Dr. Karg Gedichte / Teil 2

Moderator: Phönix

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Dr. Karg
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Lasst sie wieder heiraten!

Beitrag von Dr. Karg »


Lasst sie wieder heiraten!

Immer wieder die Übergriffe,
Immer wieder der Missbrauch!
Womit man den Mannestrieb umschiffe?
Sind Normen denn nur Schall und Rauch?

Keuschheit hat Jesus nie verlangt,
Auch keinen Zölibat für Jünger.
Diese haben ihm auch dafür gedankt,
Wurden Glaubensüberbringer.

Selbst Petrus hatte die Schwiegermutter,
Musste demnach verheiratet sein.
Im Korintherbrief übersetzte Luther:
Ehelosigkeit musste nirgendwo sein!

So konnten Priester der ersten Jahrzehnte
Heiraten und auch Kinder zeugen,
Niemand dahinter eine Sünde wähnte,
Die Lust musste keiner für sich verleugnen.

Was da an Liebe offenbar möglich war,
Als das Christentum noch sehr jung:
Die Priesterehen klappten wunderbar,
Brachten vorbildlich Gemeinden in Schwung.

Erst mit der Synode von Elvira
Verbot man Klerikern die Ehen,
Weil darin man nun den Teufel sah,
Im Kinderzeugen die Höllenwehen.

Warum nicht in menschlichem Lustverlangen,
Im Begehren wieder das Göttliche sehen?
Dann muss man doch nicht um Übergriffe bangen,
Wenn Priester zu ihren Frauen gehen.

Lasst die Priester wieder heiraten,
Dann wird mancher Missbrauch bald verschwinden.
Lässt diese Botschaft zur Konsistenz geraten,
Um damit das Böse zu überwinden.


©Hans Hartmut Karg
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Dr. Karg
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Schon höre ich suchende Kinderstimmen

Beitrag von Dr. Karg »


Schon höre ich suchende Kinderstimmen

Schon höre ich suchende Kinderstimmen
Und fleißig fliegen die ersten Immen,
Als hätte es nie einen Winter gegeben
Und immerzu nur den Sonnensegen.

Der Tag fängt mit vielen Strahlen an,
Damit wieder Wärme ins Leben kann.
Der Himmel hat ihm das längst geschenkt:
Ein frisches und freieres Würdehemd.

Langsam erwacht der Frühling auch hier,
Öffnet Lebenslust, wie es seine Manier
Und besiegt damit die letzten Eisfelder,
So leben auf unsere Äcker und Wälder.

Kinder spüren, dass das Leben nun fließt,
Wenn die Sonne wieder den Erdboden küsst
Und auch Erwachs'ne ein Lächeln sich geben,
Das Gemüt ihnen erwacht zu neuem Leben.


©Hans Hartmut Karg
2021

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Dr. Karg
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Die neue Frisur

Beitrag von Dr. Karg »


Die neue Frisur

Sie konnte jetzt nicht zum Frisör,
Die Ansteckung war viel zu groß.
Da holt' sie ihre Spangen her –
Und fühlte sich wie auf dem Schloss.

Die Haare waren ideal
Für Knoten und für lange Bänder.
Sie drehte ein, ihm war's egal,
Denn sie trug ja schöne Gewänder.

Tatsächlich schafft' sie den Spagat
Durch die Frisur sich zu verjüngen.
Sie braucht da keinen Profirat,
Am Spiegel sollt' es ihr gelingen.

Die dichten Haare, lang und fein
Ließen sich leicht hochstecken.
Jetzt kann sie wahre Schönheit sein,
Sie muss sich nicht verstecken.

So trat sie mit neuer Frisur
Nun auf und ward bewundert,
Denn dadurch wurde die Figur
Verschlankt – von ihm bewundert!


©Hans Hartmut Karg
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Dr. Karg
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"War's schön?"

Beitrag von Dr. Karg »


„War's schön?“

„War's schön?“ fragte der Herr
Und sie sagte zartleise: „Ja!“
Für ihn war sie immerzu da –
Zweisamkeit ohne Beschwer'.

Sie erspürte seine Bedürfnislage
Und kam ihm dazu entgegen,
Wurde dennoch verlegen,
Wenn spontan kam seine Frage:

„Wollen wir wieder mal Sterne ernten?“
Dann liefen ihre Wangen rot an,
Denn ohne Umschweife wusste der Mann,
Wie sie mitsammen die Tage besternten.

