Leidentblößung.
Als er dann still und heimlich starb
War es für ihn Erlösung.

*



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Die letzte Reise

Beitrag von Dr. Karg »

Die letzte Reise

©Hans Hartmut Karg
2013

Nicht mehr Winde, Sonne spüren
Keine Sterne, Himmel sehen:
Wenn uns Todesengel führen,
Gilt nur noch das leise Gehen.

Welche Winde Flügel tragen –
Woran wohl mein Seelchen hängt?
Hör´ nie Antwort, muss doch fragen,
Ob man mich mit Namen nennt?

Nicht mag ich die letzte Reise,
Denn ohn´ Umkehr muss ich gehen,
Schwinde rasch und bin ganz leise,
Kann nicht schauen und nicht sehen.

Dürfen Flügel sich ausbreiten,
Darf ich Hoffnung noch erfahren?
Werden Winde mich begleiten
In den dunklen Seelenjahren?

*

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