Inhäusig lebten sie, voller Bangen,
Wenn sie wieder Nachrichten schauten
Und sich innerlich Ängste aufbauten –
Doch gab es das stete Verlangen,

Mit dem Grautage sie überwanden,
Weil Liebe die Lebenslust zurück brachte,
Manches Mal mehr, als sie sich erdachte
In heimlichem Rückzug auf zärtliche Stunden...


©Hans Hartmut Karg
2021

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Aprilzauber

Beitrag von Dr. Karg »


Aprilzauber

Im März gab es noch die milderen Tage
Mit Strahlen und Wärme den ganzen Tag.
Das Helle hielt dem Leben die Waage
Und jeder lebte, wie er's gerne mag.

Dann kamen zu Ostern Kaltwinde her,
Wie es fast jedes Jahr bei uns Wetterbrauch.
Diese brachten vom Norden mehr und mehr
Eisgelüste – so kam der Schnee denn auch.

Weit hat sich der Frühling zurück gezogen,
Osterglocken stehen mit Hauben in Weiß.
Wieder werden die Tannenäste gebogen
Auf des Windereinbruchs stilles Geheiß'.

Der April, ja, der weiß schon, was er will,
Zaubert uns wieder Schneedecken hin
Und beschützt so die Saaten mit dem Ziel,
Dass das Abwarten doch seinen Sinn.


©Hans Hartmut Karg
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Sonnenmilchhaut

Beitrag von Dr. Karg »


Sonnenmilchhaut

Die weiße Sonnenmilch
liegt auf den besten Körperstellen,
verteilt sich, einmassiert
so leicht, zieht langsam ein
in die bestrahlte Haut.

Wenn immer anderswo
Menschen noch gut geschützt
die Haut verborgen tragen,
ist alles hier am Strand
als Haut doch Markt!

Sehr braun gebrannt
und strahlend wird Gesundheit
als Bildnis ewiger Jugend
gezeigt mit Hautanreiz,
dem Alter nichts geschuldet.


©Hans Hartmut Karg
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Jahrein, jahraus

Beitrag von Dr. Karg »


Jahrein, jahraus

Jahrein, jahraus zum schönen Ort,
Zu andrer Welt mit viel Erholung,
Nur weg, jetzt fahren alle fort:
Besorg' für`s Auto beste Sohlung!

Endlich dorthin, wo alles sehnt,
Was jedes Jahr wir gern gesehen:
Die Welt ist flach und doch geschönt,
Wenn wir vertraut zum Wasser gehen.

Kein Film, kein Bild kann je ermessen
Das Wunder dieser Sensation,
Wenn sich die Blicke südwärts messen,
Wo Reisen unser Jahreslohn.

Stress fällt rasch ab, die Seele frei,
Von Freude lustvoll angetrieben,
Wenn endlich alles Liebelei
Am Ort, wo wir die Sonne lieben.


©Hans Hartmut Karg
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Fragen über Fragen

Beitrag von Dr. Karg »


Fragen über Fragen

Auch, viele Träume sind gescheitert,
Haben das Lebensglück erschüttert,
Oftmals den Horizont geläutert,
Weil Neugier manchmal Böses füttert.

Wer hätte sich denn träumen lassen,
Dass nun im Alter Trennung droht,
Allein Du dastehst, ganz verlassen
In Tagen voller Seelennot?

War es nicht einst das Glück im Mai,
Als sehnsuchtsvoll er um Dich freite,
Weil er nur wollte, dass Ihr Zwei
Ein Leben führt, ganz ohne Leide?

Was war geschehen, was zerbrochen,
Warst Du vielleicht nicht anerkannt?
Sind Hinterstimmen her gekrochen,
Haben Dich unter Wert verkannt?

Warum hat er nicht widersprochen,
Sich stark gemacht für Eure Liebe,
Ist Ihnen auf den Leim gekrochen,
Hat nicht erkannt, dass sie nur Diebe?

Nachdem das Unheil nun vollendet,
Sind diese Stimmen längst verschwunden,
Doch hat das Glück sich abgewendet,
Geblieben sind nur tiefe Wunden...


©Hans Hartmut Karg
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Im April

Beitrag von Dr. Karg »


Im April

Mit dem Strahlenwechsel im April
Zeigen sich erste Frühlingsblumen,
Bauen auf das Gemüt mit Gefühl,
Erwecken zum Leben unsere Krumen.

Jetzt wird es Zeit, Abschied zu nehmen
Vom Eis, wenn mir helles Morgenblau
Die Seelenharmonie bringt ins Benehmen –
Und das bei der liebevollsten Frau.

Die Hochbeete sind längst hergerichtet
Und warten auf ihre frühe Saat.
Da wir zur Einhäusigkeit verpflichtet,
Wächst uns zu manche Liebestat...

Der Garten will weiter Gestaltung finden,
Die Beete sind noch nicht ganz gerodet.
So müssen wir uns halt doch überwinden,
Nachsehen, was noch nicht ausgelotet.

Doch immer schöner sieht es dann aus,
Was die Hände mit Liebe vollbracht.
Gehen wir im Jahr erneut aus dem Haus,
Kommt der Frühling uns weiter mit Macht.


©Hans Hartmut Karg
2021

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Feinstaub und Sand

Beitrag von Dr. Karg »


Feinstaub und Sand

Wo kommt denn das alles her,
Was an Staub unsere Böden „ziert“?
Wir Reiniger haben es schwer,
Wenn Wind den Sand zu uns führt.

Gewölle liegt in Zimmerecken
Und ist beim Aufsteh'n schon da.
Auch das lässt uns aufschrecken,
Weil wir der Wüstenei nah.

Selbst wenn man ständig saugt,
Gar feucht seine Böden wischt:
Der Wind, der das Land auslaugt
Ist's, der die Lüfte aufmischt.

Unablässig bringt er den Sand,
Um mit Feinstaub alles zu mischen.
Der breitet sich über das Land,
Da hilft nur ständiges Wischen.

Also bleibt die Menschentat:
Alles einsammeln mit viel Saugen
In der Hoffnung, dass man Kräfte noch hat,
Die für den Reinheitssinn taugen.


©Hans Hartmut Karg
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Es ist kompliziert

Beitrag von Dr. Karg »


Es ist kompliziert

Da kommen sie zum Therapeuten
Und öffnen sich mit Seelenhäuten,
Hören gar mit verhärmtem Blick
Fragen zu ihrem Lebensglück.

Da sitzt ein ausgepuffter Fuchs,
Hellwach, zuhörend wie ein Luchs
Und kann dem Paar alsbald entlocken,
Wo er mit Hilfe kann andocken.

Denn er will die Beziehung heilen
Und rettend in den Worten weilen.
Nicht Trennung ist deshalb sein Ziel,
So geht er vor mit viel Gefühl.

Das Gute Leben sieht er schon,
Libido ist Beziehungslohn.
So kann das Paar er bald einweihen
In Liebeskunst mit viel Verzeihen.

Das ist oft schwer, ist kompliziert,
Wenn man als Therapeut doch spürt,
Dass Trennungswünsche nichts vergeben,
Verstärken s'Auseinanderleben.

Deshalb fragt er, was sie erfreut
Und was sie deshalb nie bereut,
Als sie einst zueinander fanden,
Um Defizite nicht zu ahnden.

Da leuchtet alte Liebe auf,
Nimmt mit Erzählen ihren Lauf.
So sieht das Paar endlich beglückt:
Verzeihung ist doch nicht verrückt!

Und wieder spürt der Therapeut,
Wenn er gezielte Fragen streut,
Dass Mitmenschliches höherführt,
Ein Paar Anziehung neu verspürt.


©Hans Hartmut Karg
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Es sind die Erwartungen

Beitrag von Dr. Karg »


Es sind die Erwartungen

Nicht alles im Leben wird lebenswert bleiben,
Wenn in neue Dienstbarkeiten Du gehst.
Man wird Dir da manche Grille vertreiben,
Wenn Du nicht zu Deiner Firma stehst.

Klar wird man Dir am Anfang erklären,
Dass Lehrjahre keine Herrenjahre sind,
Will damit Deinen Arbeitseifer mehren,
Weil sonst diese Zeit vergeblich verrinnt.

Sind es die Erwartungen im Verlauf,
Auf die man Dich sogleich eingestellt,
Damit Arbeitsprozesse kommen in Lauf
Oder ist es nur das altschnöde Geld?

Natürlich muss ein Betrieb auch verdienen,
Sonst kann er Dir keinen Lohn auszahlen.
Da gibt es leider destruktive Schienen,
Die alles Kapital immer nur schwarzmalen.

Doch wisse: Je besser die Firma dasteht,
Wenn die Produktqualität global überzeugt,
Gelingt das, worauf man auch beruflich steht,
Weil der Beschäftigtenfleiß sich zur Arbeit beugt.

Deshalb sind Erwartungen, die man aufnimmt,
Der Schlüssel zu betrieblichen Erfolgen.
Der Beruf, den man dadurch ernst nimmt,
Macht zufrieden, wenn wir das Ethos befolgen.


©Hans Hartmut Karg
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Laublose Lichtungen

Beitrag von Dr. Karg »


Laublose Lichtungen

In den viel zu langen Käferzeiten
Sind nur noch Trockenreste erhalten,
Wo Winde über Abhänge gleiten
Und Stürme die Kronen spalten.

Dann fallen krabbelnde Massen
Über die letzten Resthaufen her,
Schädigen Bäume und erfassen
Alles Grünleben doch zu schwer.

Nichts hält ihr Vordringen auf,
Sie erfassen sogar den Untergrund,
Haben ihren dauernden Lauf
Und geben uns ihre Übermacht kund.

Das Zeitalter der Schädlinge ist schon da,
Man berichtet viel, ohne zu mindern.
Dadurch kommt uns jede Seuche nah –
Vernetzungen sind nicht zu verhindern!

Vielleicht werden wir doch endlich klug
Und verlassen sichere Komfortzonen,
Denn von Pandemien haben wir genug,
Wollen wieder in Sicherheiten wohnen.


©Hans Hartmut Karg
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Die Seele braucht

Beitrag von Dr. Karg »


Die Seele braucht

Die Seele braucht auch Lasten,
Um in der Lust heimisch zu werden:
Sie wird zum Kleinod gegen Hasten
Und wir geraten so ins Werden.

Kein Tag wär' ohne Lebenslust,
Wär' er mit Arbeit zugestellt:
Wo immer nur viel Neid und Frust,
Da gibt es keine offene Welt.

Die Seele braucht Entlastung auch
Und immer wieder die Bekennung:
Ein Wunsch lebt nicht allein vom Bauch,
Das Glück bedarf der Anerkennung.


©Hans Hartmut Karg
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Ach, Christiane...

Beitrag von Dr. Karg »


Ach, Christiane...

Wie warst Du mir ein Leben lang so zugetan
Und immer doch die Herrin meiner Tafel!
Wie hätte ich die Staatsgeschäfte, das Dichterleben
Jemals gemeistert, wärst Du mir nicht gewesen?

Du warst in Praxisklugkeit mir sehr weit voraus,
Warst Helferin, Beraterin, dienende Magd,
Nachsichtig mit den ganzen Unzulänglichkeiten,
Wenn aushäusig in mir der Mann erwachte.

Allein, ich lebte gern den Traum des Dichters,
Ganz stark in unserem Weimar eingehegt.
Frei ging es hin zur Ilm, zum Gartenhaus,
Denn täglich braucht' ich meine Schritte.

Mein Haus, es wurde erst durch Dich belebt,
Diskret konntest Du Gäste reich bewirten.
Gut hast Du's überwacht, im Haus gehalten,
Selbst wenn der Freunde viele zu uns kamen.

Wie wäre arm mein Leben ohne Dich geblieben,
Nur sehnend endlos langer, leerer Traum,
Hätte ich Dich niemals im Glück gefreit
Und wäre die Natur nicht hold geblieben.

Jetzt liegst Du fern von mir begraben,
Einsam und fast allein lieg' ich mit Schiller.
Doch ewig bleibt mein Herz dankbar erfüllt
Als Hoffnung, dass wir dereinst uns wiedersehen.


©Hans Hartmut Karg
2021

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Erwartend das Tagesglück

Beitrag von Dr. Karg »


Erwartend das Tagesglück

Verlassene Nähe
treibt sehnend zur Ferne:
Hoch steigt eine laute Krähe
ins Nichts, in den Dunst.

Noch ist es zu früh,
um Farben zu sehen,
den nächtlichen Schatten
den Stachel zu ziehen.

Dann fängt der Blick
verschwommene Bilder ein,
schon erwartend das Tagesglück,
wenn der Wille erst aufsteht.

Wären da nicht
die entschwindenden Zeichen
der fahlkalten Nacht in Deinem Gesicht,
wie seelenlos flösse die Zeit uns.


©Hans Hartmut Karg
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Nichts als ein Farbenspiel

Beitrag von Dr. Karg »


Nichts als ein Farbenspiel

Nordschlürfende Sonnenwende
mit gelbfarbenem Teppich
verschlingt meine Blicke
an flechtengrauen Felsbrocken,
die, rundgeschliffen von Winden
ihr Schicksal mit den alten,
niederbuschigen Sträuchlein teilen.

Wie reich ist doch dieses gelbliche,
nur bei näherem Hinsehen
für mich unerwartete Farbenspiel
an den lebensfeindlichen Steinen –
frohleuchtende Flora in hohem Norden.

Da ist nichts,
wirklich gar nichts
in kühlfließender Einsamkeit,
als dieses wundersame Spiel
zwischen den Farben von Hellgelb bis Rot,
um dem weiten Himmelsblau
einen Anblick zu bieten.


©Hans Hartmut Karg
2021

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Ohne Bangen

Beitrag von Dr. Karg »


Ohne Bangen

Wollen wir nicht, sollen wir nicht
Unsere Lieben endlich besuchen.
Wir Menschen brauchen doch das Gesicht,
Die Gespräche, um das Leben zu suchen.

Ohne ein „Du“ und ohne ein „Dein“
Verläuft die Zeit sich im Nichts,
Kann uns Seelenhelfer niemals sein
Im Angesicht des Virusgewichts.

Nur wenn wir uns dazu entschließen,
Alle Maßnahmen zu ergreifen,
Können wir auch ein Danach genießen,
Weil wir mit dem Schützen reifen.

Also isoliert bleiben – ohne Bangen,
Nur so wird die Pandemie besiegt!
Zurückschrauben nun Begegnung, Verlangen,
Selbst wenn uns das gar nicht liegt.


©Hans Hartmut Karg
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Halt in der Welt

Beitrag von Dr. Karg »


Halt in der Welt

Wer ohne Halt nur Suchender bleibt,
Dem kann diese Welt nichts bieten,
Weil er unfertig sich deshalb aufreibt,
Weil das Schicksal ihn gemieden.

Das Unfertige ist doch Realität,
Unvollkommenheit wäre menschlich.
Für die Zukunft ist es nicht zu spät,
Verwehrt ist sie niemandem gänzlich,

Nur weil die Perfektion nicht obsiegt
Und das Offene weiterhin treibt,
Was doch Suchenden eigentlich liegt,
Wenn die Welt sich an ihnen reibt.

Halt in der Welt sei uns ein Ziel,
Selbst wenn unvollkommen der Wille.
Nimm teil an diesem Freiheitsspiel,
Lege ab die Trauerbrille.

Der Haltlose findet ja keinen Halt,
Selbst wenn er getragen würde,
Denn das Offene sieht er als Gewalt,
Überspringt niemals diese Hürde.


©Hans Hartmut Karg
2021

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Orestie

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Orestie

Schon Aischylos wusste immer davon,
Dass es den Richter der Sterblichen gibt.
Der wird wohl unsere Taten verzeichnen,
Uns messen und genau darauf achten,
Was im Sinne der Götter werthaltig.

Da wird keine Tat unverzeichnet bleiben,
Die Verdrängung allein reicht nicht aus.
Denn nicht alles ist uns vorherbestimmt,
Wenn Entscheidungen bei uns liegen,
Wir unsere Wege frei begehen.

Keiner von uns kann dann mehr tricksen,
Nichts schönreden, was eigentlich schlecht.
Nicht einmal die vielen Kumpane werden
Die Böswilligen von den Göttern befreien,
Selbst wenn sie sich sündenfrei glauben.

Denn tief drin in umklammernder Erde
Bleibt jeder für sich einsam, gefangen,
Wenn er als Sterblicher nicht mehr
An der Tafel der Lebenden sitzt,
In Ewigkeit rastend, vergessen.


©Hans Hartmut Karg
2021

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